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Nichts zu bereden: Alexander Reissl (l.) und Hans-Dieter Kaplan am Mittwoch.

Kaplan will Reissl kippen

Gegen Fraktionschef: Kampf-Kandidatur in der Rathaus-SPD

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München - Am Montag will SPD-Stadtrat Hans-Dieter Kaplan bei den Vorstandswahlen Fraktionschef Alexander Reissl kippen. Im Vorfeld geben sich beide schmallippig.

Die Münchner Stadträte sind Brezen-Liebhaber. Im Pausenraum neben dem Sitzungssaal können sie sich das Gebäck nehmen: in Standard- und in Bio-Ausführung, schließlich haben hier lange die Grünen regiert. Im Pausenraum trifft man sich an Sitzungstagen auf eine Breze und einen Ratsch. Doch viel sagen wollen die SPD-Leute am Mittwoch nicht. Wie berichtet, plant Stadtrat Hans-Dieter Kaplan am Montag bei den Vorstandswahlen gegen Fraktionschef Alexander Reissl zu kandidieren. Die Aufregung ist intern groß. Doch öffentlich mag keiner etwas sagen. Übrigens auch nicht Kaplan selbst, der an einem Tisch mit SPD-Stadträten auf seiner Breze kaut und sehr laut über Witze lacht. Ganz so, als habe er etwas zu lachen.

Ob das so ist, da gehen die Meinungen zwar auseinander. Doch wenn an diesem Mittwoch aus Andeutungen und Gesten etwas herauszulesen ist, dann wohl das: Eine realistische Chance, gegen Reissl eine Mehrheit zu organisieren, räumt Kaplan im Rathaus eigentlich niemand ein. Viele – auch in der SPD – sind von seiner internen Ankündigung überrascht worden. Kaplan ist schon 60, öffentlich in den letzten Jahren nur wenig aufgefallen – und dazu noch keine Frau, was in der SPD mittlerweile auch eher ein Nachteil ist.

CSU-Stadträte nehmen die Kampf-Kandidatur nicht sehr ernst

Auch die CSU-Leute im Rathaus nehmen die Kampf-Kandidatur nicht allzu ernst. Fraktionschef Hans Podiuk steht im Ruf, gut mit Reissl zusammenzuarbeiten – zu Personalien des Koalitionspartners will er nichts sagen. Wie er mit Kaplan kann? Da setzt Podiuk sein Spitzbuben-Gesicht auf, dass er auch mit 69 Jahren noch beherrscht. „Kein Kommentar“, sagt Podiuk und schiebt sich weiter zum Brezenkorb.

Andere CSU-Leute sagen, mit Kaplan wäre es für sie „natürlich“ leichter als mit Reissl, der in Verhandlungen als harter Hund gilt. Sie verweisen aber auch darauf, dass Reissl seinen Laden nicht so gut im Griff habe, wie es von außen oft wirke. Beim jüngsten Streit um die Sendlinger Straße etwa sei es Reissl nicht gelungen, seine Truppen zu sammeln und in Ruhe einen Kompromiss mit der CSU durchzusetzen.

Reissl will die Angelegenheit nicht kommentieren

Reissl selbst wirkt an diesem Morgen aufgeräumt. Er, der seit Jahren so viele interne Kritiker hatte, wusste wohl, dass es irgendwann zu einer offenen Konfrontation kommen würde. Vielleicht ist er sich auch seiner Mehrheit so sicher, dass Reissl keinen Grund sieht, nervös zu werden. Wie gewohnt tritt der 58-jährige Moosacher auch ans Rednerpult, kritisiert die Übertritte von CSU-Stadträten zur Bayernpartei als „parteipolitische Spielchen“ – und bekommt dafür lauten Applaus der CSU-Kollegen.

Im Brezen-Raum lässt er sich ungewöhnlich lange nicht blicken. Dann kommt er doch. Wie er die Situation bewertet? „Dazu kann ich nichts sagen“, sagt Alexander Reissl. „Schon deshalb nicht, weil ich eine Breze im Mund habe.“ Dann geht er wieder hinein in den Sitzungssaal, seinen Job als Fraktionschef machen. So, wie er es auch in den nächsten Jahren tun will.

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