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Bei vollen Bahnen ist die Gefahr besonders hoch, Opfer von sexueller Belästigung zu werden.

Wie reagiert man am besten auf S-Bahn-Grabscher?

Sexuelle Belästigung im Nahverkehr - so wehren Sie sich

Griffe zwischen die Beine - und das mitten in der S-Bahn. Wie sollten Münchnerinnen reagieren, wenn sie in öffentlichen Verkehrsmitteln Opfer oder Zeuge von sexueller Belästigung werden?

München - Ein Pfiff im Sperrengeschoss, ein Grabscher an den Po in der U-Bahn oder sogar der Griff zwischen die Beine - sexuelle Belästigung ist in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Seltenheit. Erst Ende Januar belästigte ein 23-jähriger Eritreer in der S8 nach Herrsching innerhalb von zwei Stunden 18 Frauen. Doch was ist zu tun, wenn man selbst in einem geschlossenen Raum wie der S-Bahn Opfer eines Sex-Täters wird? Was tue ich aktiv als Zeuge, um einem Opfer zu helfen? Wo gibt es Hilfe? Die wichtigsten Fragen im Überblick. 

Wie ich mich als Opfer gegen den Übergriff wehre

Menschen, die Opfer sexueller Belästigung werden, können sich direkt oder im Nachhinein gegen die Täter wehren. Generell gilt absolute Wachsamkeit. „Am besten schnellstmöglich die Polizei unter 110 verständigen“, sagt Wolfgang Hauner von der Bundespolizei München. Viele Opfer spielen das gerade Passierte herunter oder verheimlichen die Tat sogar vollkommen. „Das ist der falsche Weg“, sagt er.

In potenziellen Gefahrensituationen ist es wichtig, klare Botschaften zu senden - egal ob verbal oder nonverbal. „Lassen Sie mich in Ruhe! Ich möchte das nicht! Eine laute, direkte Anrede bringt Sie aus der Opferrolle und regt auch die Aufmerksamkeit der anderen Passagiere auf Sie“, sagt Hauner. „In geschlossenen Räumen wie der U-Bahn können Sie aufstehen und den Sitzplatz wechseln oder Menschen direkt ansprechen, damit diese Ihnen helfen. In Bussen oder Straßenbahnen kann der jeweilige Fahrer auch ein Anlaufpunkt sein und in S-Bahnen gibt es einen Notknopf“. 

Falls es nicht möglich ist zu telefonieren, können die Opfer den Eltern oder Freunden per SMS oder WhatsApp schreiben, wo der eigene Standort ist und dass dringend Hilfe benötigt wird. Zusätzlich sollte am besten noch während oder gleich nach der Tat aufmerksam beobachtet werden: Wie sieht der Täter aus? Was genau tut er? Gibt es prägnante Merkmale wie Tattoos, Narben oder Ohrstecker? Diese Hinweise helfen der Polizei bei späteren Ermittlungen.

Auch im Nachhinein steht Hilfe bereit. Das Stadtportal München.de hat auf seiner Website eine Telefonliste zusammengefasst, mit der Beratungsstellen und Notruftelefone kontaktiert werden können. Als Präventionsmaßnahme helfen diese Fachkräfte. Die Dienste sind als Ansprechpartner teilweise 24 Stunden am Tag erreichbar, falls der Mut fehlt, mit der eigenen Familie zu sprechen. Für einen Notruf bei sexueller Belästigung wie etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln ist es der Frauennotruf unter 089/76 37 37. Die ganze Liste gibt es hier

Wie ich als Zeuge einem Opfer helfen kann

„Ganz wichtig ist es, nach eigenem Ermessen zu handeln. Versuchen Sie zu helfen, aber ohne sich in Gefahr zu bringen“, beschreibt Hauner. Andere Mitfahrer also konkret bitten mitzuhelfen, statt den Täter verbal oder körperlich anzugreifen ist dabei die bessere Strategie. „Bei einem unserer letzten Übergriffe wurde eine Frau in der S-Bahn belästigt. Eine Zeugin ist direkt auf sie zugegangen und sagte zu ihr: ‚Mensch, dich hab ich ja schon lange nicht gesehen.‘ Dadurch war der Täter verwirrt und die Zeugin hat die betreffende Frau dann aus der Situation gezogen.“

Wichtig wäre es auch, zusammen zu agieren. „Wenn ich etwas sehe, dann drehe ich mich keinesfalls weg, sondern rede aktiv andere Menschen an, weil eine Gruppe stärker auf einen Täter wirken kann.“ Sobald eine Gruppe gemeinsam eine Tat gesehen hat, sollten die Zeugen untereinander Kontakte austauschen und sie an die Polizei weiter geben, damit dem Täter das Handwerk gelegt werden kann.

Man sollte sich selbst einfach bewusst werden, dass es jederzeit auch mit einem selbst passieren kann. Wolfgang Hauner empfiehlt als zusätzliche Maßnahme, dass jeder für sich vorab einmal überlegt, wie er reagieren würde - aus beiden Perspektiven: „Bei diesem ‚was wäre, wenn?‘ denke ich darüber nach, was ich mir merken würde an einer Person. Ich würde als Frau nachts auch immer eher in einen besetzten Waggon steigen und mich in die Nähe von Menschen setzen. Die Lage vom Notknopf würde ich auch schon mal suchen - man weiß ja leider nie“, sagt Hauner.

Nach einer Tat hilft einem Opfer Zuhören auch ganz besonders. Auch nicht an der Tat anwesenden Menschen soll das Opfer anschließend frei von den Erlebnissen erzählen können und sich ernst genommen fühlen, beschreibt Wolfgang Hauner. „Mitgefühl ist  der Schlüssel. So eine Ausnahmesituation soll das Leben der Menschen nicht dauerhaft beeinflussen.“

jl


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