Wann muss ein Maulkorb an den Hund? Die Regeln für die Hundehaltung stehen auf dem Prüfstand. Foto: dpa
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Wann muss ein Maulkorb an den Hund? Die Regeln für die Hundehaltung stehen auf dem Prüfstand.

Neue Vorschriften für Hundehalter?

Stadt prüft Leinenpflicht für Hunde

München - Erst wurde ein zweijähriges Mädchen in Harlaching von einem Hund ins Gesicht gebissen und schwer verletzt. Wenig später attackierte ein aggressiver Hund einen Jogger im Englischen Garten. Bald könnten neue Vorschriften für Hundehalter gelten.

330 Vorfälle mit Hunden wurden 2011 beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) registriert - bei 31 000 gemeldeten Vierbeinern in der Stadt. In 80 Fällen wurde Hundehaltern eine Leinenpflicht, ein Maulkorbzwang oder ein Kontaktverbot, etwa mit Kindern, auferlegt. Im Jahr 2012 sei „die Anzahl der Vorfälle und Bescheide gestiegen“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel.

Nun kommt politisch Bewegung in die Debatte um mehr Sicherheit vor Hundeattacken. Die SPD im Stadtrat will alle Möglichkeiten prüfen lassen - vom Leinenzwang über den Pflicht-Hundeführerschein für Hundehalter bis hin zur Kennzeichnungspflicht für Hunde, die auffällig geworden sind. Auch, wann eine Maulkorbpflicht ausgesprochen werden kann, soll dargestellt werden.

Hinter dem Antrag, den die Sozialdemokraten am Dienstag einreichten, steht federführend Stadtrat Michael Leonhart. „Die meisten Hundebesitzer gehen verantwortungsbewusst mit ihren Hunden um, aber einige sind dazu nicht in der Lage“, sagt er.

Die Stadt solle darlegen, ob es rechtlich möglich ist, eine generelle Leinenpflicht auszusprechen, fordert Leonhart. „Auch, wenn ich fürchte, dass das schwer umzusetzen ist.“ Zudem habe der Fall des angeleinten Labradormischlings, der die Zweijährige in Harlaching ins Gesicht biss, gezeigt, dass eine Leinenpflicht allein nicht vor Attacken schütze.

In München gilt bisher eine Vielzahl von Einzelverordnungen, die regeln, wo Hunde wann frei laufen dürfen. Kampfhunde und aggressive Tiere müssen angeleint werden. Für alle Hunde gesperrt sind etwa Kinderspielplätze, Biotope sowie Spiel- und Liegewiesen. Zudem gibt es eine Leinenpflicht in einigen städtischen Parks, etwa im Westpark. Überprüft wird die Einhaltung von der Grünanlagenaufsicht, die von privaten Sicherheitsdiensten unterstützt wird. In den staatlichen Gärten, allen voran dem Englischen Garten und dem Nymphenburger Schlosspark, sind Hundeleinen ebenfalls Pflicht - auch wenn sich viele Hundebesitzer nicht daran halten.

Wo Leinenpflicht herrscht, darüber müssten Herrchen und Frauchen künftig besser informiert werden - und über wichtige Grundsätze der Hundehaltung ebenfalls, fordert SPD-Mann Leonhart weiter.

Welche Hunde wo an die Leine müssen, dazu geben Bund und Freistaat nur einen Rahmen vor. So müssen etwa laut Straßenverkehrsordnung Hunde an stark befahrenen Straßen an die Leine. Wer ein „bösartiges“ Tier nicht anleint, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Für alles weitere sind Städte und Gemeinden zuständig.

Anders als in München haben viele Umlandgemeinden bereits den Leinenzwang verfügt - etwa Garching, Sauerlach, Gilching sowie der Landkreis Starnberg. Das ist „zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder die öffentliche Reinlichkeit“ laut Landesstraf- und Verordnungsrecht möglich, jedoch nur für Kampfhunde und große Hunde ab 50 Zentimeter Schulterhöhe. Kleine Hunde dürfen generell nicht an die Leine gezwungen werden.

Das KVR habe sich in den vergangenen Monaten systematisch mit dem Thema auseinandergesetzt, mit anderen Kommunen ausgetauscht, Hundesachverständige und Tierverbände befragt, sagt Sprecherin Daniela Schlegel. „Unter anderem wird geprüft, ob eine Leinenpflicht infrage kommt.“ Im Frühjahr 2013 werde KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle dem Stadtrat einen Vorschlag für neue Regeln bei der Hundehaltung unterbreiten. Schlegel: „Er wird dem Tierschutz und dem Schutz der Bevölkerung Rechnung tragen.“

Caroline Wörmann

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