Entscheidung offiziell: Das planen die Bayern mit Coman

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Mit einer Eismaschine, ein paar Zutaten und einer Rührschüssel fing alles an: Bei den Eltern in der Küche tüftelten die Münchner Brüder Daniel (l.) und Paul Russ an der Rezeptur für ihr Protein-Eis „Protami“.

Serie: Made in München

Fitness-Trend: Protein-Eis aus München

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München - „Made in Munich“ – klingt doch gut. Viele Jungunternehmer haben sich entschieden, ihre Marken und Produkte in der Landeshauptstadt aufzubauen. Wir stellen die Münchner Macher in einer Serie vor. Heute: Das Protein-Eis „Protami“.

Speiseeis im Fitnessstudio – das klingt zunächst ähnlich grotesk wie Heroin in einer Entzugsklinik. Wer will schon nach einem harten Training den Erfolg mit einer Süßspeise gleich wieder aufs Spiel setzen? Zwei Münchner Brüder haben es jedoch geschafft, ihr Produkt – ein sogenanntes Protein-Eis – in den Sportstudios der Stadt zu etablieren. Sie werben damit, dass „Protami“ nur ein Viertel der Zuckermenge von herkömmlichem Speiseeis enthält, halb soviel Fett, aber viermal soviel Proteine, also Eiweiß. Und sie scheinen damit überzeugen zu können.

Die „Protami“-Erfinder Daniel und Paul Russ, 30 und 32 Jahre alt, machen selbst viel Fitness- und Krafttraining. „Als Sportler ernährt man sich proteinreich, mit wenig Fett und Zucker“, sagt Daniel Russ. „Man hat nicht immer Lust auf Proteinriegel, sondern will auch mal ein Eis essen – aber das ist immer sehr fett- und zuckerreich.“ Also entwickelten die Münchner Brüder einfach ihr eigenes Eis. Das Testlabor: die Küche auf dem elterlichen Dachboden.

Im Frühjahr 2014 fingen die beiden an zu tüfteln, abends nach der Arbeit. Sie kauften sich eine Eismaschine, informierten sich über die Zutaten von Speiseeis. Zur Milch gaben sie Protein-Pulver hinzu, ersetzten den Zucker durch Xylit, einen Austauschstoff, der aus Birkenrinde gewonnen wird. Ein halbes Jahr sollte es dauern, bis die Mischung stimmte und das Ergebnis schmackhaft war. Wenn sie von ihren ersten Versuchen erzählen, schauen die Brüder sich an, verziehen die Gesichter und müssen lachen.

Zwei Jahre später gibt es das Protein-Eis „Protami“ nach ihrer Rezeptur bereits in rund 200 Verkaufsstellen – vor allem in Münchner Fitnessstudios. „Das waren unsere ersten Anlaufstellen – eine Bewährungsprobe“, sagt Paul. Die Bedingung am Anfang: Die Brüder mussten die Kühltruhen zunächst selbst zur Verfügung stellen. „Dafür haben wir alles zusammengekratzt, was wir hatten“, erinnert sich der 30-Jährige.

Die Herstellung übernahm am Anfang noch ein Münchner Eismacher; die Brüder beklebten die Becher in Handarbeit einzeln mit Etiketten. Die Zeiten sind vorbei. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass sie die Produktion in eine Fabrik im Norden der Republik ausgelagert haben. 50 000 Becher verlassen dort nach einem Produktionstag das Gelände – in den Sorten Schokolade, Erdnuss, Erdbeer-Vanille und Banane. Langsam wagen sich die Brüder auch in den Einzelhandel vor. Rewe und Edeka vertreiben „Protami“ bereits in ersten Filialen.

Die Brüder haben mittlerweile auch ihre bisherigen Jobs aufgegeben und widmen sich jetzt voll und ganz ihrer eigenen Firma. Daniel arbeitete in der Immobilien-Branche, Paul als Allgemeinmediziner. „Alle in unserem Umfeld haben gesagt, dass wir verrückt sind, alles zu riskieren für ein Eisgewerbe, aber wir haben daran geglaubt“, sagt Daniel.

Es sind Momente wie dieser, die die Brüder in ihrer Entscheidung bestärken: „Neulich war ich in einem Supermarkt, wo unser Eis zur Verkostung angeboten wurde“, erzählt Paul. „Da war ein kleines Mädchen und das hat zu seinem Vater gesagt: ,Papa, ich habe gerade ein gesundes Eis gegessen.‘“ Er lacht: „Die Kleine war fünf oder sechs Jahre alt, aber sie hat unsere Idee verstanden.“

„Protami“-Eis ist unter anderem in den „Body+Soul“-Studios sowie in „Leo’s Sports Club“ erhältlich. Einen Shopfinder gibt es online: www.protami.de.

Lesen Sie hier alle Teile unserer Serie "Made in München". Von den Taschen aus Aktenordern, Hundeleinen, Mode jenseits der Größe Nulloder der scharfen "Inge".

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