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Antonia Lüdemann* schämt sich für ihre Armut, will nicht erkannt werden.

Im Advent unterstützen wir bedürftige Rentner

Spendenaktion: „Ein Mädchen wird ja eh heiraten“

Antonia Lüdemann*, 88, lebt in Altersarmut. Und das, obwohl sie stets gearbeitet hat, wo es nur ging. Ein Frauenschicksal, das nachdenklich macht.

Antonia Lüdemanns* Kindheit? Das waren Bombenangriffe, Ängste, Hunger. Sie ist 1931 geboren – sie hat erlebt, was es bedeutet, im Krieg groß zu werden. „Es war eine ganz andere Zeit“, sagt die 88-Jährige; das könnten sich junge Menschen gar nicht vorstellen. Ihre Mutter habe ihr damals beigebracht, mit wenig zu kochen – „es gab ja nichts“.

Heute gibt es alles. Aber Antonia Lüdemann kann es sich trotzdem nicht leisten. Denn sie lebt in Altersarmut.

Dabei hat sie gearbeitet, als Telefonistin. Nach der Geburt ihres Sohnes blieb sie zwar daheim – das war typisch für die Frauen ihrer Generation. „Kitas gab es zu dieser Zeit ja nicht“, sagt sie. Erst als der Kleine in die Schule kam, konnte sie wieder etwas dazuverdienen.

Antonia Lüdemann hatte nicht die Chance, das Abitur zu machen

Für eine passable Rente reicht es freilich nicht; Antonia Lüdemann ist sogar auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Fast entschuldigend erzählt sie, wie das damals gewesen sei. Wie ihr Vater stets gesagt habe: „Ein Bub muss später eine Familie ernähren – der muss eine gute gute Ausbildung haben. Ein Mädchen wird ja eh heiraten.“ Deshalb hatte Antonia Lüdemann nicht mal eine Chance, das Abitur zu machen – oder gar zu studieren, erzählt sie. Was ihr blieb, sei ein mies bezahlter Job gewesen. Die Arbeit daheim, Kinder, Haushalt? Das honoriere ja keiner. Von der sogenannten Mütterrente habe sie leider nichts – die erscheine zwar auf ihrem Konto, werde ihr aber letztlich wieder postwendend abgezogen – weil sie ja auf Grundsicherung angewiesen sei. Eine Absurdität, findet die Rentnerin.

Dennoch: Jammern will sie nicht. Sie versucht meist, sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. „In meinem Alter ist jedes Jahr ein Geschenk. Und: „Ich bin froh, dass ich allein zurecht komme.“ Vom Verein Lichtblick Seniorenhilfe bekommt sie finanzielle Unterstützung, etwa für Kleidung und Schuhe, jüngst für eine Brille. Zudem Einkaufsgutscheine und auch mal ein warmes Mittagessen. Ohne diese Hilfe ginge es nicht für Antonia Lüdemann.

Wenn sie ihr Leben mit dem von ihrer Mutter vergleicht, findet sie es trotzdem leichter: „Heute haben wir eine Waschmaschine“, sagt sie dann. „Und wenn es kalt ist, drehen wir die Heizung auf.“

*Name geändert

EMILY WILKE

Schenken auch Sie ein bisschen Würde, liebe Leserinnen und Leser!

Eine warme Mahlzeit pro Tag, etwas weniger Sorgen am Monatsende, ein erhobener Kopf im Supermarkt: Schon mit 35 Euro im Monat spenden Sie echte Lichtblicke für Rentner in Not. Unter dem Motto „Oberbayern gegen Altersarmut“ suchen der Münchner Merkur und die Sparda-Bank München Paten für bedürftige Senioren.

Eine Patenschaft kostet nur 35 Euro im Monat. Über die Laufzeit entscheiden die Spender. „2003 waren wir der erste Verein in Deutschland, der sich finanziell für bedürftige Rentner eingesetzt hat – und das tun wir bis heute“, sagt Vereinschefin Lydia Staltner. „Allein in den vergangenen drei Jahren haben wir rund rund 8400 Rentnern in Oberbayern geholfen. Nur, wenn wir alle zusammen helfen, können wir Altersarmut bekämpfen.“

Schenken auch Sie ein bisschen Würde, liebe Leserinnen und Leser: als Pate oder mit einer einmaligen Spende! Überweisungen bitte aufs Konto des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe (Schweigerstraße 15, 81541 München) bei der

Sparda-Bank München

IBAN: DE30 7009 0500 0004 9010 10

BIC: GENODEF1S04

(Für eine Spendenquittung geben Sie bitte Ihre Anschrift an.)

Oder spenden Sie online: www.seniorenhilfe-lichtblick.de/spendenformular-patenschaft/ Als gemeinnütziger Verein leitet dieser stets die Summe an die bedürftigen Senioren weiter. Weitere Informationen finden Sie unter www.seniorenhilfe-lichtblick.de.

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