Der silberne Riese häutet sich

München - Spektakuläre Einblicke am Effnerplatz zeigen: Die Sanierung des HVB-Towers ist in vollem Gang. Bis 2018 soll das 33 Jahre alte Gebäude mehr Platz bieten und weniger Energie verbrauchen, ohne sein markantes Aussehen zu verändern.

Erdbeben? Bombenanschlag? Riesige Löcher, die in der Fassade des silbrig glänzenden Hochhauses im Arabellapark klaffen, wecken beklemmende Assoziationen. Doch hier ist kein Unglück passiert. Hier wird gearbeitet, und zwar für die Zukunft. Zum „Green Building“, also zu einem grünen Gebäude, will die HVB Immobilien das 1981 eröffnete Hochhaus machen, das mit seiner unverwechselbaren Architektur längst zu einem Münchner Wahrzeichen geworden ist.

Das Problem: Der Riese aus Beton und Aluminium verbraucht zu viel Energie. Das drei Jahrzehnte alte Klimatisierungskonzept gilt heute als überholt: Die Fenster lassen sich nicht öffnen, im Sommer schluckt die Klimaanlage Unmengen Strom, und im Winter muss für teures Geld geheizt werden. Eine neue Außenhaut muss her.

Im Herbst 2013 begannen Arbeiter von unten her die Außenhaut des Gebäudes abzubauen. Das ist möglich, weil sie keinerlei tragende Funktion hat. Das ganze Gebäude hängt an den mächtigen Säulen. Die neue Fassade soll, schon aus Denkmalschutzgründen, genauso aussehen wie die alte, doch sie ist gewissermaßen eine ausgeklügelte Klimaanlage: Die fest verglaste Außenhaut hat kleine Schlitze, die den Luftaustausch sichern. Dahinter sitzt gewissermaßen eine zweite Fassade, deren Fenster sich zum Lüften öffnen lassen. Die zwischen den Schichten zirkulierende Frischluft wirkt dabei wie ein Puffer und minimiert ebenso wie die Spezialbeschichtung der Gläser Energieverluste. Und zwar so wirkungsvoll, dass der HVB-Tower nach internationalem LEED-Standard für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen zertifiziert werden soll. Sparsam mit Rohstoffen umzugehen, ist bereits während der Bauarbeiten oberstes Gebot. Ein Teil der Aluminium-Paneele etwa wird nicht entsorgt, sondern gereinigt und wiederverwendet.

Nicht nur die Fassade des mit 114 Metern Höhe drittgrößten Münchner Hochhauses wird erneuert. Auch die gesamte Haus- und Brandschutztechnik wird aktuellen Standards angepasst, und in den Büros wird es keine fest zugeordneten Arbeitsplätze mehr geben. „Smart Working“ heißt das Bürokonzept, in dem Experten die Zukunft sehen. Die Mitarbeiter - mobil durch Laptop, Handy und W-Lan, sollen sich je nach Projekt in immer wieder neuen Teams organisieren können. Trotz großzügig bemessener Kommunikationsflächen schafft das Platz: Von bisher 1200 auf rund 1500 soll die Zahl der Mitarbeiter steigen. Unter denen wird dann auch die Konzernspitze sein: Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, soll die bisherige Konzernzentrale von dem HVB-Komplex an der Kardinal-Faulhaber-, Pranner- und Salvatorstraße in den HVB-Tower umziehen.

„Bisher liegen wir genau im Zeitplan“, berichtete ein HVB-Sprecher gestern auf Anfrage. Ende 2015 soll der Turm fertig sein, in den Jahren 2016 bis 2018 folgt der nördliche Flachbau. Das Gesamtprojekt kostet HVB-Angaben zufolge rund 250 Millionen Euro.

Peter T. Schmidt

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