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Die Dächer des Oktoberfests sind ein imposanter Anblick. Doch halten sie Solarzellen aus? Im Umweltreferat kann man sich das vorstellen.

Solarzellen auf dem Wiesnzelt?

München - Die Wiesn soll noch ökologischer werden - das wünschen sich Bürgermeister Monatzeder und das Umweltreferat. Sie denken an klimaneutrale Fahrgeschäfte, mehr Öko-Speisen - und sogar Solarzellen auf einem Festzelt. Doch letzteres stößt auf viel Skepsis.

Wie grün ist die Wiesn? Am 28. Juni steht diese Frage auf der Tagesordnung des Stadtrats. Die SPD hatte das Umweltreferat beauftragt, zu berichten, was auf dem Fest für den Umweltschutz getan wird - und wo Verbesserungsbedarf besteht. Das Fazit von Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne): „Das Oktoberfest gilt in der ganzen Welt als Vorbild für umweltschonend organisierte Großveranstaltungen.“

Lorenz zufolge hat das mehrere Gründe: So hätten etwa umweltfreundliche Schausteller bessere Chancen, einen Platz auf der Wiesn zu erhalten. Wenn sie Ökostrom beziehen wollen oder biologisch abbaubares Hydrauliköl verwenden, erhalten sie im Bewerbungsverfahren „Ökopunkte“, die ihre Chancen erhöhen. Zudem ermutigt die Stadt Schausteller und Wirte, Bio-Lebensmittel zu verkaufen. 2010 taten das knapp zehn Prozent der Betriebe. Auch beteiligen sich einige Zelte an einem Wasser-Recycling-Projekt: Das Abwasser aus Bierkrug-Spülmaschinen landet nicht im Abwasser-Kanal, sondern wird für die Zelttoiletten verwendet.

Doch das ist dem Umweltreferat noch nicht genug: Es will die Wiesn noch grüner machen. Im Rahmen des Projekts „München für Klimaschutz“, für das sich auch Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) engagiert, hat das Referat ein erstes Konzept „Klimafreundliche Wiesn“ erarbeitet. „Ziel ist es, die Wiesn irgendwann klimaneutral zu veranstalten“, so Monatzeder. Das Konzept enthält ein Bündel von Ideen: etwa dass sich zunächst einzelne Schausteller verpflichten, Fahrgeschäfte klimaneutral zu betreiben. Auch soll die Firma Osram eine klimafreundliche Beleuchtung verwirklichen.

Die spektakulärste Idee ist aber eine Solar-Anlage auf der Wiesn - um den Gästen die Vorzüge der Sonnenenergie zu demonstrieren. Das Umweltreferat kann sich eine freistehende Anlage vorstellen, im Gespräch sind aber auch Solarzellen auf dem Dach eines Festzelts. Das Umweltreferat will keine Variante ausschließen. „Eine gute Idee“, findet Monatzeder. Allerdings betont er: Die Wiesnwirte und Schausteller würden zu nichts gezwungen. „Das machen wir auf freiwilliger Basis.“

Doch woanders kommt die Solarzellen-Idee weit weniger gut an. Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl und das Wirtschaftsreferat fürchten, dass sich Solarzellen nur schwer mit der Statik der Zelte und dem Brandschutz vereinbaren lassen. Weishäupl hält es auch für schwierig, auf der prallgefüllten Wiesn einen Ort für eine freistehende Anlage zu finden. „Der Bavariahügel steht unter Denkmalschutz.“ Wirt Wiggerl Hagn (Löwenbräuzelt) hält Solarzellen auf Zelten nicht für wirtschaftlich - man könne sie ja nur wenige Wochen im Jahr betreiben. „Aber am Behördenhof wäre das denkbar.“

Das Wirtschaftsreferat hat noch eine Sorge: „Ob Gäste im Augenblick des Wiesnbesuchs offen für Botschaften rund um das Klima sind, sollte kritisch hinterfragt werden.“ Sprich: Wer einige Mass intus hat, findet Klimaschutz vielleicht weniger berauschend. Doch Monatzeder sieht das anders: „Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.“

Johannes Patzig

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