Wofür steht der Begriff „Sicherheit“? Siko-Chef Wolfgang Ischinger (M.) mit Klaus Mittlmeier (l.) und Thomas Mohr. rk

Siko-Chef trifft Friedensaktivisten

München - Wolfgang Ischinger ist dieser Tage ein ebenso gefragter wie beschäftigter Mann. Insofern ist es mehr als nur eine Randnotiz, wenn er sich neun Tage vor der Siko zwei Stunden Zeit nimmt, um mit der Friedens-Initiative „MSK verändern“ über den Begriff der „Sicherheit“ zu debattierten.

Wolfgang Ischinger ist dieser Tage ein ebenso gefragter wie beschäftigter Mann. Der Chef der 46. Münchner Sicherheitskonferenz (Siko, MSK) muss der internationalen Tagung den letzten organisatorischen Schliff verpassen, zugleich unzählige Vorge spräche führen. Insofern ist es mehr als nur eine Randnotiz, wenn er sich neun Tage vor der Siko zwei Stunden Zeit nimmt, um mit der Friedens-Initiative „MSK verändern“ über den Begriff der „Sicherheit“ zu debattierten.

Es ist kein Geheimnis, dass Ischinger dieses Treffen ganz bewusst inszeniert. Er weiß, dass die Medien das registrieren – und genau so will er es haben. Der Diplomat, der heuer seine zweite Siko leitet, will zeigen, dass er einen anderen Stil pflegt als sein Vorgänger Horst Teltschik. Der hatte sich den Siko-Kritikern stets verweigert. Ischinger dagegen geht auf sie zu.

Zwei dutzend gemäßigte Friedensaktivisten haben sich am Dienstagabend in einem kargen Raum im Kolping-Haus versammelt, um auf ihn zu warten. An der Wand hängt eine Friedenstaube, auf den Tischen stehen rote Rosen. Die Luft hier unten ist stickig, die Stimmung entspannt. Ischinger doziere nicht, er höre zu, berichten Teilnehmer. Später wird er sagen, er nehme „die Anregung mit, über wichtige Aspekte wie die zivile Sicherheitsarbeit und die Krisenprävention“ stärker nachzudenken. Er wolle sehen, wie sich diese Ideen in Zukunft auf der Siko einbauen ließen.

Freilich: Das sind unverbindliche Worte, die an der Struktur und am Selbstverständnis der Tagung kaum etwas verändern werden. Das sieht wohl auch Klaus Mittlmeier vom Bündnis „MSK verändern“ so. Er freut sich trotzdem darüber, dass „Herr Ischinger sich auf einen Dialog mit uns eingelassen hat“. Fünf Mal habe man sich seit der letzten Siko getroffen. „Das hat uns sehr ermutigt, weiterzuarbeiten.“ Ob sich seine Vision einer „Konferenz für Frieden und Gerechtigkeit, geprägt vom Geist der Geschwisterlichkeit“ und von dem Leitgedanken einer „Sicherheit miteinander“ realisieren lässt, bleibt fraglich.

Im Vorjahr hat der Aktivist Thomas Mohr die Erfahrung gemacht, „dass die Sicherheitskonferenz von einem Grundvertrauen in Militär und Rüstung geprägt ist“. Er wird auf Einladung von Ischinger heuer ein zweites Mal als Beobachter an der Siko teilnehmen. Wenn er Glück hat, trifft er auf Guido Westerwelle (FDP) oder auf Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Bei Gelegenheit wolle er sie mal darauf ansprechen, was sie von der Idee einer „Sicherheit miteinander“ halten, sagt Mohr.

Thierry Backes

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