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Ein bekanntes Bild: Die Schneekanonen können am Olympiaberg oft nicht arbeiten, weil es zu warm ist. Ohne eine weiße Grundlage hält aber auch der antransportierte Schnne nicht.

Finanzielles Risiko zu groß

Ski-Weltcup in München wackelt

München - Nach drei Absagen in den vergangenen fünf Jahren steht der Ski-Weltcup am Olympiaberg endgültig auf der Kippe. Arno Hartung, Geschäftsführer der Olympiapark München Gmbh (OMG), bestätigte: „Die Veranstaltung wackelt.“ Das finanzielle Risiko sei zu groß.

Der Deutsche Skiverband (DSV) möchte den Parallelslalom hingegen unbedingt durchziehen. Klar ist, dass rasch eine Entscheidung getroffen werden muss. Das Rennen mit Felix Neureuther und Co. soll am Neujahrstag stattfinden, die Organisation bedarf einer längeren Vorlaufzeit. Am Start sind viele Stars des Ski-Zirkusses. Vertreter der Olympiapark GmbH und des DSV versuchen nun, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung zu finden. Am Donnerstag gab es erste Gespräche, ein weiteres Treffen soll folgen. Hartung: „Wir haben in den vergangenen Monaten alle Möglichkeiten geprüft. Es ist eine finanzielle Lücke da.“

Problem ist die unkalkulierbare Schneelage. Nur 2011 und 2013 fand das Rennen statt. 2012, 2014 und 2015 war es zu warm, um genügend Kunstschnee für die Piste am Olympiaberg produzieren zu können. Bei den bisherigen Absagen konnten die Investitionen durch eine Versicherung abgedeckt werden. Nun allerdings verlangen die Versicherer noch mehr Sicherheiten im Bereich der Schneeproduktion, was Hartung auch nachvollziehen kann. Für die Olympiapark GmbH treibt das jedoch die Kosten in die Höhe.

Eine Möglichkeit wäre laut Hartung eine Finanzspritze des DSV. Der Etat für den Ski-Weltcup in München beträgt 1,2 Millionen Euro. Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer der DSV Marketing GmbH, bewertet die Lage nicht so kritisch wie Hartung: „Wir hatten ein gutes, konstruktives Gespräch. Am Ende gab es ein klares Bekenntnis, um den Weltcup 2016 zu sichern.“ Das Skirennen in München sei ein Leuchtturmprojekt mit weltweiter Strahlkraft im Terminkalender. Schwarzbach sagte, der DSV werde alle Hebel in Bewegung setzen, um weitere „Einsparungs- und Vermarktungspotentiale“ für die Veranstaltung zu akquirieren. Das Fernsehen überträgt ohnehin live, auch das Zuschauerinteresse vor Ort ist groß. In den beiden Jahren, als das Rennen stattfand, säumten jeweils knapp 20 000 Besucher die Strecke.

Zweite Schiene zur Sicherung der Veranstaltung ist Schwarzbach zufolge ein optimiertes Schnee-Management. Schon im Vorjahr sollte ein Großteil des Schnees aus einem Depot bei Reit im Winkl nach München transportiert werden. Doch dazu kam es gar nicht, weil am Olympiaberg selbst überhaupt kein Schnee und damit nicht einmal eine Grundlage produziert werden konnte. Nun verheißt Schwarzbach den Einsatz „neuer Strategien und Technologien“. Der DSV-Sprecher: „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung, damit die Sache nicht jedes Jahr zu einer Zitterpartie wird.“ Aus ökologischen Gesichtspunkten steht die Veranstaltung schon länger in der Kritik. Politiker verschiedener Couleur äußern regelmäßig Bedenken. Selbst der OMG-Aufsichtsrat traf seine Entscheidung, am Ski-Weltcup festzuhalten, im Dezember 2014 nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Dabei wurde beschlossen, das Event von 2016 bis 2020 auszutragen.

 „Der politische Druck ist also nicht gegeben“, sagte Hartung. Es gebe jedoch eben das Finanzierungsproblem, weshalb nun „jeder nochmal in sich geht“. Ein anderer Termin als der 1. Januar – auch eine diskutierte Alternative – kommt aufgrund der fest gebuchten Fernsehübertragung und des gedrängten Weltcup-Kalenders nicht in Frage. Klaus Vick

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