Anbieter dürfen jetzt auch mehr als 500 Autos abstellen

Carsharing-Flotten dürfen wachsen

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München - Die Carsharing-Flotten dürfen wachsen so weit die Anbieter es wünschen. Und die Autos dürfen künftig quasi überall parken. Das hat der Stadtrat gestern einmütig entschieden. Doch im schwarz-roten Bündnis zeichnet sich zum Thema auch Konfliktstoff ab.

Carsharing ist auf dem Vormarsch. Und wenn es nach dem Münchner Rathaus geht, wird es kein Nischenmarkt bleiben. Am Dienstag entschied der Stadtrat ein ganzes Paket von Neuregelungen, die dem Teilen von Autos zum Durchbruch verhelfen sollen. Der wichtigste Punkt: Künftig soll den Anbietern keine Obergrenze mehr auferlegt werden. 

Der größte, die BMW-Tochter Drive Now, hatte sich bisher auf eine 500-Pkw-Flotte beschränken müssen. Außerdem werden Gebühren für Carsharing-Firmen gesenkt, für die Parklizenzen wird der Betrag halbiert. Ab dem 600. Auto eines Anbieters muss er sogar gar nichts mehr für die Wapperl bezahlen. Auch dürfen die Fahrzeuge künftig auch auf Parkplätzen abgestellt werden, die bisher ausschließlich für die Privat-Autos von Anwohnern im jeweiligen Viertel reserviert waren. 

Am Dienstag wurde den Stadträten auch das Gutachten vorgestellt, für das die TU Dresden die Auswirkungen von Carsharing in München untersucht hatte. Wie berichtet, kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass ein Carsharing-Auto durchschnittlich so viel Parkraum benötigt wie drei Privat-Pkw. Dieser Effekt komme zustande, weil Menschen sich wegen des Angebots doch kein eigenes Auto kaufen, die Fahrzeuge weniger am Straßenrand stehen und mehr gefahren werden – und weil Carsharing-Nutzer private Autos abschaffen. 

Laut Studie nutzen gerade viele Haushalte Carsharing, die bereits darüber nachgedacht hatten, ihr Auto abzuschaffen. Die schwarz-rote Koalition zeigte sich am Dienstag begeistert von ihrem Beschluss. Dieser werde „dafür sorgen, dass das Carsharing in München weiter an Fahrt aufnimmt“, sagte SPD-Stadträtin Beatrix Zurek. „Es erscheint uns logisch, dass sich der Parkdruck automatisch verringert, wenn Menschen ihre Privat-Autos abschaffen und lieber auf Carsharing-Angebote umsteigen. Angeblich könnte man laut Studie durch die Effekte des Carsharings bis zu 1500 Parkplätze abschaffen. Darüber wurde am Dienstag im Stadtrat aber noch nicht abgestimmt. In der Frage scheinen sich die Koalitionspartner auf jeden Fall nicht ganz einig zu sein. „Sollte sich zeigen, dass Parkplätze überflüssig geworden sind, haben wir nichts dagegen, diese anderweitig zu nutzen“, sagte Beatrix Zurek. Ein „Überangebot“ an Parkplätzen verleite die Menschen nämlich dazu, neue Autos anzuschaffen. 

CSU-Stadtrat Alexander Dietrich hingegen erklärte, man sei „skeptisch“ was die angeblich 1500 verzichtbaren Parkplätze betreffe. „Natürlich entsteht Platz für eine Neugestaltung des öffentlichen Raums. Aber bereits ohne das Carsharing fallen viele Stellplätze in der Innenstadt weg. Außerdem ist der Zuzug nach München ungebrochen und der Wohnraum wird nachverdichtet.“ In dieser Situation, sagte Dietrich, sei es „falsch, die Abschaffung von zusätzlichen Stellplätzen zu fordern“. CSU-Stadtrat Manuel Pretzl betonte, Carsharing biete gute Möglichkeiten, auch die Elektro-Mobilität zu fördern. „Die Nutzer geliehener E-Autos können die Technologie ausgiebig testen“, sagte Pretzl. „Vielleicht schafft das den Anreiz, bei einem Neukauf auf ein E-Fahrzeug zu setzen, statt auf ein konventionelles Fahrzeug.“ 

Jetzt sind zunächst aber die Carsharing-Anbieter am Zug. Sie müssen zeigen, ob sie den großen Zielen der Stadt auch am Markt eine Chance geben wollen. Drive Now zumindest hat bereits angekündigt, seine Fahrzeugflotte in München weiter ausbauen zu wollen.

Rubriklistenbild: © dpa

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