Mission 2018: Am 6. Juli fällt das IOC die Entscheidung, ob München die Winterspiele bekommt. Foto: dapd

Sponsoren - das Risiko für Olympia 2018

München - Die Suche nach Sponsoren für die Olympiabewerbung bleibt schwierig. Drei Monate vor der Vergabe der Spiele 2018 fehlen immer noch sieben Millionen Euro. Kritiker fürchten, dass im Falle des Zuschlags auch die Veranstaltung zum unkalkulierbaren Risiko wird.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. So abgedroschen diese Worte sind, so zutreffend sind sie für die Situation der Münchner Olympia-Mission. Als die im Juli 2008 ins Leben gerufen wurde, startete sie mit einem hehren Ziel: das Geld für die Bewerbung wenn möglich bei privaten Sponsoren einzusammeln. 33 Millionen Euro sind derzeit dafür angesetzt. Doch je näher die Vergabe am 6. Juli näher rückt, desto schwerer wird es, Sponsoren an Land zu ziehen.

Nach einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann (Grüne) teilte die Staatskanzlei nun mit, Sponsoren hätten bisher 23,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - 20 Millionen davon als Geldmittel, 3,4 Millionen als „kostenreduzierende Sachleistungen“. Weitere 2,7 Millionen seien zwischenzeitlich gesichert worden, sagt Jochen Färber, Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. Macht zusammen 26,1 Millionen. Damit fehlen noch 6,9 Millionen Euro Sponsorengelder.

Zwar beteuern die Verantwortlichen bei der Bewerbungsgesellschaft und in der Staatskanzlei, dass man alles tun werde, die Lücke mit Sponsorengeldern zu schließen. Dass sie das auch schaffen, ist so sicher nicht. Denn schon einmal mussten die Gesellschafter - die Stadt München, der Freistaat, die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land - mit einem Darlehen über insgesamt 2,7 Millionen aushelfen. Eines ist klar: Wenn die noch offenen 4,2 Millionen Euro nicht von Sponsoren kommen, muss der Steuerzahler noch mal ran. Der Freistaat habe dafür im Doppelhaushalt 2011/2012 bereits Vorsorge getroffen, heißt es aus der Staatskanzlei. Schlimmstenfalls kämen auf den Freistaat weitere rund 770 000 Euro zu, auf die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen 685 000 Euro. Den größten Batzen hätte indes die Bewerberstadt München mit etwa 2,57 Millionen Euro zu tragen.

„Das zeigt doch, dass die Unterstützung der Wirtschaft nicht so vorhanden ist“, sagt Grünen-Politiker Hartmann. Zumal gerade viele Sponsoren ja auch Unternehmen der öffentlichen Hand seien - etwa der Flughafen München oder Lotto Bayern. „Wenn der Zuschlag kommen sollte, dann wird es ein böses Erwachen geben“, glaubt Hartmann.

Ganz unbegründet ist die Warnung wohl nicht. Denn auch das Veranstaltungsbudget der Winterspiele 2018 baut - wie die Bewerbung - auf Sponsorengeldern auf. Knapp 500 Millionen Euro und damit rund ein Drittel des 1,48 Milliarden großen Etats sollen private Geldgeber zuschießen. Bekommt man die Summe nicht zusammen, müssten abermals die Steuerzahler ran - zusätzlich zu den bis zu 1,8 Milliarden Euro für olympiabedingte Investitionen.

Die jüngste Vergangenheit zeigte zumindest, dass es im Veranstaltungsbudget durchaus Lücken geben kann. Bei den Winterspielen 2006 in Turin musste die Stadt am Ende etwa 27 Millionen Euro drauflegen. Bei den Spielen in Vancouver im vergangenen Jahr legte die öffentliche Hand Zeitungsberichten zufolge sogar 140 Millionen Euro drauf - rund neun Prozent des gesamten Veranstaltungsbudgets. Verantwortlich gemacht wurden dafür große Kostensteigerungen - etwa bei der Sicherheit. Auch in München werde sich zeigen, dass das Budget nicht zu halten sei, wettert Olympia-Kritiker Hartmann. „Die Einnahmen wurden hier nach oben gerechnet, die Ausgaben nach unten.“

Bewerbungssprecher Färber will Befürchtungen, es könnte 2018 nicht genug Unterstützergeld von der Wirtschaft geben, indes nicht gelten lassen. „Die Bewerbung ist doch etwas anderes als die Durchführung“, sagt er. Habe München die Spiele erstmal, gebe es schon genügend Sponsoren.

Matthias Kristlbauer

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