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Ungewohntes Gewand: Als Kommunalreferentin ist Kristina Frank auch Werkleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs. 

Mülldetektive im Einsatz 

Das soll in München besser werden: In der Biotonne landet zu viel Plastik

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
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Müllentsorgung ist die Kernaufgabe des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM). Pro Tag leert die Stadt knapp 56 000 Tonnen. Das ist die eine Seite der Medaille. Ein Kernproblem ist noch ungelöst.

Die Chefin des Kommunalreferats, Kristina Frank (CSU), stellte gestern bei der Jahrespressekonferenz aber vor allem auch den Aspekt der Müllvermeidung heraus. „Es geht für uns um den ökonomischen und um den ökologischen Blickwinkel.“

Dazu gehören Kampagnen zur Vermeidung von Plastikmüll, die Abschaffung von Einwegbechern in den Einrichtungen der Stadtverwaltung oder der Einsatz von Mülldetektiven. Ferner denkt der AWM, der dem Kommunalreferat unterstellt ist, über eine Kooperation mit Paketdiensten nach. Frank plant demnächst einen Runden Tisch mit Unternehmensvertretern. Das Ziel: „Bei der Lieferung von Waren könnte die Verpackung gleich wieder mitgenommen werden.“ Generell versuche der AWM die lokale Wirtschaft als Mitstreiterin bei der Abfallvermeidung zu gewinnen.

Plastikmüll-Menge, die dem Volumen des Turms der Frauenkirche entspricht

Das „Riesenproblem“ Plastikmüll wird vom AWM auf Plakaten visualisiert. So produzieren die Münchner pro Woche Plastikmüll in einer Menge, die dem Volumen des Turms der Frauenkirche entspricht. Besonders ärgerlich ist es, wenn der Kunststoff in der Biotonne landet. Frank appellierte an das Umweltbewusstsein der Bürger und fügte an: „Auch sogenannte bioabbaubare Plastiktüten, die in Supermärkten erhältlich sind, sollen nicht in die Biotonne geworfen werden, da sie nicht verrotten.“ In München fallen pro Jahr 44 000 Tonnen Biomüll oder 29 Kilogramm pro Einwohner an. Daraus wird Kompost und Ökostrom gewonnen.

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Seit September sind im Auftrag der AWM auch vier Mülldetektive unterwegs, die Biotonnen kontrollieren. Derzeit nur in Laim. Ob weitere Stadtbezirke folgen, soll entschieden werden, wenn die Kontrollergebnisse aus Laim ausgewertet worden sind. Frank zufolge haben die bisherigen Stichproben ergeben, dass rund fünf Prozent der Biotonnen stark und 15 Prozent schwach verunreinigt sind. Müllsünder werden künftig stärker zur Kasse gebeten. Normalerweise ist die Leerung der Biotonne kostenfrei. Bei übermäßig vielen Fremdstoffen musste bisher eine Strafe von sechs Euro pro Leerung gezahlt werden. Dieser Betrag wurde zum 1. Januar auf elf Euro erhöht.

Die Gebühren für die Restmüllentsorgung wurden zum Jahresbeginn um etwa zwei Prozent nach oben geschraubt. Umgerechnet auf den einzelnen Bürger bedeutet dies gut drei Euro mehr pro Jahr – in Häusern mit 120-Liter-Tonnen und einer 14-tägigen Leerung. Die neuen Gebühren gelten für die kommenden drei Jahre und sind Frank zufolge im bundesweiten Vergleich extrem niedrig.

Um das Abholen des Mülls rationeller zu gestalten, plant der AWM die Tonnen mit Sensoren auszustatten. Die Idee: Der Füllstand wird digital gemessen und es erfolgt eine Meldung, wann die Tonne geleert werden muss. Frank sagte, dadurch könnten unnötige Fahrten vermieden werden. Allerdings ist noch völlig unklar, wann diese Technik – der Projektname lautet „smarter Müll“ – eingeführt werden könnte. Das Kommunalreferat möchte den Auftrag in diesem Jahr erst einmal für Fachfirmen ausschreiben. „Heuer wird es mit der Umsetzung nichts mehr“, erklärte Frank. Höchstenfalls bei Altkleidercontainern. Kristina Frank wird sich für die CSU bei den kommenden Kommunalwahlen 2020 um den Posten des Oberbürgermeisters (OB) Münchens aufstellen lassen.

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