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„Es trifft sozial Schwache:“ Peter Köhl, Chef des Taxi Centers Ostbahnhof, hat nach Einführung des Mindestlohns bereits sieben Mitarbeiter entlassen müssen. Er plädiert vehement für eine Erhöhung der Taxipreise.

Unmut in der Branche

Stadt lehnt höhere Taxipreise ab

München - Fahrgäste dürfen aufatmen, der Taxiverband München hat hingegen sein Ziel nicht erreicht: Die städtische Taxikommission hat am Montag eine Erhöhung der Tarife abgelehnt.

Nun könnte nach Meinung von Florian Bachmann, geschäftsführender Vorstand des Taxiverbandes München, eine Entlassungswelle bevorstehen. „Mehrwagenbetriebe werden mit Sicherheit unter der Entscheidung leiden“, glaubt Bachmann. Er prognostiziert Stellenstreichungen in einer Größenordnung von etwa 20 Prozent. Bachmanns Verband vertritt traditionell jene Taxiunternehmer, die mehrere Wagen haben und mehrere Fahrer beschäftigen. In diesen Betrieben gibt es Mitarbeiter, die den seit 1. Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro nicht erwirtschaften können.

Dies bestätigt Peter Köhl, Geschäftsführer des Taxi Center Ostbahnhof. Er beschäftigt 150 Fahrer und habe bereits sieben Beschäftigte entlassen müssen. Betroffen seien vor allem sozial Schwache. Ältere Menschen, die ihre Rente aufbessern wollten und den Stress nicht mehr verkraften könnten. Nach Auffassung von Köhl bräuchte es sogar eine Preiserhöhung von etwa 20 Prozent. Auch andere Städte hätten in diesem Maße erhöht. Der Taxiunternehmer erwägt nun auch, seinen Fuhrpark von 52 auf 45 Wagen zu reduzieren.

Anders beurteilen die Einzelunternehmer die Lage, die etwa die Hälfte der 3400 Münchner Taxikonzessionäre darstellen. Die meisten dieser Fahrer erzielen schon jetzt den Mindestlohn. Frank Kuhle vom Vorstand der Taxigenossenschaft München, die hauptsächlich Einzelunternehmer vertritt, hält die Entscheidung der Taxikommission daher für richtig. „Eine Anhebung der Tarife wäre ein Bärendienst gewesen“, sagt er. Kuhle befürchtet, dass Kunden ausbleiben könnten. Zudem gelte es, die Auswirkungen des Mindestlohns im Laufe des Jahres abzuwarten. „Wir haben gerade mal einen Abrechnungsmonat, und der Januar ist traditionell der schlechteste Monat.“

Die Taxikommission wird nun erst im Herbst bei ihrer nächsten Sitzung über eine mögliche Tariferhöhung befinden. Falls überhaupt, dürfte diese aber moderater als die vom Taxiverband geforderten zwölf Prozent ausfallen. Dies jedenfalls kündigt CSU-Stadtrat Alexander Dietrich, der neue Vorsitzende der Taxikommission, an. Das Gremium besteht aus zehn Stadträten und dem Chef des Kreisverwaltungsreferats (KVR), Wilfried Blume-Beyerle. Letzterer ist allerdings nicht stimmberechtigt. Für die Preiserhöhung stimmte am Montag nur ein einziger Stadtrat. Dietrich erinnerte daran, dass die Tarife schon zum 1. Dezember 2013 um 6,8 Prozent erhöht worden seien. Es gebe keinen Anlass, so zeitnah wieder zu erhöhen. München habe ohnehin im bundesweiten Durchschnitt relativ hohe Tarife. Der Grundpreis von 3,50 Euro ist nur in Düsseldorf höher.

Als Grundlage für die Sitzung im Herbst dient ein verkehrswirtschaftliches Gutachten. „Wir wollen uns in Ruhe anschauen, wie sich die Preiserhöhung von Dezember 2013 ausgewirkt hat, um eine gesicherte Basis für unsere Entscheidung zu haben“, sagt Christian Vorländer (SPD), stellvertretender Vorsitzender der Taxikommission. Zu einem – wenn auch wenig überraschenden – Ergebnis ist das Gutachten bereits gekommen: In München sind zu viele Taxis unterwegs. Die Rede ist von 300 bis 400. Wie das KVR diesem Umstand begegnen will, ist ebenfalls eine Hausaufgabe bis zum Herbst. Florian Bachmann und Peter Köhl sind im Übrigen mit dem Verlauf der Taxikommissionssitzung nicht ganz unzufrieden. Das KVR habe den Auftrag erhalten, möglichst rasch ein Konzept vorzulegen, so Bachmann. „Es ist Bewegung in die Sache gekommen.“ Er habe durchaus Hoffnung, dass es zu einem Kompromiss bei der Frage einer Erhöhung der Taxipreise kommen könnte.

Von Klaus Vick

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