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Jahrelange Tristesse: Daniel Haas (li.) und seine Mitstreiter würden gerne offiziell am stillgelegten S-Bahnhof Olympiastadion skaten. Momentan stehen hier aber Absperrzäune.

Stillgelegter S-Bahn-Halt in Moosach

Skater wollen auf alten Olympia-Bahnhof

Skater wollen den ehemaligen S-Bahnhof Olympiastadion als Sportgelände nutzen. Das Areal wird jetzt neu überplant – aber konkret ist noch nichts.

Skater gelten als cool. Sie rutschen auf ihren Brettern Geländer herunter, springen über Hindernisse und machen Tricks, die „Grabs“, „Flips“ oder „Grinds“ heißen. Sitzungen des Bezirksausschusses (BA) hingegen halten selbst glühende Stadtteilpolitiker selten für cool. Derzeit haben Skater und die BA-ler aus Moosach aber ein gemeinsames Arbeitsfeld: den ehemaligen S-Bahnhof Olympiastadion/Oberwiesenfeld. Denn unter dem weitausladenden Flachdach des ehemaligen Bahnhofs hat sich eine rege Skater-Kultur entwickelt. Und dies nicht nur wegen des Beton-Charmes und einer 1972-Nostalgie. Sondern vor allem, weil es hier auch bei Regen möglich ist zu skaten.

„Da der S-Bahnhof stillgelegt ist und in der direkten Umgebung keine Anwohner sind, wäre es aus unserer Sicht ein geeigneter Platz, um bei schlechtem Wetter unserem Sport nachgehen zu können“, sagt Daniel Haas, Vorsitzender des Vereins Skateboarding München. Dem Moosacher Bezirksausschuss trug Haas sein Anliegen jüngst persönlich vor: „Wir würden uns sehr freuen, dort so bald wie möglich offiziell skaten zu dürfen.“

Das Echo ist parteiübergreifend positiv. „Wir werden das bei den zuständigen Stellen wohlwollend befürworten“, sagte Hannelore Schrimpf (SPD). Die Weiterentwicklung des seit 1988 stillgelegten Olympiabahnhofs ist dem BA schon lange ein Anliegen, zumal die Stadt 2011 die ehemaligen S-Bahn- und Industriegleisanlagen mitsamt Bahnbrücken gekauft hat – 6,7 Hektar sehr interessantes Land.

Es gibt prominente Beispiele, was man mit ehemaligen Bahntrassen machen kann: In New York gibt es seit 2009 den mitten durch Manhattan führenden „High Line Park“ auf einer alten Bahntrasse. Wo früher Schlachtvieh geführt wurde, ist heute eine beliebte Joggingstrecke. Und der 70er-Retro-Charme des alten Bahnhofs zieht auch in München nicht nur die Skater an: Der alte Bahnhof ist mittlerweile zum Insider-Tipp für Touristen geworden, Fotografen und Filmteams nutzen die Kulisse gern als Motiv.

Bei einem Runden Tisch mit Ämtern, Stadtteilgremien, Interessenverbänden und Anrainern wurden nun auch für diese Münchner Bahntrasse viele Ideen entwickelt, stolze 18 Seiten hat die Vorlage. Demnach sollen Rad- und Fußgängerwege auf der ehemaligen Trasse angelegt werden, so dass es ganz neue Rad-Verbindungen aus dem Westen nach Norden etwa zum Lerchenauer See geben könnte. Des Weiteren soll der ehemalige S-Bahnhof unter Beachtung des Denkmalschutzes für „Jugendkultur“ genutzt werden – welche Trendsportarten darunter fallen und welche Möglichkeiten etwa Skatern gegeben werden, darauf legt sich die Stadt noch nicht fest. Sehr allgemein heißt es in der Vorlage: „Eigentätige Auseinandersetzung durch die (Kinder) und Jugendlichen mit dem Raum wird ermöglicht.“

Auf Anfrage unserer Zeitung erteilt das Kommunalreferat den Skater-Träumen deshalb keine Absage, nennt aber auch kein Datum: „Eine zeitnahe Nutzung des ehemaligen Olympiabahnhofs als Skateranlage ist leider nicht möglich. Zunächst muss das Bahnhofsgebäude baulich ertüchtigt und von Altlasten befreit werden. Aus diesem Grund ist das Areal aktuell auch komplett abgesperrt.“

„Wir sind enttäuscht, dass unser Vorschlag für eine Übergangslösung wohl nicht umsetzbar ist“, sagt Haas. „Andererseits sind wir froh, dass er zumindest nicht komplett abgelehnt wurde und es auf lange Sicht für die Skater eine Chance gibt, hier selbst etwas zu realisieren.“

Wie es jetzt weitergeht? Der Stadtrat soll nach Beschluss des Bauausschusses im Sommer einen Auftrag erteilen, Vorplanungen vorzunehmen, was mit der Projektfläche, den 6,7 Hektar, geschehen soll.

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