Produkt bei Edeka wegen „Extra-Zutat“ zurückgerufen - zwei Viertel in München sind betroffen

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Blume des Gemeindebaus: Im Karl-Marx-Hof in Wien aus dem Jahr 1930 gibt es insgesamt 1382 Sozialwohnungen.

München 2040 - Die Stadt der Zukunft

Günstige Mieten: Was München von Wien lernen kann

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Gemeindewohnungen sind in Wien ab 3,70 Euro pro Quadratmeter zu haben, im Gemeinde-Neubau zahlt man im Schnitt 7,50 Euro. Auf dem Wiener Wohnungsmarkt herrschen Verhältnisse, von denen die Münchner nur träumen können.

München - Nicht umsonst ist Wien auch gerade wieder in einer Mercer-Studie zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit gewählt worden (München ist da Dritter)…

Ein Grund ist die Masse an Sozialwohnungen. 220.000 Apartments in 1749 Bauten gehören in Wien der Gemeinde, das sind 32 Prozent. 26 weitere Prozent sind Eigentum gemeinnütziger Immobilienfirmen, die moderate Mieten verlangen. Rund 680 Millionen Euro pro Jahr kostet das die Stadt laut Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ). Zum Vergleich: In München gehören rund zwölf Prozent des Wohnungsbestands den städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag.

Wer in Wien im Gemeindebau wohnen will, muss nicht viele Voraussetzungen mitbringen. Bewerben kann sich, wer seit mindestens zwei Jahren in Wien wohnt und als Einzelperson weniger als 44.410 Euro netto pro Jahr verdient. Die Krönung: Wer einmal drin ist, kann für immer bleiben.

Dach-Pools, Hallenbäder und Saunen

Gut jede siebte Gemeindewohnung liegt in der Innenstadt. Zudem bieten viele neuere Gemeindebauten Top-Ausstattung. Im Wohnpark Alt-Erlaa aus den 1970er-Jahren gibt es etwa Dach-Pools, Hallenbäder und Saunen für die Bewohner. Andere Anlagen sind freilich auch als Ghettos verschrien.

Entstanden ist der Gemeindebau in Wien in den 1920er-Jahren. Die Idee: günstige Wohnungen für die unter elenden Bedingungen hausenden Arbeiter bauen. Zwischen 1918 und 1934 entstanden so 65.000 Gemeindewohnungen. Das Wiener Bekenntnis zur Wohnraumversorgung, die sich der Spekulation entzieht, hat sich bis heute erhalten: Die Stadt hat keine einzige Wohnung an Private verkauft. Für Nachahmer ist das „Wiener Modell“ als Ganzes allerdings kaum tauglich – es ist historisch gewachsen. Welche Instrumente trotzdem funktionieren können, erklärt Städtebau-Professorin Sophie Wolfrum.

Städtebau-Expertin: „Sozialer Wohnbau ist mühsam“

In Wien nimmt die Masse an Sozialwohnungen den Druck aus dem Kessel. Sophie Wolfrum (65), Professorin am Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung der Technischen Universität München, erklärt, warum Wien ein Sonderfall ist, wie und wo München wachsen muss.

In Wien kann man trotz Zuzugs auch heute eine gut gelegene Wohnung für unter zehn Euro pro Quadratmeter finden…

Sophie Wolfrum: Wien ist ein Sonderfall. Wien hat diese große sozialdemokratische Wohnungsbautradition aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die nie ganz verlorengegangen ist. Im Wesentlichen aus dieser Historie stammt die große Anzahl an Wohnungen. Längere Zeit kam der soziale Wohnungsbau aber auch in Wien zuletzt zum Erliegen.

Städtebau-Professorin Sophie Wolfrum.

Kennen Sie den Wiener Gemeindebau?

Ja, die Verhältnisse sind beeindruckend. Es gibt viele Projekte mit heute immer noch sehr schönen Wohnungen in charakteristischen Anlagen, die gut gepflegt und modernisiert wurden.

Warum steht München heute nicht da wie Wien?

Man muss unterscheiden, was Stadt, Land oder Bund zu verantworten haben. Die Stadt München hat keine Wohnungen aus ihrem Bestand verkauft. Der Freistaat Bayern hat das sehr wohl getan, leider erst vor wenigen Jahren. Der Bund hat sich bekanntermaßen aus der Verantwortung für Sozialwohnungen verabschiedet. So fühlen sich die Großstädte in der Bundesrepublik alleingelassen.

Wäre es aus Ihrer Sicht möglich, heute vergleichbare Häuser wie in Wien auch in München zu errichten?

Auch in München gibt es ja mit Neuperlach oder im Hasenbergl die großen Siedlungen der Neuen Heimat. Nur dass diese bei der Auflösung der Neuen Heimat privatisiert wurden und nun sukzessive aus der Sozialbindung fallen. Die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag behalten dagegen ihre Wohnungen und kurbeln den Neubau wieder an. Zudem baut und fördert die Stadt heute Sozialwohnungen dezentral verteilt in den Stadtvierteln. Das ist richtig und vorbildlich.

„Sozialer Wohnbau ist überall möglich. Er ist nur eine Frage des Wollens“. Ist die Aussage tragbar?

Ja. Wollen heißt aber nicht, dass es einem dann zufliegt. Es ist sehr mühsam. Vor allem die Bodenpreise sind spekulativ durch die Decke gegangen. Wenn dann noch der Bund über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben seine Grundstücke zu Marktpreisen an die Städte verkauft, wird es unmöglich. Innovative Projekte wie „Wohnen für alle“ am Dantebad auf städtischem Grund werden dann zum Ausweg, der viel Kraft erfordert und erst mal nicht die nötige Masse bringt.

Hat München das Bauen verlernt?

München hat das Problem, dass viele keine Veränderung in ihrer Umgebung wollen. Jedes Projekt erfordert unglaubliche Überzeugungsarbeit in der Nachbarschaft. Das bremst.

Also in die Höhe bauen?

In die Höhe zu bauen scheint mir keine Lösung. Das wird nur teuer. Hohe Dichten wie in den Stadtvierteln Schwabing, Sendling und Neuhausen sind aber nötig. Viel zu lange sind Neubauviertel als Vorort-Siedlungen und nicht wie Stadt gebaut worden. Und ich meine auch, dass die Stadt im Osten (Daglfing, Engelschalking, Johanneskirchen) und im Nordwesten (Feldmoching) wachsen muss. Und zwar deutlich über die politisch ausgebremsten Zahlen hinaus.

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