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Söder und die Seinen: Der Finanzminister (2.v.l.) mit Georg Eisenreich, Ludwig Spaenle und Georg Schlagbauer.

CSU in der Landeshauptstadt

Söder-Fanclub München

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Markus Söder als Ministerpräsident? Ja, bitte! Die Münchner CSU ist begeistert von dem Franken. Der Grund dafür sind persönliche Verbindungen, die Hoffnung, ernster genommen zu werden – und wohl auch die Freude an der Abteilung Attacke, die die eigenen Leute oft ein bisserl vermissen lassen.

Markus Söder patzt. Scheitert an den lokalen Befindlichkeiten. Und das gleich zwei Mal. Zunächst wünscht er sich ein Erstliga-Derby zwischen seinem Nürnberger Club und den Sechzgern in Liga Eins. Und unterschätzt offenbar die FC-Bayern-Anhänger unter den Münchner CSU-Leuten bei deren Neujahrsempfang im Ratskeller. Ein deutliches Grummeln ist die Folge. Die zweite Unmutsbekundung geht im allgemeinen Applaus unter. Als Söder, der Franke, sagt, dass Europa nur durch Deutschland stark sei und Deutschland nur durch Bayern, ruft einer von hinten: „Und Bayern durch Oberbayern und die durch München!“

Geschenkt. Die CSU München würde Söder in diesen Monaten wohl viel mehr verzeihen. Der Mann kommt unfassbar gut an, wird klar als Ministerpräsidenten-Kandidat favorisiert – und gibt den Parteifreunden das Gefühl, unter ihm an der Spitze endlich auch in der Staatsregierung richtig ernstgenommen werden zu können. Söder selbst betont gar, in München gehe es nicht um Parteifreunde, sondern um echte Freunde. Was teils durchaus wörtlich zu nehmen ist, CSU-München-Chef Ludwig Spaenle etwa war der Taufpate von Söders Sohn.

Doch auch politisch scheint kein Blatt Papier zu passen zwischen den Nürnberger und seine Münchner Unterstützer. Söder ist mit seiner Charme-Offensive derzeit überall im Freistaat unterwegs. Im Zentrum seiner Rede im Ratskeller: natürlich die Flüchtlingsdebatte. Die Botschaft: „Es ist Zeit, zu machen, statt zu mahnen.“ Der Macher: natürlich Söder selbst. „Wir brauchen wirksame, effiziente, lückenlose Grenzkontrollen!“, ruft er – und alle, wirklich alle, nicken zustimmend. Eine deutsche Regierung müsse auch an die Deutschen denken! Wenn ein Flüchtling an der Essensausgabe keine Frau akzeptiere, gebe es halt kein Essen. Zöllner seien zwar eingestellt worden. Aber nur um den Mindestlohn zu kontrollieren – beziehungsweise „um kleine und mittelständische Betriebe zu drangsalieren“. 2016 ruft Söder zum „Jahr der Vernunft“ aus.

Es könnte ein Söder-Jahr werden, das Jahr seiner Kür zum künftigen Ministerpräsidenten. Söder verteilt eifrig Komplimente – etwa an Staatssekretär Georg Eisenreich („schaut über den Tellerrand“, „hart in der Sache, klug im Ton“) und Kultusminister Spaenle. Die Gelobten geben das zurück. Beide sind schon heute im Kabinett – und wären es sicher auch gerne in einer Staatsregierung unter Söder. Da kann nicht schaden, sich ungewöhnlich früh öffentlich als Unterstützer zu outen. Eisenreich sagt ausdrücklich, seiner Meinung nach solle Söder nächster bayerischer Ministerpräsident werden, wofür er langen Applaus bekommt. „Er ist in der CSU der Mann der Zukunft!“, ruft Eisenreich.

Nach den Reden steht Stadtrat Michael Kuffer, ein Weißbier in der Hand, im aufgeheizten Ratskeller. Er schwärmt: „Super, sehr kraftvoll, der Mann ist überall vermittelbar!“ Alexander Dietrich, der städtische Personalreferent in spe, sagt: „Söder bringt die Dinge deutlich auf den Punkt, ohne in Populismus zu verfallen. Das war ein sehr sympathischer Auftritt.“ Eisenreich betont den „Riesen-Rückhalt“.

Flüchtlingskrise, Terrorwarnung, Kölner Übergriffe: Es brodelt ohnehin an der Basis – da hat Söder den richtigen Ton getroffen. Ein wenig darf man aus all den begeisterten Reaktionen wohl auch den Wunsch herauslesen, dass die eigene Münchner Führungsriege gelegentlich den betont liberalen Großstadt-Kurs verlassen und klare Kante zeigen möge. Auf jeden Fall hingegen verbinden viele Münchner CSU-Leute mit der Perspektive Söder die Hoffnung, sie könnten ernster genommen werden als in der Ära Seehofer. Denn hinter vorgehaltener Hand ist es seit Jahren ein Thema: dass die Staatsregierung im Zweifelsfall wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Parteifreunde im rot regierten München nehme.

Söder signalisiert das Gegenteil. Er, der Franke, dem SPD-Leute nachsagen, er brüste sich andernorts mit München-Feindlichkeit. Er, der als Heimatminister strukturschwache Regionen stärken wollte, Behörden außerhalb der Landeshauptstadt ansiedelte: Er kommt in München bestens an. Söder selbst sieht ohnehin keine Probleme, in der Landeshauptstadt zu punkten. Als Franke sowieso nicht, hier gebe es doch viele Zugezogene. „Und ich glaube, dass die Leute gute Arbeit belohnen“, sagt er unserer Zeitung. Es fließe viel Staats-Geld nach München. Und: Söder betont seinen engen Draht zu Bürgermeister Josef Schmid. „Ich halte überhaupt sehr viel von der Münchner CSU.“ Und sie von ihm, ihrem Lieblings-Ministerpräsidenten.

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