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Friederike Berger arbeitet seit vielen Jahren als Familientherapeutin - und will Senioren in Liebesdingen auf die Sprünge helfen.

Speed-Dating für Senioren

München - „Nach 40 Sekunden weiß man, ob die Chemie stimmt“: Paartherapeutin Frederike Berger will dem Liebesglück älterer Alleinstehender auf die Sprünge helfen – mit Rendezvous im Sieben-Minuten-Takt

Älter als 60 Jahre und noch Schmetterlinge im Bauch? Das geht, meint Friederike Berger. Die Münchner Paar- und Familientherapeutin mit Praxis im Obermenzinger Alten- und Servicezentrum der Caritas begegnet im Beruf oft Älteren, die sich nach einem Partner sehnen. So kam die 52-Jährige auf die Idee, ein sogenanntes Speed-Dating zu veranstalten.

Frau Berger, was bitteschön ist Speed-Dating?

Speed-Dating bedeutet, in ganz kurzer Zeit einige Menschen kennenzulernen, die daran interessiert sind, einen Partner zu finden.

Wie läuft sowas ab?

Die Teilnehmer sitzen sich an einem langen Tisch gegenüber – die Damen auf der einen, die Herren auf der anderen Seite. Sie haben genau sieben Minuten Zeit, mit ihrem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Ich schaue auf die Uhr und gebe ein Signal, sobald die Zeit um ist. Dann rutschen die Teilnehmer einen Platz weiter – und unterhalten sich mit dem Nächsten.

Sind sieben Minuten nicht zu kurz, um jemanden kennenzulernen?

Auf gar keinen Fall. Sieben Minuten sind eine lange Zeit, wenn man sich mit einem fremden Menschen unterhält. Und ob die Chemie stimmt, weiß man sogar schon nach den ersten 40 Sekunden. Da merkt man, ob einem jemand sympathisch ist und auch gefällt.

Haben sich schon viele Teilnehmer angemeldet?

Die Resonanz auf die Flyer, die ich im Alten- und Service-Zentrum sowie in Apotheken ausgelegt habe, war überwältigend. Noch nie waren innerhalb so kurzer Zeit so viele Flyer weg. Trotz des großen Interesses habe ich noch nicht genug Anmeldungen. Es sollten mindestens zehn Teilnehmer sein, zwanzig wären noch besser.

Warum sind die Leute so zurückhaltend?

Viele haben Hemmungen, zuzugeben, dass sie einen Partner suchen. Es fällt ja auch jungen Leuten schwer, zu sagen, dass sie niemanden finden.

Aber es ist doch ganz natürlich, dass der Mensch jemanden sucht, mit dem er durchs Leben gehen kann...

Ja, aber bei älteren Menschen gelten Liebe und Zärtlichkeit als Tabuthemen. Man unterstellt ihnen, sie hätten danach kein Bedürfnis mehr. Hinzu kommen gesellschaftliche Erwartungen. Eine Dame zum Beispiel, die erst seit kurzem verwitwet ist, hat mir gesagt, dass sie gerne mitmachen würde, aber Angst davor hat, was die Nachbarn sagen, wenn auf einmal ein neuer Mann im Haus herumläuft. Eine andere sagte: „Was mache ich, wenn ich wirklich jemanden kennenlerne, wie soll das gehen mit meiner Figur? Es ist doch alles nicht mehr das, was es einmal war.“ Aber es gibt natürlich auch solche, die den Tod des Partners nach einer langen belastenden Ehe als befreiend empfinden und klar sagen, sie seien froh, jetzt endlich ihre Ruhe zu haben.

Wie nehmen Sie den Leuten die Bedenken?

Ich sage ihnen, dass man Einsamkeit nicht aushalten muss. Das Leben ist zu kurz, um alles dem Zufall zu überlassen. Ältere haben es ohnehin schwerer, jemanden kennenzulernen. Die Jüngeren gehen in die Schule, treffen neue Menschen an der Uni oder in der Disko. Natürlich können Ältere auch im Theater oder im Supermarkt jemanden kennenlernen. Aber wer traut sich schon, jemanden anzusprechen, von dem er gar nicht weiß, ob er überhaupt zu haben ist? Beim Speed-Dating weiß man: Jeder der kommt, hat grundsätzlich Interesse, jemanden kennenzulernen. Ob es klappt, ist eine andere Sache. Die Teilnahme verpflichtet zu nichts.

Wie geht es nach dem Speed-Dating weiter?

Unmittelbar danach können die Teilnehmer noch ein Gläschen trinken und mir einen Zettel in die Hand drücken, auf dem die Nummer derjenigen steht, die sie wiedersehen möchten. Das Speed-Dating läuft ja anonym ab, die Teilnehmer bekommen eine Nummer. Nur ich weiß, wer sich dahinter verbirgt. Ich gebe die Daten nur heraus, wenn beide einverstanden sind. Sie können sich dann zum Beispiel zum Wandern verabreden oder gemeinsam ins Theater gehen und sich näher kennenlernen. Manche Menschen lernen die Liebe ihres Lebens erst mit 80 Jahren kennen.

Interview: Bettina Stuhlweißenburg

Das Speed-Dating

findet am 25. August, 17.30 bis 19.30 Uhr im Obermenzinger Alten- und Servicezentrum der Caritas, Packenreiterstraße 48, statt. Die Teilnahme kostet 25 Euro. Bis 23. August muss man sich anmelden bei Friederike Berger: 089/891 681 714.

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