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Es ist eine Schande: Täglich werden in München 168 Tonnen Essen weggeworfen. Zeit etwas dagegen zu tun.

Es ist eine Schande!

Münchner schmeißen täglich gigantische Menge Essen weg – so könnte sich das ändern

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Täglich werden in München 168 Tonnen Essen weggeworfen. Der Ernährungsminister schlägt Alarm. Lesen Sie hier die Fakten, die Probleme, die Lösungen.

München - Während weltweit jeder neunte Mensch an Hunger leidet, landen hierzulande bergeweise Lebensmittel in der Tonne. Allein in München werden Tag für Tag 168.465 Kilogramm Ware weggegeworfen. Das entspricht 118 Gramm Lebensmittelmüll pro Münchner und Tag. Diese Zahl bezieht sich ausschließlich auf ver­zehrbare Lebensmittel – sprich: Bananen ­ohne ­Schale, Joghurt ohne Verpackung, Fleisch ohne Knochen... Zum Vergleich: Unsere bronzene Bavaria wiegt schlanke 84 Tonnen – also nur etwa halb so viel wie der Müll, den wir täglich wegschmeißen!

Die Bavaria auf der Theresienwiese wiegt 84 Tonnen. In München landen täglich 168 Tonnen auf dem Müll.  

Um unsere Wegwerfgesellschaft zum Umdenken zu bewegen, hat das Bayerische Kompetenzzentrum für Ernährung eine Wanderausstellung konzipiert. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens von Foodsharing, einem Zusammenschluss ehrenamtlicher Lebensmittelretter, gastiert die Ausstellung „Restlos Gut Essen“ bis 14. Dezember im Ernährungsministerium in der Ludwigstraße.

„Über sechs Millionen Kilogramm ­Lebensmittel konnten bundesweit seit Bestehen von Foodsharing gerettet ­werden“, verkündete Staatsminister ­Helmut Brunner gestern im Rahmen ­seiner Eröffnungsrede. Bis Donnerstagabend können sich Besucher von Fotos, Filmen und interaktiven Stationen zum Nach- und Umdenken anregen lassen.

Wir haben uns in der Stadt umgehört, wie wichtig den Münchnern das Thema Nachhaltigkeit ist. Außerdem stellen wir Ihnen vier Initiativen vor, die einen ­Beitrag leisten, um unsere Wegwerf­gesellschaft in eine moderne Wohlstandsgesellschaft zu verwandeln. Und was Sie, liebe Leser, tun können, um Ihren Lebensmittelmüll daheim zu reduzieren, das lesen Sie hier:

Experte erklärt: So reduzieren Sie Müll

Experte Malte Rubach, Referent für Lebensmittelverschwendung.

Malte Rubach, Referent für Lebensmittelverschwendung, erklärt, was Sie daheim tun können, um Ihren Müll zu reduzieren:

  • Zuerst sollten Sie sich bewusst machen, wie viel Müll Sie jeden Tag produzieren. Wiegen Sie doch mal Ihren Biomüll – so bekommen Sie ein Gefühl für Mengen.
  • Kaufen Sie kleine Mengen ein. Damit minimieren Sie das Risiko, dass Lebensmittel verderben.
  • Informieren Sie sich, wie Sie Lebensmittel weiterverarbeiten können. Vieles lässt sich einfrieren, einwecken oder mit in die Arbeit nehmen. Wenn Sie bereit sind, zwei Tage in Folge das gleiche Gericht zu essen, reduzieren Sie Ihren Lebensmittelmüll gewaltig.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist! Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ein Lebensmittel noch gut ist, dann öffnen Sie es, kontrollieren Sie, wie es ausschaut und riechen Sie daran – wenn Sie nichts Auffälliges entdecken: essen.
  • Versuchen Sie, Ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit frühzeitig an Ihre Kinder weiterzugeben. Wer mit ein paar Grundregeln aufwächst, lebt im Alter leichter nachhaltig.

Die Verschwendung von Lebensmitteln muss aufhören. Und das soll nicht nur so dahergesagt sein: Ein Supermarkt in Fürstenfeldbruck verschenkt Lebensmittel am letzten Tag, bevor sie ablaufen.

Eine Welt Haus - Teilen statt wegschmeißen

Teilen statt wegschmeißen lautet das Motto im Eine Welt Haus in der Schwanthalerstraße.

Butterbrezen, belegte Semmeln und frischer Kopfsalat – noch ist der Kühlschrank im Eine Welt Haus in der Schwanthalerstraße gut gefüllt. „Aber in ein paar Stunden ist der leer“, verrät Mitarbeiterin Alida Gerlach (47). Gemeinsam mit drei weiteren „Fair-Teilern“ richtet sich das Eine Welt Haus gegen den Wegwerfwahn der Gesellschaft. Organisiert wird das Projekt von „Foodsharing“, einer 2012 gegründeten Initiative gegen die Lebensmittelverschwendung. Das Konzept der Fair-Teiler ist schnell erklärt: Wer Lebensmittel vor der Tonne bewahren mag, bringt sie an einen ausgewiesenen Ort. Bedienen darf sich jeder. „Zu uns kommen Leute mit und ohne Geld“, erklärt Gerlach, „bei den Fair-Teilern geht es schließlich nicht um’s Thema Armenspeisung, sondern darum, dass nicht mehr so viel weggeschmissen wird.“ Die AEZ-Märkte verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Hier wandern Lebensmittel, die kurz vor ihrem Ablauf stehen, für lau über die Theke.

Yormas am Bahnhof - Semmeln und Brezen für Bedürftige

Auch die Imbisskette Yormas leistet seit Jahren einen Beitrag, unseren Lebensmittelmüll bundesweit zu reduzieren. Um möglichst wenig wegwerfen zu­ ­müssen, werden Gebäckstücke und Backwaren eine Stunde vor Ladenschluss für die Hälfte verkauft. Alles, was nach Ladenschluss noch hinter der Theke liegt, wird verschenkt. An Studenten, Taxifahrer, die Bahnhofsmission oder die Mitarbeiter der Deutschen Bahn. „Sollten die Züge mal Verspätung haben oder im Bahnhof stehen bleiben, helfen wir gerne mit belegten Semmeln und Brezen aus“, erklärt Renate Schmid (53), Regionalleiterin bei Yormas, „Uns tut das nicht weh, und die anderen freut’s – Hauptsache, es landet nichts im Müll.“

Yormas-Filiale am Bahnhofsplatz. 

Bei Rischart gibt’s Brot vom Vortag – zum halben Preis

In der Rischart-Filiale „Gutes von Gestern“ ist der Name Programm. Bereits seit 1991 werden in der Baaderstraße Backwaren zum halben Preis angeboten, die am Vortag nicht verkauft wurden. „Die Filiale wird von Kunden aus dem gesamten Stadtgebiet aufgesucht“, verrät Marketing-Mitarbeiterin Martina Schweiger, „wir können seit 1991 sogar einen leichten Zuwachs verzeichnen.“ Vom Verkauf ausgeschlossen werden lediglich verderbliche Waren wie Sandwiches. Von Sonntag bis Freitag werden an der Pforte des Herz-Jesu-Klosters zudem zweimal täglich belegte Brote an Bedürftige ausgegeben. „Wir wollen, dass die Regale in unserer Filiale in der Baaderstraße abends leer sind“, so Schweiger.

Gutes von Gestern.

S. Brenner, J. Möst

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen 

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen.

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