Hufnagls Hotspot: Der Kunsthistoriker genießt das Feuerwerk am Maximilianeum.
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Hufnagls Hotspot: Der Kunsthistoriker genießt das Feuerwerk am Maximilianeum.

Kunsthistoriker Florian Hufnagl

München-Experte verrät die besten Ausblicke aufs Silvester-Feuerwerk

  • Matthias Bieber
    vonMatthias Bieber
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Die Wettervorhersage zum Jahreswechsel ist nicht schlecht - beste Voraussetzungen also, um das Silvester-Feuerwerk einmal an einem besonderen Ort zu erleben. Kunsthistoriker Florian Hufnagl verrät seine Hot-Spots.

  • In der Silvesternacht wird über München wieder ein Raketen-Spektakel zu sehen sein
  • Kunsthistoriker Florian Hufnagl verrät, wo sich das Feuerwerk am eindrucksvollsten beobachten lässt.

München - Der Münchner Kunsthistoriker Florian Hufnagl (71) ist eine der Koryphäen seiner Zunft. Von 1990 bis 2014 leitete er die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne, lehrte Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts am Institut für Kunstgeschichte in München – und war von 1998 bis 2013 Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Staatlichen Museen und Sammlungen in Bayern. Der vielfach Ausgezeichnete gibt Tipps für besonders schöne Aussichten und Stimmung: Hier wirkt der Raketenzauber besonders.

Heilig-Kreuz-Kirche

„Ich als Kind der Au liebe den Blick von der Alt-Giesinger Heilig-Kreuz-Kirche in der Ichostraße“, sagt Professor Hufnagl. „König Ludwig hat damals extra die große Terrasse bauen lassen, damit die Münchner einen herrlichen Blick genießen können.“ Das katholische Gotteshaus auf dem Giesinger Berg wurde 1886 eingeweiht und ist das letzte vollständig erhaltene im neogotischen Stil in ganz München. Der Bau überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden. Von 1988 bis 2015 wurde die Kirche umfassend saniert.
Gietlstraße 2, Buslinie 58/N54: Haltestelle Silberhorn-/ Ichostraße

Maximilianeum und Friedensengel

Der Klassiker: Rund um den Friedensengel tummeln sich an Silvester Tausende Feierwütige. Florian Hufnagl bevorzugt das Maximilianeum. „Auch wenn man da nicht so hoch über München blicken kann. Aber erstens ist hier viel weniger los, und zweitens ist die Maximilianstraße im Vergleich zur Prinzregentenstraße deutlich schöner.“ Mit dem eigenartigen Stilmix der Gebäude in der Prachtstraße – unten Gotik und oben Renaissance – kann der Kunstprofessor gut leben.
Friedensengel: Bus 100 oder 54, Station Villa Stuck.
Maximilianeum: U4/U5, Max-Weber-Platz oder Tram 19: Maximilianeum

Florian Hufnagl: Träger des Verdienstordens.

Isarhochufer bei der Menterschwaige

„Ein kleiner, feiner Standort“ sagt der Experte über das Isarhochufer auf Höhe der Menterschwaige. „Man blickt schräg über die Isar auf die ganze Innenstadt“, schwärmt er. Wer Zeit und den Geldbeutel dazu hat, kann gleich in der Menterschwaige ins neue Jahr prosten. Das Sechs-Gänge-Menü kostet 98 Euro, die Weinbegleitung nochmals 35 Euro. Beginn 19 Uhr, Ende 24 Uhr.
Menterschwaigstraße 4, Tel. 640732, Tram 15/25, N27 Haltestelle Menterschwaige

Schloss Fürstenried

Ein echter Münchner kennt es, dennoch hat es auch von den Einheimischen noch lang nicht jeder mal aus der Nähe gesehen: Schloss Fürstenried, erbaut vom Blauen Kurfürst Max Emanuel zwischen 1715 und 1717. „Dieses Kleinod kennen nicht viele – auch weil es von sehr vielen Straßen umgeben ist“, meint Hufnagl. Dabei sind Gebäude und barocke Schlossanlage bedeutende Zeugnisse des Hofbaumeisters Joseph Effner, der Fürstenried als Jagdschloss errichtete. „Vom Schloss aus hat man eine direkte Sichtachse zur Frauenkirche“, weiß der Kunstprofessor. Auch wenn die Debatte um die Straßenschilder für Blick-Ästheten denkbar schlecht ausging.
Forst-Kasten-Allee 103, U3 bis Fürstenried West, dort Bus 56 bis Haltestelle Bellinzonastraße oder Bus 166 bis Tischlerstraße

Hackerbrücke

Gut, ältere Semester sollten vielleicht nicht mehr auf die Querstreben der Brücke klettern, aber wurscht: „Der Blick von der Hackerbrücke entweder Richtung Innenstadt oder stadtauswärts Richtung Westen ist einer der schönsten Münchens – und atmet tatsächlich Weltstadtcharakter“, formuliert’s Florian Hufnagl. Die Bogenbrücke aus sechs genieteten Bogenträgern (Stützweite: rund 28 Meter) ist ein spektakuläres Zeugnis für die rasante Mobilitätsentwicklung um die Jahrhundertwende. Erbaut wurde sie von 1890 bis 1894. Ihren Namen verdankt sie der Brauerei Hacker-Pschorr, die bis Ende der 80er-Jahre zwischen Brücke und Bayerstraße stand.
S-Bahn-Stammstrecke, Halt Hackerbrücke

Nymphenburg

Speziell zu Silvester zieht es unseren Stadtführer zwar nicht nach Nymphenburg, aber ansonsten sind Schloss, Park und der spektakuläre Blick den Kanal entlang immer ein Vergnügen. Dass man vor dem Schloss keine Raketen mehr abfeuern darf, ist rein optisch eher schade. „Die Schlossanlage geht Richtung Westen, da sieht man nicht viel vom Feuerwerk“, weiß Hufnagl. „Trotzdem schaue ich lieber vom Kanal aus aufs Schloss als andersherum.“ So oder so: Auch ohne Raketen vorm Schloss, das zur Geburt Max Emanuels errichtet wurde (Baubeginn: 1664), wird viel los sein.
S-Bahn-Haltestelle Laim, dann Tram 17 oder Bus 51/151, Haltestelle Schloss Nymphenburg

Bavaria

Die gehört natürlich bei den spektakulären Raketen-Aussichten dazu, klar – das streitet der Kunstprofessor auch gar nicht ab. Aber ihm ist die Anlage „zu traditionell“.

Olympiaturm

Für einen Blick über die Stadt natürlich einmalig – aber noch lieber wären Hufnagl die Twin Towers. „Leider darf man da nicht hoch“, seufzt er. Also dann doch Olympiaturm, wo man in 181 Metern Höhe nobel speisen kann – oder zumindest auf den Olympiaberg. U3 bis Haltestelle Olympiazentrum, dann ein paar Meter zu Fuß.

Lesen Sie auch: Feuerwerksverbot im Zentrum von München: Wer sich den neuen Regeln widersetzt, muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen.

Und: Kommt die Silvester-Revolution - oder doch nicht? Vor allem Umweltschützer fordern ein Böller-Verbot zum Jahreswechsel. Die Hersteller winken ab.

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