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Münchens größtes Bauprojekt: Bahn beantragt Baugenehmigung für die zweite Stammstrecke im Abschnitt Ost

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Von: Dirk Walter

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Die neue Trassenführung (rot markiert) führt in einer Steilkurve zum neuen Stammstrecken-Ostbahnhof.
Die neue Trassenführung (rot markiert) führt in einer Steilkurve zum neuen Stammstrecken-Ostbahnhof. © DB

Während die Bahn im Westen mit Hochtouren an der zweiten Stammstrecke baut, gibt es im Osten noch nicht einmal eine tragfähige Baugenehmigung. Nach jahrelanger Verzögerung soll sich das ändern. Ab Montag liegen die Pläne aus – es gibt unangenehme Überraschungen.

Eigentlich schien die Sache klar: Die Bahn wollte für die zweite Stammstrecke im Osten eine neue Haltestelle unter dem Orleansplatz bauen. Zudem waren in Haidhausen Rettungsschächte geplant, die von den beiden Röhren der neuen Stammstrecke senkrecht nach oben führen sollten – um Fahrgäste im Brandfall schnell nach oben bringen zu können.

Doch das Konzept erwies sich – auch wegen schwieriger Bauarbeiten mitten im Stadtgebiet – als nicht tragfähig. Also disponierte die Bahn um und entschied 2019, die neue Haltestelle auf der anderen Seite des Ostbahnhofs an der Friedenstraße zu bauen. Damit ist auch das neue Werksviertel angebunden.

Soweit der Plan – der bisher nicht genehmigt ist. Das soll nun nachgeholt werden. Ab Montag legt die Bahn die neuen Pläne für das so genannte Planfeststellungsverfahren „PFA 3 Ost“ einen Monat öffentlich aus. Jede(r) mit „berechtigtem Interesse“ kann Einwendungen erheben – also auch S-Bahn-Pendler, die nicht dort wohnen.

SPD moniert: Bürgerbeteiligung sehr spät

Der SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl hat sich die Pläne schon angesehen: „Offensichtlich hat es fünf Jahre gebraucht, bis die Bahn ihre Umplanungen im Münchner Osten in das formal vorgesehene Genehmigungsverfahren gebracht hat.“ Die Fraktion SPD/Volt fordert „eine adäquate Bürgerbeteiligung für Lehel, Haidhausen und Berg am Laim“.

Anwohner sollten sich die Pläne genau anschauen, es kommt einiges auf sie zu:

■  Die größte Baustelle entsteht für die Stammstrecken-Haltestelle „Ostbahnhof“ in 15 Metern Tiefe parallel zur Friedenstraße. Langfristig ist auch ein Busbahnhof geplant.

■  Im Westen entsteht eine zweite, durchgängige Fußgängerunterführung, die die Friedenstraße mit dem Orleansplatz verbindet.

■  An der Ecke Rosenheimer-/Orleansstraße wird zwischen den Gleisanlagen ein senkrecht nach unten führender Rettungsschacht in offener Bauweise gebaut. Durch ihn sollen Fahrgäste im Brandfall nach oben flüchten.

■  An der Ecke Kirchenstraße 96/Orleansstraße nahe des Haidenauplatzes plant die Bahn einen weiteren Rettungsschacht.

■  Gegenüber an der Dingolfinger Straße 9 (Ten Tower) entsteht ein Zugangsbauwerk, das an das Südende des Bahnhofs Leuchtenbergring andockt. Dort kommt die zweite Stammstrecke wieder an die Oberfläche. Das ganze Geschäftsviertel an den Ten Towers ist bisher schlecht angebunden, die Frage ist, ob sich das durch die Bahnplanungen ändern wird. Der Stadtrat wird sich im November oder Dezember damit befassen.

Schwachpunkt: die Autoverladung wird einfach eliminiert - und nach Kempten verlagert

Brisant: Die Autoverladung auf die Bahn – derzeit an der Ostseite des Ostbahnhofs – wird im Zuge des Bahnhofneubaus endgültig abgeschafft. Die Deutsche Bahn war schon vor Jahren aus der Autoverladung ausgestiegen, zuletzt betrieb sie der Privatanbieter UEX (Urlaubsexpress). Flächen für einen Verbleib anderswo im Münchner Raum konnten offenbar nicht gefunden werden. Im Gespräch ist nun, die Autoverladung nach Kempten zu verlegen – in ganz München könnte dann kein Auto mehr auf die Bahn verfrachtet werden, was unter Bahnexperten für Ärger sorgen dürfte.

Die Bahn plant eine Informationsoffensive mit 32 000 Postkarten an Haushalte der Umgebung, einer Online-Infoveranstaltung am 19. Oktober und einem nicht-öffentlichen Infoabend für Anwohner der Maximiliansanlagen am 25. Oktober. Nur zu einem schweigt sie weiterhin: Wann ist die zweite Stammstrecke komplett fertig? Offiziell heißt es immer noch 2028, doch das halten alle für unrealistisch. Erst Ende des Jahres soll eine neue Kostenschätzung nebst Zeitplan präsentiert werden.

Die Pläne im Internet

www.2.stammstrecke-muenchen.de/verfahren-pfa3ost.html (ab Montag)

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