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Hoch hinaus ohne Gefahr – so soll es sein.

Frühling in der Stadt

Sicher in die Spielplatz-Saison: Was der Experte Eltern rät

München - Mit den wärmeren Frühlingstemperaturen zieht es wieder mehr Familien mit Kindern auf die Spielplätze der Stadt. Die unternimmt einiges, damit der Spaß ohne Blessuren endet. Aber auch Eltern können zum sicheren Vergnügen beitragen.

Draußen spielen macht Spaß, birgt aber auch Risiken. Gerade auf Spielplätzen ist ein Unfall beim Toben schnell passiert. Dass Rutschen und Klettern so sicher wie möglich sind, liegt zunächst einmal in der Verantwortung der Spielplatz-Betreiber. Die sind für Instandhaltung und Wartung ihrer Plätze verantwortlich. In München ist das bei den meisten Anlagen die Stadtverwaltung. Rund 730 Spielplätze betreibt sie im Stadtgebiet. Deren Unterhalt lässt München sich einiges kosten: rund sechs bis sechseinhalb Millionen Euro im Jahr, so schätzt das zuständige Baureferat grob.

Bei den Prüfungen lege man deutlich strengere Maßstäbe an, als es durch gesetzliche Normen und Regelungen festgelegt sei, betont Referats-Sprecherin Dagmar Rümenapf. So werde zum Beispiel einmal wöchentlich jeder Platz durch Sichtkontrollen überprüft. Bei stark frequentierten Spielflächen kann diese Kontrolle auch täglich erfolgen. Dabei wird auch der Sand oberflächlich gereinigt. Einmal vollständig ausgetauscht wird der Inhalt der Sandkästen zusätzlich jedes Jahr im Frühling. Die Arbeiten dazu sind momentan im vollen Gange.

Einmal monatlich kommen dann die Spielgeräte auf den Prüfstand. Um ihre Standfestigkeit zu testen, werden Rutschen und Schaukeln belastet und auf Schäden überprüft. Einmal im Jahr erfolgt zusätzlich eine große Kontrolle durch einen externen Gutachter. Hier werden zum Beispiel auch Stützpfosten freigelegt und in Augenschein genommen.

Worauf Eltern achten müssen - das sagt der Experte vom TÜV

Werden die Spielgeräte nicht sachgemäß benutzt, können allerdings auch auf dem sichersten Spielplatz Unfälle passieren. Franz Danner ist Spielplatzexperte beim Tüv-Süd und weiß, worauf Eltern achten sollten.

Fahrradhelme zum Beispiel sollten unbedingt abgenommen werden. Denn dient der Helm auf dem Fahrrad noch der Sicherheit der Kinder, kann er auf dem Spielplatz schnell zum Risiko werden: „Die Abstände der Einzelteile an Spielgeräten sind so festgelegt, dass ein Kinderkopf entweder nicht hindurch passt oder dass Kopf und Körper ganz durchrutschen können“, erklärt Danner. Ein großer Helm könnte sich trotz dieser cleveren Konstruktionsweise verfangen und so im schlimmsten Fall das Kind strangulieren.

Auch Kordeln und Bänder an der Kleidung können dafür sorgen, dass das Kind während des Tobens hängenbleibt. Im Halsbereich sind Kordeln an Kinderkleidung zwar seit zehn Jahren verboten, Kleidungsstücke mit den gefährlichen Bändern können aber zum Beispiel auf Flohmärkten durchaus noch zu finden sein. „Eltern sollten vorhandene Kordeln oder Zugbänder auf jeden Fall kürzen“, meint deshalb der Spielplatzexperte.

Ebenfalls nicht ratsam ist es, Kinder auf Spielgeräte zu heben. „Die vermeintlichen Barrieren dienen einem bestimmten Zweck“, erklärt Danner. „Der Zugang zu vielen Geräten ist auf ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Körpergröße ausgerichtet. Nur wenn ein Kind die Barriere selbstständig überwinden kann, ist auch die Nutzung des Spielgeräts in der Regel gefahrlos.“

Was tun im Fall von Mängeln und Schäden?

Da sich nicht alle Betreiber regelmäßig um ihre Anlagen kümmern, rät der Experte Eltern dazu, sich einen gründlichen Gesamteindruck des Spielplatzes zu verschaffen. Ein Indikator kann das GS-Zeichen auf den Spielgeräten sein. Dieses zeigt, dass die Geräte die Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes erfüllen. Auch Standfestigkeit und Abnutzungsgrad der Geräte können als Maßstäbe für einen gut gepflegten Spielplatz angelegt werden. Die Sauberkeit der Anlage ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium, und das auch, wenn die herumliegenden Abfälle nicht auf den ersten Blick gefährlich erscheinen – wie das beispielsweise bei Glasscherben der Fall ist. Insbesondere Kleinteile bergen ein hohes Risiko, da Kleinkinder sie in den Mund stecken und verschlucken könnten. „Wichtig ist auch, dass der Boden mit weichen Materialien wie Fallschutzsand ausgelegt ist“, sagt Danner. „Die federn Stürze ab und verringern das Verletzungsrisiko.“

Vor allem aber sollten Eltern darauf achten, dass der Betreiber mit seinen Kontaktdaten auf dem Spielplatz ausgeschildert ist. Nur so können Eltern Mängel melden. Bei den Anlagen der Stadt befindet sich auf den Geräten ein schwarz-gelber Aufkleber, mit einer ganzjährig freigeschaltete Service-Nummer. Auf der Internetseite des Baureferates gibt es zudem ein Online-Formular, über das Eltern Schäden melden können.

Annika Schall

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