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Vergewaltigung erfunden: Sitzt Helmut W. unschuldig im Knast?

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Helmut W. wurde aus dem Gefängnis in den Zeugenstand geführt, Anna M. bekam ein schlechtes Gewissen und nahm ihre Aussage zurück © ebu

München - Helmut W. sitzt im Knast, weil seine Ex-Freundin ihn wegen angeblicher Vergewaltigung angezeigt hat. Jetzt behauptet sie, dass die Geschichte komplett erfunden ist.

Sollte Anna M. die Wahrheit sagen, dann sitzt ihr Ex-Freund Helmut W. zu Unrecht im Gefängnis. Er soll Anna M. vergewaltigt haben, als sie 14 Jahre alt war. Nach zehn Jahren Beziehung, in der sie Sex nie wirklich gewollt, aber hingenommen habe, zeigte sie Helmut W. an. Viereinhalb Jahre Haft lautete das Urteil im vergangenen Jahr. Das Urteil ist rechtskräftig, vor einer Woche hat der 60-Jährige seine Strafe angetreten. Nun behauptet Anna M. (26), sie habe die ganze Zeit über gelogen. Helmut W. habe sie niemals vergewaltigt. Doch das glaubt die Staatsanwaltschaft nicht. Deshalb hat sie sich seit Mittwoch wegen versuchter Strafvereitelung vor dem Amtsgericht zu verantworten.

Die gemeinsame Geschichte beginnt 1998. Mit 13 Jahren kommt Anna M. aus Armenien nach Deutschland. Weil Annas Mutter kaum Deutsch spricht, kümmern sich Helmut W. und seine Frau als Bekannte um das Kind. Anna M. sieht in Helmut W. einen Lehrer, auch einen Vater. Er sieht in ihr „so eine Art Tochter“. Im Sommer 2000 entwickelt sich daraus eine sexuelle Beziehung. Zehn Jahre bleiben die beiden ein Paar. Dass Helmut W. verheiratet ist, scheint Anna M. nicht zu stören, glaubt man ihrer jetzigen Aussage.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Anna M. ihren Ex aus dem Gefängnis holen will, weil sie noch Gefühle für ihn hegt. Die Vergewaltigung habe sie nicht erfunden. Zu oft und zu detailgetreu habe sie in dem Mammutverfahren ihre Vorwürfe wiederholt. Anna M. aber sagt, sie habe einfach eine Sexualpraktik beschrieben, die sie und Helmut häufiger betrieben hätten. „Und dann habe ich etwas draufgepackt.“ Warum, kann sie nicht richtig beantworten. Sie sei wütend gewesen, weil sie durch Helmut ihre ganze Jugend verpasst habe. Er sei nie mit ihr weggegangen. „Außerdem wollte ich eine Familie, da hat er gesagt, dann musst du dir einen jüngeren Mann suchen.“

Deshalb habe sie sich von ihm trennen wollen. Aber sie habe nicht den Mut dazu gefunden. „Er war doch meine einzige Bezugsperson. Ich habe ihn geliebt. Aber ich konnte mit ihm nicht leben.“ Deshalb sei sie auf die Idee gekommen, Helmut W. mit Hilfe der Polizei loszuwerden. „Ich dachte, dann geht das von denen aus, nicht von mir“, erklärt sie.

Zunächst habe sie ja auch nur angegeben, Helmut W. habe sie mit einer Waffe bedroht. Doch dann habe eine Polizistin nachgefragt, ob es auch sexuelle Gewalt gegeben habe. „Da bin ich auf die Idee gekommen, zu erzählen, dass ich auch vergewaltigt worden bin“, berichtet sie. In der Folge hätte sie dann immer jeder darin bestärkt, weiter zu kämpfen. Sie habe sich dadurch unter Druck gesetzt gefühlt.

Zeugen schildern, Anna M. habe völlig verstört gewirkt, als sie von dem Missbrauch erzählt habe. Und als Helmut W. zwischendurch aus der Untersuchungshaft freikam, habe sie panisch reagiert, sich in ihrer Wohnung verschanzt. Alles nur gespielt? Dies nachzuvollziehen fällt der Amtsrichterin offensichtlich schwer. Sie will weitere Zeugen hören, der Prozess dauert an.

Bettina Link

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