„Staatlich subventionierte Körperverletzung“

München - Bürgerinitiative sammelt mehr als 9000 Unterschriften gegen den Ausbau der Schießanlage „Unterdill“ in Forstenried.

Der Widerstand gegen den Umbau der Schießanlage „Unterdill“ im Süden Forstenrieds wächst. Mehr als 9000 Unterschriften gegen den geplanten Ausbau hat die Bürgerinitiative „Forstenrieder Park ohne Schießanlage“ bisher gesammelt. Mit dem Widerstand wächst der Zorn auf den Schützenverein Hubertus, der den Ausbau trotzdem durchziehen will (wir berichteten).

Die Schützen hatten lange im Stillen geplant, bis die Bezirksausschussmitglieder Jürgen Gerhards und Monika Reim in der SPD-Stadtteilzeitung vor dem „Monster im Forstenrieder Park“ warnten. Seitdem ist der Ärger groß. Inzwischen haben sich auch Stadträte und Landtagsabgeordnete zum Thema geäußert. Dass der Verein Hubertus nun ein formelles Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung anstrebt, verbessert die Stimmung nur unwesentlich.

Zwar werden damit alle Planungsunterlagen zugänglich und die Bürger bekommen ein Informations- und Einspruchsrecht. An der ablehnenden Haltung der Gegner wird das kaum etwas ändern. Die Bürgerinitiative hat derweil einen Anwalt eingeschaltet. „Wir werden die Pläne genau prüfen lassen“, sagte der Vorsitzende Heinz Kuhnert.

Die SPD im zuständigen Bezirksausschuss wertet das neue Verfahren als Erfolg. Allerdings bleibe abzuwarten, ob die Schützen nicht trotz überarbeiteter Pläne „erneut versuchen, im Bannwald Forstenrieder Park eine wesentliche Ausweitung des Schießbetriebes durchzusetzen“.

Genau das befürchtet die Bürgerinitiative. Die Mitglieder sind überzeugt, dass nach dem Umbau mindestens von Montag bis Samstag geschossen wird. Der geplante Wall werde den Lärm nicht komplett abschirmen, vermutet Initiativen-Sprecher Jürgen Schneider. Hinzu komme, dass der außerhalb liegende Bereich für Großkaliberwaffen nur eine Lärmschutzwand erhalte. Dort seien die Schüsse aber so laut, dass eine Einhausung nötig wäre.

Die Initiative befürchtet zudem, dass der geplante, bis zu 20 Meter hohe Wall mit Erde aufgeschüttet wird, die durch Bleimunition verseucht ist. „Eine Giftmülldeponie genau vor unserer Haustür“, urteilt Kuhnert. Außerdem kritisiert er: „Der 1973 zwischen Freistaat, Landeshauptstadt, dem Verein und den Anwohnern geschlossene gerichtliche Vergleich, der die Schießzeiten regelt, wird durch den Verein eiskalt aufgekündigt.“ Unverständlich sei auch, dass die Anlage in einer Machbarkeitsstudie als „Schwerpunktschießanlage“ eingestuft wurde. Dabei sei außer Acht gelassen worden, dass die Schießstätte nur 150 Meter von einem Wohngebiet entfernt liegt – einmalig in Deutschland. Auch die CSU im Bezirksausschuss hat sich inzwischen gegen die Errichtung einer „Schwerpunktschießanlage und damit die Ausbaupläne in der bislang beantragten Form“ ausgesprochen.

Nach Ansicht der Mitglieder ist zudem fraglich, ob der geplante Umbau als priviligiertes Bauvorhaben einzustufen ist. „Dieses unzeitgemäße Projekt kommt einer staatlich subventionierten Körperverletzung gleich“, sagte Initiativen-Mitglied Dieter Schöne.

Die Schützen halten alle Befürchtungen der Bürger indes für unbegründet. Hinter dem neuen Lärmschutzwall seien die Schüsse kaum mehr zu hören, argumentiert man beim Verein.

Brigitta Wenninger

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