Schee is er scho – aber steht er auch sicher? Im Maibaum an der Gänseliesel-Schule in Waldperlach steckt der Pilz. Daran entzündete sich eine Debatte über Haftungsfragen. schlaf

 Fällung angeordnet

Sicherheitsbedenken: Droht Schul-Maibäumen jetzt die Säge?

München - Einige Schulen und Kitas in München haben eigene Maibäume. Doch wie lange noch? Die CSU fürchtet, dass bald allen Stangerln die Säge droht, das Bildungsreferat habe die Fällung angeordnet. Der Grund: die Standsicherheit. Das Referat duckt sich weg.

Er war das i-Tüpfelchen bei der Eröffnungsfeier der neuen Gänseliesel-Grundschule in Waldperlach 2010: der Maibaum mit der Gans an der Spitze. Doch nun? Soll das Stangerl fallen – und mit ihm womöglich all die anderen Münchner Maibäume, die auf dem Gelände von Schulen und Kindertagesstätten stehen? Gestern gab es einige Aufregung um dieses Thema.

CSU-Fraktionschef Hans Podiuk verschickte eine Stadtrats-Anfrage. Darin vermutet er an einen „verspäteten Aprilscherz“: Ob es richtig sei, dass alle Maibäume auf Anweisung des Bildungsreferats gefällt werden müssten, fragt er. Tatsächlich würden doch sämtliche Maibäume in München laufend vom sogenannten Maibaum-TÜV auf Standsicherheit hin überprüft. Auch der 33 Meter hohe Baum am Viktualienmarkt stelle schließlich kein Risiko für die Marktbesucher dar.

Fest steht: München sieht in den Schul-Maibäumen offenbar ein besonderes Sicherheitsrisiko. Zusätzlich zu den jährlichen TÜV-Kontrollen durch eine Fachkraft muss ein Schul-Maibaum täglich angeschaut werden, etwa ob die Halterung noch intakt und der Baum nicht morsch ist – ob er also noch stabil steht und keine Kinder gefährdet. So will es offenbar die kommunale Unfallversicherung. Diese springt zwar ein, wenn ein Kind durch einen umstürzenden Maibaum verletzt wird – allerdings nur, wenn jene strengen Auflagen erfüllt sind, der Baum also täglich kontrolliert wurde. Doch das sei kaum leistbar, wie man hört: dass täglich ein Gartenbauamts-Mitarbeiter auf Schulhöfen herumlaufe und Bäume checke. Podiuk kritisiert: „Warum das Schulreferat die kleinen Bäume auf seinen Schulgeländen angeblich täglich kontrollieren lassen muss, ist nicht nachvollziehbar“, sagt er. Er will nun wissen, ob die betroffenen Kitas und Schulen „einen adäquaten Ersatz für Traditionspflege und Heimatkunde“ bekämen.

Bei der Stadt möchte man sich zunächst nicht äußern

Im Bildungsreferat hielt man sich gestern bedeckt. Nicht mal eine Zahl, wie viele Maibäume in München auf Schulgelände stehen, ist zu erfahren. Zu hören ist aber, dass eine umfassende Fällung wohl nicht geplant sei. Die Pressestelle tut lediglich kund: „Aktuell wurden haftungsrechtliche Fragen thematisiert. Wie das weitere Vorgehen zu den Maibäumen an Kitas und Schulen ist, wird derzeit geprüft.“

Offenbar entzündete sich die Debatte an der Gänselieselschule. Nach Informationen unserer Zeitung hatte der dortige Maibaum einen Pilzbefall, wie das Gartenbauamt feststellte. Die Schulleitung wollte den Baum aber gerne retten, obwohl er eigentlich sofort von der Feuerwehr abgebaut gehört hätte. Aufgrund dieses Vorfalls führt die Stadt nun die Haftungsprüfung durch: Wer haftet, wenn tatsächlich mal ein Maibaum umknickt, aber die Unfallversicherung nicht zahlt, weil der Baum nicht täglich angeschaut wurde?

Im Umland ist man beim Thema Maibaum entspannter

Im Münchner Umland geht man entspannter mit dem Thema um. Regulär muss ein Maibaum alle fünf Jahre ausgetauscht werden. In dieser Zeit finde jährlich eine Prüfung statt, erklärt Heribert Grellhösl, Hausmeister an der Volksschule Wegscheid (Kreis Lenggries). Der Kindergarten am Stadtwald in Dachau erfreut sich seit 20 Jahren an seinem Maibaum: „Wir sehen ihn als Brauchtum“, erklärt Leiterin Renate Mehlhase. Kontrolliert werde etwa halbjährlich, noch nie sei etwas aufgefallen. Und auch Matthias Wabner, Direktor der Dominik-Brunner-Realschule in Poing, vertraut auf die jährliche TÜV-Prüfung, für die die Gemeinde zuständig sei.

Edeltraud Karmann-Markovic, Vize-Schulamtsdirektorin im Landkreis München, ist überrascht vom Stangerl-Problem in der Landeshauptstadt: „Mir ist noch nie etwas davon berichtet worden, dass Maibäume auf Schulgelände ein Sicherheitsrisiko darstellen“, sagt sie. Der Sicherheitsbeauftragte des Schulamts hätte sicher angesprochen, wenn von den Bäumen eine erhöhte Gefahr für Kinder ausginge.

Caroline Wörmann, Christine Ulrich, Carmen Ick-Dietl

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