Picknick an der Isar. Was mit den Flaschen und Verpackungen passiert, wird mit der Menge der alkoholischen Getränke unwichtiger. Besonders viel Müll liegt immer da, wo viele Menschen hinkommen – wie an der Reichenbachbrücke. Foto: bod

Stadt klagt über Party-Müll

München - Je wärmer die Tage, desto mehr Münchner verbringen ihre Zeit in Parks und an der Isar. Übrig bleibt tonnenweise Müll. Thomas Köster, Chef des Englischen Gartens, denkt über neue Lösungen für die Beseitigung nach.

Gerade einmal 20 Meter ist Franz Klein aus dem Verwaltungsgebäude im Englischen Garten herausgefahren, da öffnet er das erste Mal die Fahrzeugtür. „Mit heim nehmen die nix“, sagt er, hebt ein Papier auf und wirft es in die Müllkiste hinter der Fahrerkabine. Wie jeden Morgen um 7.10 Uhr fährt Klein seine erste Runde. Jogger laufen vorbei, Flaschensammler ziehen mit Beuteln über die Wiesen. Dort liegen vereinzelt Chipspackungen, Plastikbecher und Flaschen. „Das sieht nicht viel aus“, sagt Klein. Seit 20 Jahren räumt er mit drei Kollegen im Englischen Garten auf. Heute ist einer der besseren Tage.

Allein 2009 kamen 114 Tonnen Müll zusammen. Im Jahr 2000 waren es nur 80 Tonnen, die sich auf knapp vier Quadratkilometern Park ansammelten. Über 16 000 Euro betrugen die Müllgebühren 2010, Jahr für Jahr wird der Abfall mehr. „Und das muss alles von Hand eingesammelt werden“, gibt Thomas Köster, Chef des Englischen Gartens, zu bedenken.

Ein besonders schwieriger Ort: der Hofgarten. Am angrenzenden Odeonsplatz sind gleich zwei Kaffee-Ketten. „Mit fünf großen Bechern ist ein Mülleimer voll“, erklärt Parkchef Köster. Häufiger als früher werden Essen und Getränke in Einwegverpackungen mitgenommen. „Der meiste Müll kommt von außerhalb des Parks. In den Lokalen auf dem Gelände wird wenig Mitnehmware verkauft.“ Zum Teil lassen sich die Besucher die Pizza sogar an den Eisbach liefern.

Auch die Zahl der Besucher ist gestiegen. Fünf Millionen Menschen kommen im Jahr, schätzt Köster. Viele gehen zwar in die Biergärten im Park. Doch jene, die die Wiese nutzen, seien nicht mehr so ordnungsbewusst, glaubt Aufräumer Klein. „Die Leute wollen nicht weit laufen“, sagt er, als er auf der Eisbachwiese mit seiner Zange drei Sektflaschen in seinen Plastikeimer hievt - keine 20 Meter vom Mülleimer entfernt. Er hat auch schon Leute ermahnt, Dinge in den Müll zu werfen. „,Ich finanziere euch mit meinen Steuergeldern’, habe ich da gehört.“ Dazu kommt: Tüten für Hundekot werden häufiger als früher genutzt und füllen ebenfalls die Mülleimer. „Manche bringen sogar den Abfall von daheim mit“, erzählt Klein.

Auch an der Isar steigen die Müllmengen. 3,5 bis 4,5 Tonnen fallen an einem warmen Wochenende an. Pro Jahr gibt das Baureferat bis zu 120 000 Euro für die Reinigung aus. Vor allem, wenn es nach einer kühleren Zeit warm wird, steigen die Mengen. Eine „Katastrophe“ ist laut Köster auch die Zeit vor den Sommerferien, wenn in der Schule nicht mehr viel los ist.

Laut Klein und Köster lassen generell vor allem junge Menschen mit hohem Alkoholpegel ihren Müll liegen. „Es ist angesagt, im Park oder an der Isar zu feiern“, sagt Köster. Die Jugendlichen haben seiner Meinung nach mangelndes Verantwortungsbewusstsein und relativ viel Geld: Wodkaflaschen und Einweggrills sind Standardfundstücke. Besonders entsetzt den Parkchef, dass Münchner und nicht Touristen die Grünanlagen vermüllen. „Das ist doch euer Park, warum denkt ihr darüber nicht nach?“, fragt er.

Um einen Anreiz für das Entsorgen zu bieten, wurden an der Isar und im Englischen Garten mehr und größere Behälter aufgestellt. Vor drei Jahren hatte Köster zur Demonstration bereits einmal den Müll liegen lassen - und mit Bußgeldern bedroht. Die könnten jedoch frühestens 2012 erhoben werden, falls eine neue Parkverordnung inkrafttritt.

Langfristig schwebt Köster eine andere Lösung vor: die Zusammenarbeit mit umliegenden Unternehmen. Jene Firmen in der Leopold- und Ludwigstraße, die Mitnahmeprodukte verkaufen, finanzieren einen Elektro-Lkw, der demnächst zur Entsorgung eingesetzt werden soll. Eine Kaffee-Kette bezahlt zudem eine 400-Euro-Kraft. Solche Wege will Köster weitergehen, „sonst schaffen wir das bald nicht mehr“.

Bis es soweit ist, dreht Franz Klein seine Runden. Ihn regt der Müll nicht auf. Er wird erst wütend, wenn der Pappbecher noch in Fetzen gerissen wird, bevor er im Gras landet. „Da sollen sie’s lieber liegen lassen.“

Lea Hampel

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