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Hoch zu Ross: Das Reiten war Sisis Leidenschaft.

Sie wurde am Heiligabend geboren

“Sisi“, die Christkindl-Kaiserin aus München

München - „Sisi“ wurde an Heiligabend in München geboren - genau am 24. Dezember 1837. Ihr Urgroßneffe hält die Ehe mit Kaiser Franz Joseph für einen Fehler.

Urgroßneffe Hubertus Graf von Kageneck vor Sisis Geburtshaus an der Ludwigstraße

„Wenn er die ernste, vernünftige und seelenvolle Helene geheiratet hätte, wäre die Monarchie besser bedient gewesen“, glaubt Hubertus Graf von Kageneck. Und er muss es wissen: Er ist schließlich der Urgroßneffe der „Sanftmütigen“. Und obendrein der Urgroßneffe von deren Schwester Elisabeth (1837-1898) – besser bekannt als Sisi. Mit „er“ ist übrigens Kaiser Franz Joseph (1830-1916) gemeint. Statt Helene heiratet der aber Sisi. „Die Sisi war ein Vollblut, ungeeignet für einen pflichterfüllten, akribischen Aktenmenschen wie den Kaiser Franz Joseph“, findet ihr Nachfahre. Dieses Vollblut wird gemeinhin Österreich zugeordnet, oder eben Possenhofen, doch Sisi erblickt im Herzog-Max-Palais an der Münchner Ludwigstraße das Licht der Welt. Am 24. Dezember 1837. Ein hochadeliges Münchner Christkindl Ihre Eltern sind Herzog Max Joseph in Bayern (1808-1888) und Prinzessin Ludovika Wilhelmine von Bayern (1808-1892). „Sisi wuchs in München auf und war mit dem Vater viel in der Reitmanege des Herzog-Max-Palais, im Sommer hielt sich die Familie meist auf Schloss Possenhofen am Starnberger See auf“, erzählt Hubertus Graf von Kageneck. Die Kindheit verläuft unbeschwert, Sisi, das Vollblut, kann ihrem Hang nach Bewegung frönen.

Sisi malt, verfasst Verse

Der Vater zeigt sich ihr gegenüber nachsichtig, erlaubt ihr immer wieder, vom Unterricht fernzubleiben, für den sie sich nicht interessiert. Stattdessen malt Sisi, verfasst Verse, vor allem aber reitet sie. Mit ihren Schwestern hat sie ein gutes Verhältnis, zumindest in der Kindheit, später soll sich das teilweise ändern. Denn mit Marie überwirft sie sich später, als sie hört, diese habe ihr eine Beziehung zu Bay Middleton, dem schottischen „Pilot“ ihrer englischen Reitjagden unterstellt. Mit der Jüngsten, Sophie, der Urgroßmutter Graf Kagenecks, entzweit sie sich, als Sophie sich scheiden lassen will. Zu ihrer Schwester Marie steht sie allerdings, als diese ein uneheliches Kind zur Welt bringt.

Vier der fünf Schwestern sind unglücklich verheiratet und zwei von ihnen haben Affären. Sisi nicht. Dabei ist auch sie nicht glücklich mit ihrem steifen und überkorrekten „Aktenunterzeichner“, sagt Graf Kageneck. Warum aber nimmt sich Sisi, ausgerechnet Sisi, dann keinen Geliebten? „Dazu war sie zu stolz“, erklärt er, „das hätte sie nie getan. Sie hat ja ihr Leben ansonsten gelebt, wie sie es wollte, und Franzl hat sie gelassen.“

Anfangs ist Sisi durchaus verliebt in ihren kaiserlichen Gemahl. Und der ist eigentlich, wie von Graf Kageneck schon erwähnt, Sisis älterer Schwester Helene, genannt Néné, zugedacht. Seine Mutter, Erzherzogin Sophie (1805-1872), hat das arrangiert. Im Sommer 1853 sollen Helene und Franz in Bad Ischl aufeinandertreffen. Helene reist mit ihrer Mutter, Herzogin Ludovika in Bayern, und ihrer Schwester Elisabeth dorthin. Franz verliebt sich aber in Sisi und bittet sie – sie ist seine Cousine – um ihre Hand. Am 20. April 1854 ist Sisis Zeit in München zu Ende, sie reist nach Wien, wo sie vier Tage später im Beisein von 70 Bischöfen und Prälaten ihrem Franz Joseph das Jawort gibt.

„Ein Unglücksrabe mit fast allem, was er angefasst hat“, wie Graf Kageneck bedauernd sagt. „Und er hatte immer höchsten Respekt vor seiner Mutter. Dass er die Néné weggeschoben und gesagt hat, die Sisi will ich haben, das ist wirklich ungewöhnlich für ihn. Da war man baff und deswegen fand das jeder auch irgendwie toll“, sagt Kageneck. „Sonst waren das ja alles arrangierte Ehen, aber es war halt die falsche Frau.“

Sie hatte Sehnsucht nach ihrer Heimat

Sisi, sagt ihr Urgroßneffe, habe zeitlebens Sehnsucht nach ihrer Heimat gehabt. „In Feldafing hat sie 22 Jahre lang ein ganzes Hotel, das Hotel Richter, gemietet, das deshalb heute Kaiserin Elisabeth heißt.“ Dort reist Sisi Sommer für Sommer mit einem kleinen, aber notwendigen Hofstaat hin. „Und sie war – in Anführungszeichen – Privatperson. Wobei sich dadurch, dass sie eine Souveränin war, natürlich Einschränkungen ihrer Freiheit ergaben.“

All das hat Graf Kageneck von seiner Mutter erfahren. Sisis Großnichte. „Sie hat die Kaiserin zwar nicht mehr erlebt, jedoch deren Schwestern Königin Marie von Neapel und Mathilde von Trani, aber sie ist noch in der Monarchie geboren, hat noch auf dem Schoß von Ludwig III. gesessen, den sie nicht leiden konnte – wie sie oft erzählte.“ Von der Mutter weiß er, dass Ludwig und seine Frau Therese häufig gestritten haben. „Meine Mutter wollte immer runter vom Schoß von Ludwig und mein Großvater hat gesagt: Kind bleib sitzen! Das ist der König!“

Graf Kageneck ist nicht nur Sisis Urgroßneffe, sondern auch von der königlichen Linie abstammend: „Der Großvater war der jüngste von sieben Prinzen derselben Generation, von denen drei Könige waren: Ludwig II., Otto I., der traurige geistesgestörte König, beide ohne Nachkommen. Dann kamen Ludwig III., der letzte König, Leopold und Arnulf, und schließlich Ludwig-Ferdinand und dessen jüngerer Bruder Alfons, mein Großvater“, klärt Graf Kageneck die Verwandtschaftsverhältnisse auf. „Als deren Vater Adalbert 1875 starb, übernahm König Ludwig II. die Vormundschaft für sie und lud sie und ihre Mutter Amalia ein, zu ihm in die Residenz zu ziehen. Und dadurch vor allem kam es zu der sehr engen Bindung vom Großvater Alfons und seinem Bruder Ludwig Ferdinand zu Ludwig II. Beide haben immer fest zu ihm gehalten und am Ende auch gegen die Unmündigkeitserklärung wegen dessen behaupteter Geisteserkrankung gestimmt“, sagt der Graf.

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