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Sepp Krätz verliert wohl seine Gaststätten.

KVR entzieht dem Wirt die Konzession

Sepp Krätz verliert seine Gaststätten

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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München - Sepp Krätz verliert wohl seine Gaststätten: Das KVR beschloss am Mittwoch, dem Wirt die Konzession für den Andechser am Dom zu entziehen.

Die Behörde ordnete zudem die Schließung des Lokals zum 1. Juni an. Ob das der Fall ist, hängt von der Entscheidung des Verwaltungsgerichts ab - Krätz will dagegen vor Gericht ziehen. Die Entscheidung des Landratsamts über die Waldwirtschaft Großhesselohe steht noch aus.

Für Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle ist die Sache klar: „Wenn einer über Jahre hinweg Steuern in dieser Größenordnung hinterzieht, kann er nicht mehr als zuverlässig gelten.“ Gestern beschloss das KVR deshalb, Sepp Krätz die Konzession für den Andechser am Dom zu entziehen. Zudem ordnete die Behörde die Schließung des Lokals zum 1. Juni an.

„Uns ist durchaus bewusst, dass das eine schwerwiegende Entscheidung ist und Krätz damit seine wirtschaftliche Grundlage verliert“, sagt Blume-Beyerle. Man habe die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. „Wir haben eine Gesamtwürdigung seiner Person angestellt. Da eine Haft- und eine Geldstrafe verhängt wurde, ist für uns die Sache klar.“

In der Wirtschaft scheint man von der Entscheidung am frühen Nachmittag noch keinen blassen Schimmer zu haben. „Davon wissen wir nichts“, sagt ein Kellner. „Und wir dürfen dazu auch nichts sagen. Fragen Sie am besten den Chef.“ Krätz selbst steht ein paar Stockwerke weiter oben im Büro. „Ich habe noch gar nichts bekommen“, meint er und verweist auf seinen Anwalt Richard Seifert.

Dem liegt der Bescheid der Behörde bereits vor. Er sagt: „Das KVR hat nicht die Aufgabe, eine zusätzliche Strafe auszusprechen.“ Das Referat habe die Aufgabe, die Allgemeinheit vor Schaden zu schützen. Seifert kündigt an, den KVR-Bescheid vom Verwaltungsgericht überprüfen zu lassen. „Die Kernfrage ist: Geht von Krätz eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, wenn er Wirt bleibt.“

Es gebe durchaus gute Argumente gegen die Entscheidung des KVR. Nicht zuletzt weil das Landgericht im Steuerhinterziehungsverfahren in seiner Urteilsbegründung Krätz eine günstige Zukunftsprognose bescheinigt habe. Auch sei die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt worden. Zudem habe Krätz Maßnahmen getroffen, die eine Steuerhinterziehung künftig unmöglich machten.

In einem Eilverfahren soll jetzt der Vollzug des KVR-Bescheids ausgesetzt werden. „Würde das Lokal zum 1. Juni zugesperrt und sich nachher herausstellen, dass das nicht rechtmäßig war, würde ein Schaden entstehen“, erklärt Seifert. Diesen gelte es abzuwenden.

Während dem Rechtsanwalt der KVR-Bescheid seit gestern Mittag vorliegt, hat er vom Landratsamt München noch nichts gehört. Das entscheidet über die Konzession für die Waldwirtschaft Großhesselohe. Seifert betont, dass die Waldwirtschaft ein unbescholtener Betrieb sei.

Philipp Hahn vom Münchner Landratsamt bestätigt, dass es sich bei der Waldwirtschaft um einen anderen Betrieb handele. Gleichwohl bestehe ein „gewisser Grundzweifel“ an der Zuverlässigkeit von Krätz. Man habe den Wirt am 8. April angehört und damit das Verfahren zum Entzug der Konzession eingeleitet. Allerdings habe man Krätz die Möglichkeit eingeräumt, weitere Unterlagen beizubringen. Vor allem das strafrechtliche Urteil. „Denn darauf werden wir unsere Entscheidung im Wesentlichen stützen“, sagt Hahn.

Am Montag entscheidet der Stadtrat, wer Krätz’ Nachfolger auf der Wiesn wird. Formal ist Krätz selbst noch im Rennen. Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) hatte jedoch schon angekündigt, den Gastronomen dem Stadtrat heuer nicht mehr als Wiesnwirt vorzuschlagen.

Auch auf dem Frühlingsfest ist Krätz nicht mehr präsent. Wie berichtet hatte er seinen Antrag auf Zulassung freiwillig zurückgezogen. Allerdings bleibt das Zelt in den Händen der Familie: Das KVR erteilte Krätz’ Ehefrau Martina und seiner Schwester Johanna Barsy die Genehmigung, das Hippodrom auf dem Frühlingsfest zu führen.

Sepp Krätz war Ende März vom Landgericht zu 22 Monaten Haft auf Bewährung und 570 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte gestanden, im Andechser und im Hippodrom mit schwarzen Büchern insgesamt 1,1 Millionen Euro hinterzogen zu haben. In dieser strafrechtlichen Angelegenheit wurde Krätz von Peter Gauweiler vertreten. Anwalt Richard Seifert dagegen ist für die Verhandlungen mit der Stadt zuständig.

Laut Blume-Beyerle ist der Entzug einer Konzession nichts Ungewöhnliches. „Das kommt 20 bis 30 Mal im Jahr vor.“ Allerdings handele es sich dabei um unprofessionelle Wirte, die eine kleine Wirtschaft für kurze Zeit als „Abenteuer“ führten. Meist seien Hygieneverstöße dafür verantwortlich. „Dass ein erfahrener Großgastronom seine Konzession entzogen bekommt, ist in meiner Amtszeit noch nicht passiert“, sagt der KVR-Chef.

Bettina Stuhlweissenburg und Andrea Steiler

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