Sozialticket soll auch vor 9 Uhr gelten

München - Die erhoffte Resonanz bringt das Sozialticket nicht - wahrscheinlich, weil Bedürftige zwischen 6 und 9 Uhr nicht damit fahren dürfen. Jetzt stehen Änderungen ins Haus - und mehr Rabatte für Kinder.

Die Nachfrage nach dem Sozialticket „IsarCard S“, mit dem hilfebedürftige Münchner verbilligt den Nahverkehr nutzen können, fällt weit geringer aus als erwartet. Viele der 85 000 Berechtigten greifen auf die weiter erhältlichen verbilligten Tageskarten zurück. Der Grund: Die „IsarCard S“ gilt nicht in der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 9 Uhr. Jetzt wird geprüft, ob das Sozialticket künftig auch in dieser Zeit gilt, wenn der Fahrgast zusätzlich einen Streifen auf der Streifenkarte entwertet.

Es waren die Zahlen, die die Stadt zur Einführung des umstrittenen Sozialtickets im April 2009 bewegten: Eine beim infas-Institut in Auftrag gegebene Marktuntersuchung hatte ergeben, dass jeden Monat 21 000 Münchner Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfänger, Grundwehr- und Zivildienstleistende die „IsarCard S“ für den Innenraum, und 6000 Menschen das Sozialticket für den Gesamtraum kaufen würden. Ein Jahr nach der Einführung der „IsarCard S“ ist nun klar: Mit knapp 13 500 Innenraum-Tickets wurden im Schnitt im Monat nur etwa zwei Drittel und mit maximal 1400 Gesamtraum-Karten weniger als ein Viertel der erwarteten „IsarCards S“ abgesetzt.

Gleichzeitig ist aber laut Sozialreferat zu beobachten, dass am Angebot ermäßigter Tageskarten, das entgegen der ursprünglichen Pläne bisher fortgeführt wird, „weiterhin großes Interesse besteht“. Berechtigte haben Anspruch auf bis zu 15 um zwei Drittel verbilligte MVV-Tagestickets pro Monat, die sie in den Sozialbürgerhäusern bekommen. Im Monatsschnitt wurden 29 000 Single-Tageskarten zu 1,65 Euro, 1400 Partner-Tageskarten zu drei Euro und 3000 Kindertageskarten (80 Cent) abgegeben. Die Differenz zum regulären Verkaufspreis zahlt die Stadt.

Weil dieses Ergebnis darauf schließen lässt, dass viele Menschen Tageskarten für die Sperrzeit zwischen 6 und 9 Uhr benötigen, will die Stadt nun prüfen, ob die Gültigkeit der „IsarCard S“ ausgeweitet werden kann. Die Gesellschafter-Versammlung des MVV schlug im November 2009 vor, die „Ein-Streifen-Regelung“ einzuführen. Inhaber des Sozialtickets müssten dann zusätzlich einen Streifen auf der Streifenkarte abstempeln, wenn sie zwischen 6 und 9 Uhr fahren. In welchem Maße diese zusätzliche Vergünstigung aber zu Verkaufsrückgängen bei anderen Fahrkarten führt, wird geprüft. Auch hier muss die Stadt die Ausgleichszahlungen tragen.

Wie tief das Sozialreferat für die „IsarCard S“ 2009 ins Stadtsäckel greifen musste, ist noch nicht bekannt. Ursprünglich wurde mit 5,5 Millionen Euro pro Jahr gerechnet.

Wenn der Verbundrat von MVV und MVG am 30. April getagt hat, will die Stadt noch vor der Sommerpause entscheiden, wie es mit dem Sozialticket weitergeht. Bis dahin gibt es einen Kinderbonus: Weil scheinbar viele Kinder mit ermäßigten Tageskarten zur Schule fahren, bekommen sie ab April 20 statt 15 verbillige Tickets.

Caroline Wörmann

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