+
Erfolgloser Protest: Die Anwohner können ihre Vorschläge nicht in einem Workshop einbringen.   

Workshop abgesagt

Sendlinger Straße: Ohne Verzögerung zur Fußgängerzone

München - Die Stadt schmettert den Wunsch der Anwohner nach mehr Bürgerbeteiligung ab. Jetzt soll schon im April ein Beschluss fallen.

Nun also doch: Der Stadtrat soll bereits im April den einjährigen Probeversuch zur Einrichtung einer Fußgängerzone in der gesamten Sendlinger Straße beschließen. Der vom Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel und einer Bürgerinitiative „Pro Sendlinger Straße“ geforderte Workshop wurde vom Planungsreferat abgeblasen. An dem Workshop hätten betroffene Akteure wie Gewerbetreibende, Handwerker, Anwälte, Ärzte, Hausbesitzer und Anwohner teilnehmen sollen, aber auch Kommunalpolitiker, das Münchner Forum und die Polizei. Ziel wäre es gewesen, sinnvolle Lösungen für alle Anlieger und Anwohner zu finden.

Das Planungsreferat stand dem Workshop jedoch skeptisch gegenüber, weil es den Verkehrsversuch zur Fußgängerzone weiter verzögert hätte. Die Verwaltung verweist überdies darauf, dass in ihrem Beschlussvorschlag ohnehin Ausnahmeregelungen für Anwohner eingearbeitet seien. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte zuletzt darauf gedrängt, die Entscheidung für das Projekt nicht weiter hinauszuschieben.

Anstelle des Workshops findet nun eine Bürgerversammlung am Dienstag, 8. März, im Stadtmuseum statt. Von 18 bis 20 Uhr werden Vertreter der Stadt die Pläne zu dem Verkehrsversuch vorstellen.

Kritiker sagen: Probeweise Einführung der Fußgängerzone ist eine Mogelpackung

Die Sendlinger Straße ist im nördlichen Teil bereits 2013 zur Fußgängerzone umgestaltet worden. Künftig könnte sie auch im gesamten Verlauf als Fußgängerzone erlebbar werden. Nach dem einjährigen Versuch soll der Stadtrat auf Grundlage der Erfahrungen über eine endgültige Umgestaltung entscheiden. Der Versuch könnte im Sommer 2016 starten – sollte der Planungsausschuss des Stadtrats am 6. April dafür stimmen.

SPD und Grüne befürworten den Versuch, die CSU will ihn auch mittragen, weil es im Kooperationsvertrag mit den Sozialdemokraten so festgeschrieben ist. Kritiker wie FDP-Stadtrat Michael Mattar bemängeln, die probeweise Einführung einer Fußgängerzone sei letztlich eine Mogelpackung und würde Fakten schaffen. Die Verwaltung vertritt indes die Auffassung, dass mit der Neubebauung des Areals des Süddeutschen Verlages zwischen Färbergraben und Hackenstraße eine neue städtebauliche Situation geschaffen worden sei. Das Planungsreferat sieht funktionale Impulse für das gesamte Hackenviertel, die eine Umgestaltung der Sendlinger Straße begünstigten. Weil im bereits zur Fußgängerzone umgestalteten Teil der Sendlinger Straße positive Erfahrungen gesammelt worden seien, solle nun auch der restliche Abschnitt der Einkaufsstraße zum Flanieren einladen. Nach Bekunden der Stadt werden auch die Singlspielerstraße und Schmidstraße in das Konzept miteinbezogen.

Der Workshop: Politisch nicht gewollt?

Im Bezirksausschuss ist man unterdessen nicht nur darüber verärgert, dass der Workshop nicht stattfindet, sondern auch die Terminierung der Bürgerversammlung sorgt für Unmut. Zeitgleich mit der städtischen Info-Veranstaltung zu den Fußgängerzonen-Plänen hält der Bezirksausschuss nämlich am Dienstag seine reguläre monatliche Sitzung ab. Dieser Termin ist schon seit langem fix. Wolfgang Neumer (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses, artikulierte am Freitag seinen Frust: „Das ist die Art und Weise, wie das Planungsreferat mit uns umgeht.“ Der Workshop sei anscheinend politisch nicht gewollt, die Wünsche des BA würden ignoriert. Auch die Bürgerinitiative, so Neumer, habe am Freitag noch gar nichts von dem kurzfristigen Termin gewusst.

Mattar hätte sich ebenfalls den Workshop gewünscht. Nach seiner Meinung würde es sich in der Sendlinger Straße anbieten, einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich zu schaffen. Ein sogenannter „Shared-Space“ würde das Radfahren weiterhin ermöglichen, Fußgänger hätten mehr Platz – und trotzdem könnten bei dieser Lösung Arztpraxen und Tiefgaragen mit dem Auto erreichbar bleiben und ein Teil der Parkplätze erhalten werden. 

Klaus Vick

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner Briten wollen deutsche Pässe
München - Immer mehr in München lebende Briten wollen gerne einen deutschen Pass. Grund dafür ist der Brexit. Seit die Bürger Großbritanniens sich für den Austritt aus …
Münchner Briten wollen deutsche Pässe
Messer an Hals gehalten: Brutales Räuber-Trio überfällt Teenager
München - Äußerst brutal hat ein Räuber-Trio zwei Jugendliche auf dem Pasinger Fußballplatz überfallen. Nun stehen die drei Angeklagten vor Gericht.
Messer an Hals gehalten: Brutales Räuber-Trio überfällt Teenager
Fandungserfolge bei der Bundespolizei
München - Das neue Jahr ist noch jung - die Bundespolizei kann aber bereits mehrere Fahndungserfolge verzeichnen. In den Münchner Bahnhöfen wurden von den Beamten …
Fandungserfolge bei der Bundespolizei
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München - Jedes Wochenende ist in München volles Programm - da ist es schwer, die Übersicht zu behalten. Hier finden Sie die größten, wichtigsten und schönsten …
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine

Kommentare