Hexenkessel am Fuß des Olympiabergs: Eine große Tribüne soll die Stimmung an der Piste verbessern. foto: Olympiapark

Stadion-Atmosphäre beim Ski-Weltcup

München - Eine große Zuschauertribüne und ein eigenes Schneereservoir in den Alpen: Gründlicher als je zuvor bereitet sich der Olympiapark auf das Sportereignis an Neujahr vor.

Dem ehemaligen alpinen Renndirektor Hans Pieren aus der Schweiz ist ein sehr weiser Satz zu verdanken: „Ohne Schnee ist alles nichts.“ Die Olympiapark München GmbH will dem meteorologischen Zufall dieses Mal nichts überlassen: Ein kleines Seitental nahe Reit im Winkl dient als Rettungsanker. Dort haben sich die Organisatoren des Ski-Weltcuprennens am Olympiaberg vorsorglich eine Fläche für ein Schneedepot reservieren lassen, um kurzfristig die Piste präparieren zu können. Olympiapark-Geschäftsführer Arno Hartung bezeichnete das Reservoir bei einer Pressekonferenz als „Ultima Ratio“ für den Fall, dass die Witterung bis zur Jahreswende dauerhaft zu warm bleiben sollte. Aber gut, die Wahrscheinlichkeit einer Absage ist gemessen an den Erfahrungen der vergangenen vier Jahre Fifty-Fifty: Am Neujahrstag 2012 und 2014 fanden die Rennen wegen Schneemangels nicht statt, 2011 und 2013 verfolgten dafür insgesamt 42 000 Zuschauer die flotten Carving-Schwünge der Skistars.

Am 1. Januar 2015 (Beginn: 17 Uhr) soll alles noch spektakulärer - und das Risiko einer Absage eben minimiert werden. Organisationschef Frank Seipp betonte: „Es gibt nicht viele Szenarien, auf die wir keine Antwort hätten.“ Das schneesichere Reservoir bei Reit im Winkl ist die eine Antwort, die andere Art der Vorsorge sind noch mehr Schneekanonen entlang der 200 Meter langen Piste am Olympiaberg. Laut Seipp startet die maschinelle Schneeversorgung am 18. November, vorausgesetzt in den Nachtstunden herrschen Minustemperaturen. Sollte der Schnee auf natürliche Art und Weise bis zur Jahreswende fallen, umso besser.

Damit die Atmosphäre für die Zuschauer noch prickelnder wird, errichtet die Olympiapark GmbH im Zielbereich - dem leeren Becken des ausgelassenen Olympiasees - erstmals eine Tribüne für 5500 Zuschauer. Inklusive Stehplätzen sollen knapp 20 000 Menschen Platz finden. Der Vorverkauf läuft seit Donnerstag. Seipp verheißt einen „Hexenkessel mit Stadion-Atmosphäre“. Schon in den Jahren 2011 und 2013 herrschte Gänsehaut-Stimmung bei diesem Flutlicht-Rennen. Hartung zufolge sind die zusätzlichen Investitionen wie Schneedepot und Zuschauertribüne durch das Geld von Sponsoren gedeckt. In den Jahren 2011 und 2013 habe die Veranstaltung ein Plus gebracht, gegen die Absagen von 2012 und 2014 sei man versichert gewesen. Der Etat beläuft sich laut Hartung auf knapp eine Million Euro.

Für die Weltcup-Stars um Felix Neureuther ist der City-Event in München eine willkommene Abwechslung. Neureuther gewann das letzte Rennen am 1. Januar 2013. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen treten die jeweils 16 Bestplatzierten des Gesamt-Weltcup im K.o-System gegeneinander an. Der Parallelslalom ist sozusagen der Sprint-Wettbewerb der alpinen Skifahrer. Und selten gibt es eine derart große Kulisse wie bei den City-Events - höchstens bei den Rennen im Ski-Mekka Kitzbühel. Der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), Franz Steinle, hob daher das „Alleinstellungsmerkmal“ hervor. „Es ist eine einmalige Werbung für den Skisport und wir haben wahnsinnig gute TV-Quoten.“ Die Athleten würden immer wieder den sportlichen Wert der Veranstaltung betonen - „als gelungene Ergänzung zum Weltcup in den Bergen“.

Die Einmaligkeit ist wörtlich zu nehmen: München ist der einzige City-Event im gesamten Weltcup-Terminkalender 2014/2015. Die Olympiapark GmbH versucht unterdessen eines ihrer medialen „Leuchtturm-Projekte“, wie es Sprecher Tobias Kohler bezeichnete, in München zu halten. Der Vertrag mit der FIS läuft zwar 2015 aus, doch Hartung zufolge hat der internationale Skiverband bereits signalisiert, das City-Event auch künftig in den Weltcup-Kalender integrieren zu wollen. Hartung sprach von einer Verlängerung von drei bis fünf Jahren. Er hoffe, dass der Aufsichtsrat der Olympiapark GmbH bei der Sitzung am 4. Dezember seine Zustimmung erteile. klaus vick

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