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Gastronomen Siegfried und Sabine Able scheinen sich sicher zu sein, bald Wirte in einem großen Wiesn-Zelt zu sein.

Nachfolge für Sepp Krätz

Siegfried Able: Der siegessichere Wiesn-Kandidat

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München - Heute fällt das Urteil gegen Wiesn-Wirt Sepp Krätz. Nun steht offenbar auch schon sein Nachfolger fest: Gastronom Siegfried Able ist sich so sicher, qq dass er sich für sein kleines Zelt nicht mehr beworben hat.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Platz im Wirte-Olymp frei wird. Ein großes Zelt auf dem Oktoberfest bedeutet nicht nur großes Prestige, sondern vor allem hohe Gewinne. Rund zwei Millionen Euro hat Sepp Krätz bislang vor Steuern mit seinem Hippodrom verdient. Dieses Geld wird künftig ein anderer einstreichen, denn Krätz hat gestanden, rund 1,1 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Neben der Bewährungs- und Geldstrafe wird Krätz durch die Verurteilung aller Voraussicht nach seine Zulassung für die Wiesn verlieren – vielleicht sogar seine Konzession für alle Gaststätten. Auch wenn es noch niemand offiziell bestätigen will, ist die Entscheidung der Stadt nach Informationen unserer Zeitung gefallen. Man warte nur noch das Urteil und eine Stellungnahme von Krätz ab, heißt es in Verwaltungskreisen.

Die Liste der Bewerber, die gern Krätz’ Nachfolge auf der Wiesn antreten würden, ist lang. Doch inzwischen deutet alles darauf hin, dass bereits eine Entscheidung gefallen ist – auch wenn es sie eigentlich nicht geben dürfte. Siegfried Able, Wirt des kleinen Wiesn-Zelts Kalbs-Kuchl, scheint sich jedenfalls extrem sicher zu sein, den Zuschlag zu bekommen.

Formal entscheidet der Stadtrat über die Wiesn-Zulassung

Formal entscheidet der Stadtrat erst Ende April über die Wiesn-Wirte. Vorgeschlagen werden sie von Wiesn-Chef und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD). Der will sich gestern nicht zur Nachfolgefrage äußern. Es gibt ein Punktesystem, nach dem die Stadt die begehrten Wiesn-Zulassungen vergibt, doch die genauen Kriterien sind streng geheim. Klar ist, dass Able bei den Nachrückern auf einem der vorderen Plätze steht, doch es gibt andere, die ähnlich viele Punkte haben sollen.

Aber nur Siegfried Able setzt heuer alles auf eine Karte. Er bewirbt sich ausschließlich um ein großes Zelt. Für seinen bisherigen Betrieb auf dem Oktoberfest, das kleine Kalbs-Kuchl-Zelt, reichte er im Winter keine Bewerbung ein. Das bestätigten unserer Zeitung zwei mit dem Bewerbungsprozess vertraute Personen. Ein extrem ungewöhnlicher Schritt, denn es ist durchaus möglich und üblich, sich sowohl um ein kleines, als auch um ein möglicherweise frei werdendes großes Zelt zu bewerben. Zusätzliche Kosten für eine Doppelbewerbung gibt es nicht. Zwar muss man Architekten mit den Plänen für die Zelte betrauen, doch die Unterlagen für eine Bewerbung für die Kalbs-Kuchl liegen ja bereits aus den Vorjahren vor.

Hoch gepockert oder weiß Able mehr?

Hat Able also nur hoch gepokert oder weiß er mehr? In Wirte-Kreisen sorgt das Vorgehen für große Irritationen. Von einer „ganz linken Nummer“ ist die Rede. Able müsse Hilfe bei der Ausarbeitung der Bewerbung um das große Zelt gehabt haben, so perfekt seien die Unterlagen auf die Kriterien der Stadt zugeschnitten.

Und es gibt weitere Indizien: Gleich zwei Wirte berichten, dass Able versuche, Mitarbeiter anderer großer Zelte abzuwerben – und das bereits seit Dezember. Wusste Able zu diesem Zeitpunkt – Monate vor dem Urteil gegen Krätz – schon, dass er Leute brauchen würde, die ein großes Zelt führen können?

Able bestreitet eine Absprache mit Wiesn-Chef Reiter

Eine mündliche Absprache mit Reiter bestreitet Able auf Anfrage. Zu seiner Bewerbung und der Frage, warum er sich nicht mehr um die Kalbs-Kuchl beworben hat, will er „aus Diskretionsgründen allgemein keine Aussagen“ machen, lässt er per E-Mail mitteilen. Auch, ob er bereits die Planung eines eigenen großen Zeltes in Auftrag gegeben hat und wie er seine Chancen sieht, Wirt eines großen Zeltes zu werden, will Able nicht beantworten. Zu den Gerüchten um die Abwerbeaktionen von Mitarbeitern bei anderen großen Zelten, schreibt Able: „Zu betriebsinternen Angelegenheiten geben wir grundsätzlich keine Antworten.“ Ein Dementi klingt anders. In Verwaltungskreisen heißt es, Able könne nur noch Eines vom Erklimmen des Wirte-Olymps abhalten: der Ausgang der Oberbürgermeister-Stichwahl am Sonntag.

Philipp Vetter

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