Hier lebten und schufteten die Bulgaren: Selten sahen sie etwas anderes als die Baustelle an der Moosacher Straße. Schlaf

Wie Sklaven: Hungerlöhner bauten Luxushotel

München - Sie lebten wie Sklaven mitten in München: Auf der Baustelle des „Leonardo"-Hotels in Milbertshofen mussten 44 Bulgaren seit Monaten ohne Lohn schuften. Weil sie kein Geld mehr hatten, gingen die Arbeiter sogar um Essen betteln. Jetzt schlug der Zoll zu.

Jeden Monat 1500 Euro hatten sie ihm versprochen, wenn er nach Deutschland kommt, um auf dem Bau zu arbeiten. Ein Lohn, von dem der Eisenflechter Lyubcho Kostadinov in seiner bulgarischen Heimat nur träumen konnte. Deshalb ließ er seine Frau mit den beiden Kindern in der Balkanstadt Weliko Tarnowo allein und reiste nach München.

Doch als er auf der Baustelle des geplanten Vier-Sterne-Hotels „Leonardo Olympiapark“ an der Moosacher Straße ankam, verwandelte sich der Traum schnell in einen Albtraum. Er und seine 43 Kollegen schufteten jeden Tag mindestens zehn Stunden, sechs Tage pro Woche, Pausen gab es so gut wie nicht, berichtet Kostadinov. Von dem versprochenen Geld sahen die Männer fast nichts. „Einmal haben wir 100, einmal 200 Euro bekommen“, erzählt er, „letzte Woche waren es dann nur noch zwanzig Euro.“ Davon versuchten die Männer so lange wie möglich zu leben, aber das Geld reichte nicht. Abends, kurz vor Ladenschluss, baten sie bei Bäckern um das nicht verkaufte Brot und durchsuchten Mülltonnen, damit sie überhaupt etwas in den Magen bekamen.

Ein Kollege habe sich bei einem Unfall auf der Baustelle den Finger gebrochen, erzählt Kostadinov. Als er zu einem Arzt wollte, habe der Vorarbeiter nur gefragt, ob er denn Geld dafür habe und ihn dann ohne Behandlung in einen Bus zurück nach Bulgarien gesetzt.

„Ich hätte niemals gedacht, dass es so etwas in Deutschland gibt“, sagt Kostadinov. „Ich hatte das Gefühl ich säße im Gefängnis und hätte Lebenslänglich bekommen.“ Denn selbst, wenn sie München hätten verlassen wollen – sie hätten kein Geld für die Rückfahrkarte gehabt.

Am Anfang zahlte die bulgarische Firma, bei der die Männer angestellt waren und die auf der Baustelle als Subunternehmer tätig war, noch zwischen 4,50 und 5 Euro pro Stunde aus. Das ist zwar nur die Hälfte des Mindestlohns in der Baubranche, aber so lange Geld floss, schwiegen die Arbeiter. Als auch diese Hungerlöhne nicht mehr bezahlt wurden, packten sie aus. „Ich will nicht wie ein Sklave leben“, sagt Kostadinov.

Gestern um 9.30 Uhr stürmte der Zoll die Baustelle und Büros der beteiligten Firmen, beschlagnahmte Unterlagen und verhörte die Arbeiter. Der Verdacht: Lohnwucher. Dafür können Gerichte in schweren Fällen bis zu zehn Jahre Haft verhängen. Noch am Nachmittag nahmen die Beamten einen bulgarischen Vorarbeiter vorläufig fest und beantragten Haftbefehl. Wo der Chef des bulgarischen Subunternehmens war, wusste zunächst niemand.

Beim Freilassinger Generalunternehmer „Max Aicher Bau“, der die bulgarische Firma beauftragt hat, beteuert man, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben. Man habe zahlreiche Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht passiert, versichert Geschäftsführer Rupert Helminger. Man habe der Firma so viel Geld bezahlt, dass nach Abzug einer Gewinnmarge für den Subunternehmer noch mehr als der Mindestlohn für die Arbeiter übrig gewesen wäre. Die Sozialbeiträge für die Angestellten zahlte „Max Aicher Bau“ vorsichtshalber gleich selbst. Als er von den Arbeitern erfahren habe, die seit Tagen nichts gegessen hatten, überwies Helminger 13 000 Euro per Blitzüberweisung an seinen eigenen Bauleiter, um zu helfen. Tatsächlich fand der Zoll die 13 000 Euro bei der Razzia – der festgenommene bulgarische Vorarbeiter hatte das ganze Geld bei sich.

Philipp Vetter

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