Die neue „Portalklinik“ der LMU entsteht an der Ecke Nußbaum- und Ziemssenstraße und soll bis 2020 fertig sein. Simulation: Ludes Generalplaner GmbH

So sieht die neue Uniklinik aus

München - Klein, kompakt, effizient: Für 90 Millionen Euro baut die LMU eine „Portalklinik“ in der Innenstadt. Ein juristischer Streit hatte die Pläne monatelang auf Eis gelegt.

Warm und freundlich soll die Fassade wirken, aus Ton gebaut. Raumhohe Fenster werfen Licht bis tief in die Zimmer. Auch im Liegen sollen die Patienten ins Freie blicken können. Der Neubau soll Ruhe ausstrahlen, auch wenn es im Innern hektisch wird. Der Siegerentwurf für die neue Portalklinik in der Innenstadt stammt aus der Feder eines Berliner Büros. Der Architekt Stefan Ludes war eigentlich schon raus aus dem Rennen - und hat am Ende doch gewonnen.

Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) will an der Ecke Nußbaum- und Ziemssenstraße ein neues Krankenhaus bauen. Per Wettbewerb suchte die Uni einen Architekten, der ihren millionenschweren Plänen ein Gesicht verleiht. Nachdem im Oktober 2012 die ersten vier Plätze gekürt waren, fing der Ärger an: Erst im Nachhinein kam ans Licht, dass der Bruder eines Teilnehmers in der Jury saß. Stefan Ludes wurde deswegen nachträglich ausgeschlossen. So einfach wollte er sich aber nicht die Butter von der Brezn nehmen lassen, zog vor Gericht und klagte sich erfolgreich zurück in den Wettbewerb. Jetzt hat eine Fachgruppe aus den vier Entwürfen einen Gewinner ausgewählt: Stefan Ludes.

Der juristische Zwist hat die Pläne um viele Monate nach hinten verschoben. Der endgültige Bauplan ist bis heute nicht fertig, doch nun geht es nur noch um Details. Die Eckpfeiler stehen.

Anfangs hatte es noch geheißen, das Krankenhaus solle eine Art Portal werden für die anderen Uni-Kliniken, ein Einfallstor für alle Patienten, die von dort aus weiterverlegt würden. Diese Überlegungen haben sich laut Klinik-Sprecher Philipp Kreßirer inzwischen „konkretisiert“. Die Klinik werde mehr als nur ein Portal, nämlich ein „eigenständiges Krankenhaus der Maximalversorgung“ mit 200 Betten, einer Notaufnahme und vier OP-Sälen. „Es wird eine kleine, hochmoderne Akut-Klinik.“ Kein bloßer Verschiebebahnhof.

Für kleinere und mittlere Eingriffe reichten die OP-Kapazitäten aus, sagt Kreßirer. Auch kurze stationäre Behandlungen seien möglich. Nur bei hochkomplexen OPs wie Organtransplantationen oder neurochirurgischen Eingriffen sollen die Patienten nach Großhadern verlegt werden.

Der vierstöckige Neubau soll 80 Millionen Euro kosten. Etwa zehn Millionen kommen für „baugebundene Medizintechnik“ hinzu. Damit sind vor allem Computer- und Magnetresonanztomographen - CT und MRT - gemeint, die besondere Anforderungen an die Statik stellen und wegen ihrer starken Strahlung durch dicke Wände abgeschirmt werden müssen. Das Klinikum übernimmt etwas mehr als die Hälfte der Baukosten, der Freistaat den Rest. Der Baubeginn ist für Anfang 2015 geplant, die Fertigstellung für 2020. Die Nutzfläche des Neubaus soll rund 11 000 Quadratmeter betragen.

Der Haupteingang der neuen Klinik wird zwischen dem historischen Ziemssenblock und dem Neubau liegen. Alte und neue Architektur werden durch eine gut 16 Meter breite Flucht getrennt, an deren Front ein Mauerportal steht. Der Neubau selbst besteht aus zwei Blöcken, der größere erhält laut Ludes einen Innenhof. Das Grundstück gehört dem Freistaat. Auf einem großen Teil der Fläche ist derzeit ein Parkplatz, westlich davon steht das alte Bettenhaus. Beide werden für die Portalklinik geopfert.

Der Neubau ist Teil einer Neustrukturierung der Uni-Kliniken. Die Gesamtzahl der Betten wird von 2200 auf 2000 reduziert. Schrittweise sollen mehrere Bereiche - die Kinderchirurgie und Gynäkologie, die größten Teile der Inneren sowie der Chirurgie - aus der Innenstadt nach Großhadern verlagert werden.

von Thomas Schmidt

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