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Teure Rettung: Die Johanniter sind auf Spenden von Fördermitgliedern angewiesen. In Sachen Anwerbung gibt es jetzt Kritik.

Profi-Werber klingeln an der Haustür

Soziale Hilfswerke: Mitgliederfang auf Provisionsbasis

Soziale Hilfswerke wie die Johanniter springen da ein, wo die staatliche Hilfe lückenhaft bleibt. Dafür sind sie auf Spenden angewiesen. Die Anwerbung von Fördermitgliedern an der Haustür stößt allerdings auch auf Kritik.

München - Bei vielen Münchnern hat es in den vergangenen Wochen spätabends an der Haustür geklingelt. Vor der Tür steht dann ein junger Mann in der Uniform der Johanniter-Unfall-Hilfe, der seinem Gegenüber eindringlich eine Fördermitgliedschaft nahelegt. Und wenn es mit Überzeugung nicht funktioniert, kommt es auch mal vor, dass der nicht mehr ganz so freundliche Werber versucht, seinem Gegenüber ein schlechtes Gewissen einzureden.

Streng genommen handelt es sich dabei allerdings nicht um einen Mitarbeiter der Johanniter, sondern um Angestellte einer Firma, die im Auftrag der Organisation auf Mitgliederfang geht. Christina Presch vom Johanniter-Landesverband Bayern, bestätigt: „Derzeit sind Werber in unserem Auftrag in München unterwegs.“ Seit 30 Jahren arbeiten die Johanniter mit dem Stuttgarter Unternehmen Wesser zusammen. „Die Bezahlung richtet sich nach den geworbenen Mitgliedern“, heißt es auf der Homepage der Firma. Wer fünf Mitglieder am Tag werbe, könne damit auf einen Monatsverdienst von 2000 Euro kommen, das Fixgehalt liege bei 1000 Euro.

Das Spiel mit dem schlechten Gewissen

Mehrere Leser berichteten unserer Zeitung, sie hätten sich an der Haustür bedrängt gefühlt. Der Vorschlag, die Unterlagen dazulassen, damit man sich informieren und nicht zwischen Tür und Angel eine Mitgliedschaft abschließen müsse, sei bei den Werbern nicht gut angekommen. In einem Fall habe der Werber entgegnet, man müsse ja möglicherweise auch mal die Dienste der Johanniter in Anspruch nehmen. Das Spiel mit dem schlechten Gewissen.

„Das geht natürlich gar nicht“, sagt Presch. Sie verweist auf einen strengen Verhaltenskodex. „Sollte sich jemand bedrängt fühlen, sollte er sich den Ausweis des Werbers zeigen lassen und sich bei uns beschweren. Dann können wir eingreifen.“

Für die Vereine ist die Mitgliederwerbung an der Haustür unverzichtbar, aber immer eine Gratwanderung. „Wir sind uns bewusst, dass dieses Vorgehen kritisch gesehen werden kann“, heißt es bei den Johannitern. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die persönliche Werbung deutlich erfolgreicher ist als per Anschreiben“, sagt Presch. Im Jahr 2016 hatte der Münchner Regionalverband 64 396 Fördermitglieder – über 3000 mehr als im Jahr zuvor. Bundesweit spülten die Beiträge der 1,27 Millionen Fördermitglieder 74,4 Millionen Euro in die Kassen der Johanniter. Geld, mit dem sie ihre Projekte finanzieren. So werden etwa Teile der laufenden Kosten für das Kinder- und Jugendhaus in Ramersdorf durch die Beiträge der Fördermitglieder bestritten.

Werber dürfen keinen Druck ausüben

„Drei weitere Organisationen werben traditionell mit Hilfe von Fremdfirmen an der Haustür um Mitglieder: Die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund und das Rote Kreuz“, erklärt Burkhard Wilke. Er ist Chef des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, das auch das Spendensiegel vergibt. An sich sei diese Art der Mitgliederwerbung kein Problem, allerdings müssten Standards eingehalten werden. Wilke: „Die Werber müssen klar machen, dass sie beruflich unterwegs sind. Außerdem muss auf die Provision hingewiesen werden.“ Besonders wichtig: Sie dürfen keinen Druck ausüben. So sollte das Gespräch spätestens nach dem dritten Nein beendet sein. „Wir sind sehr daran interessiert, Mitteilungen darüber zu erhalten, wenn die Werber zu druckvoll auftreten.“ Denn ein zu forsches Auftreten kann einen großen Imageschaden bedeuten.

Das befürchtet auch Norbert Huber, Münchner Caritas-Chef und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in München. „Wir können es uns nicht leisten, die Menschen zu verprellen. Das Vertrauen unserer Spender zu gewinnen und aufrecht zu erhalten ist für uns das Wichtigste.“

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