Es geht um die Guglhupfe

Nach Shitstorm: Bäckerei Rischart lenkt ein und will die Kunden entscheiden lassen

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Guglhupf von Rischart – verpackt in Plastikboxen: Das sorgte zuletzt bei Münchnern für Empörung, nachdem der Verein Green City den Missstand öffentlich gemacht hatte. 

Update am Freitag: Rischart reagiert auf die Kritik

Inhaber Magnus Müller Rischart hat nun in einer schriftlichen Mitteilung erklärt. dass sein Unternehmen auf die Kritik an der Plastikverpackung reagieren werde. Man nehme die Diskussion sowie „den Wunsch der Verbraucher nach einer umweltfreundlicheren Verpackung sehr ernst“. 

Deshalb würde Rischart ab Samstag am Standort Marienplatz Guglhupfe ohne die Kunstoffverpackung anbieten, stattdessen in einer Verpackung auf Kartonbasis. Man wolle testen, wie die Kunden auf die Veränderung reagieren. Bei einem positiven Test soll die Maßnahme auf die anderen Filialen ausgeweitet werden. 

Außerdem erklärte Inhaber Müller Rischart, dass es in der Zwischenzeit ein Gespräch mit dem Verein Green City gegeben habe. Dort sei über weitere umweltfreundliche Maßnahmen beraten worden. 

Meldung am Mittwoch: Shitstorm für Bäckerei Rischart

München - Köstlich schaut er schon aus, dieser Guglhupf: luftig gebacken, zuckrig glasiert. Doch vielen Münchnern läuft beim Anblick des Rischart-Meisterwerks nicht wie sonst das Wasser im Mund zusammen - ihnen kommt eher die Galle hoch. Denn die köstlichen Backwerke stecken neuerdings in riesigen Tortenglocken aus Wegwerf-Plastik. Und das in Zeiten, da der viele Plastikmüll weltweit ein enormes Problem darstellt.

Der Verein Green City hat gestern ein Foto dieser Kuchen in Plastikboxen auf Facebook gepostet und damit viele Münchner aufgeschreckt. „Ach, Max Rischart’s Backhaus KG“, schreibt Green City. „Die ganze Welt redet vom riesigen Müllproblem. Und was macht Ihr? Packt Eure Kuchen seit kurzem in Plastikschalen. Muss das sein? Wir glauben nein.“ Schon mehr als 100 Wut- oder Wein-Emojis haben sich unter dem Beitrag angesammelt. 

„Oh mei... wann wacht auch der Letzte auf?“, kommentiert Nutzerin Petra Martin. „Diese Plastiknummer in der heutigen Zeit ist doch total rückwärtsgewandt und widerspricht allem, was eigentlich nötig wäre“, schreibt Angi Aicher. Und Christiane Stumpf fragt: „Ist es wirklich wichtiger, wie wir unseren Kuchen bekommen, als der Zustand unserer Natur?“ Claudia Ovenhausen meint: „ Überall erwacht das Bewusstsein endlich mal, die Leute machen sich Gedanken, finden Lösungen, und Rischart stülpt mal eben ‘ne Plastikhaube über Kuchen... Und wenn der Kuchen 1000 Mal schmeckt – so kauf’ ich den nicht, sorry.“ 

37,4 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder Deutsche im Jahr, in der Europäischen Union liegt der Schnitt bei 31,1 Kilogramm. Nicht mal die Hälfte davon wird recycelt. Regelmäßig kursieren Bilder, wie Plastiktüten und -verpackungen Ozeane, Straßen und Isarauen vermüllen. 

So reagiert Rischart auf die Vorwürfe

Rischart hat mit einem Statement reagiert: „Wir bedauern sehr, das Green City und deren Community mit der neuen Verpackung unseres Marmor- und Nusskuchens nicht zufrieden sind“, heißt es. „Selbstverständlich“ sei dem Unternehmen der schonende Umgang mit Ressourcen wichtig. Die neue Verpackung sei intern lange diskutiert worden. Natürlich beziehe man die Umweltverträglichkeit der Verpackungen in die Entscheidungsfindung mit ein. Gleichzeitig aber stünden „die Produktqualität und die Wünsche der Verbraucher ebenso an oberster Stelle“, lässt Unternehmenschef Magnus Müller-Rischart mitteilen. 

Zuvor seien die Guglhupfe mit Folie eingeschweißt gewesen. Das habe aber häufig die Glasur beschädigt und den Transport erschwert. Zudem ließen sich die Kuchen in der Plastikbox besser aufbewahren. Pappschachteln seien nur für Torten geeignet, die zum raschen Verzehr bestimmt seien. Rischart nehme die Diskussion aber „sehr ernst“. Zudem verweist Müller-Rischart auf die sonstigen Umweltaktivitäten seines Unternehmens - etwa dass die Eis-Pappbecher heuer durch Waffelbecher ersetzt würden. „UMWELT wird bei Rischart groß geschrieben“, steht auf der Homepage. 

Nutzerin Ildiko Remenyi-Vogt hat einen Vorschlag: „Macht doch Pfandverpackungen, das wäre quasi die Mitte.“ Dazu gab es von Rischart bislang jedoch keine Stellungnahme.

Sie ärgern sich auch regelmäßig über unnötige Plastikverpackungen? Schicken Sie uns ihre Beweisfotos unter diesem Facebook-Post.

Video: Weltmeere versinken im Plastikschrott


Christine Ulrich

Rubriklistenbild: © Schlaf Marcus

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