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Modulbauweise: Schnell und günstig sollen Häuser wie diese überall in München entstehen.

Neubauten und Mieterschutz

Stadt pumpt Geld in bezahlbaren Wohnraum

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München - Tausende neue Wohnungen sollen so schnell wie möglich entstehen – und es wird auch Altbestand aufgekauft, um die Mieter zu schützen.

3000 neue Wohnungen alleine für Wohnungslose, deutlich mehr Neubau in der ganzen Stadt, mehr Personal im Personalreferat – und Wohnungen, die die Stadt zusätzlich kauft: Man darf ambitioniert nennen, was der Stadtrat gestern in der Wohnungspolitik beschlossen hat. SPD-Stadtrat Christian Amlong nannte es den „großen Wurf“, OB Dieter Reiter, ebenfalls SPD, einen „besonderen Tag“. Andere warnten vor Euphorie – aber fast der ganze Stadtrat trägt die Wohnungs-Offensive mit.

Bezahlbare Wohnungen für alle

Wie berichtet, sollen in den nächsten drei Jahren je 1000 Wohnungen für Wohnungslose entstehen. Besonders groß wird der Druck für die Stadt bei den Sozialwohnungen, weil nun auch anerkannte Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden müssen. Sozialreferentin Brigitte Meier, SPD, widersprach gestern aber dem Eindruck, nun werde in großem Stil insbesondere für Flüchtlinge gebaut und die Münchner Bedürftigen blieben dabei auf der Strecke. „Ein Flüchtling muss sich genauso hinten anstellen wie jeder andere auch“, sagte sie. Vorgezogen werde man wie andere Bewerber auch nur wegen Dringlichkeit – etwa Familien oder in einem Krankheitsfall.

Reiter ist es wichtig, zu betonen, dass jetzt vor allem schnell bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll – „für alle“, also auch für Berufsgruppen, die sich schwer auf dem Wohnungsmarkt tun. Es dürfe „keinerlei Denkverbote“ geben, sagt er. Vorgesehen sind nun Häuser in Modulbauweise und mit etwas einfacherem Standard als sonst üblich – aber auch die Überbauung von Parkplätzen, wie am Dantebad geplant. „Ich bin überzeugt, dass das die ein oder andere Kritik auslösen wird“, sagte Reiter. „Aber wer kritisiert, der soll auch Alternativen aufzeigen. Wir können es uns bei dem Zuzugsdruck einfach nicht länger leisten, zu warten.“

Der Opposition ist das noch zu wenig

Auch die Opposition stimmte in weiten Teilen für Reiters Wohnungspolitik – auch wenn die Grünen sie als zu ängstlich kritisierten. 8500 Wohnungen sollen neben den 1000 künftig pro Jahr gebaut werden. Das sei aber doch erstmal nur eine Zahl, sagte Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel. „Wie am Schluss die Realität aussieht, ist doch etwas Anderes.“ Ein großer Wurf, sagte sie, das wäre etwas anderes gewesen – etwa ein höherer Anteil von Sozialwohnungen, ein Beschluss, gar keine städtischen Flächen mehr zum Marktpreis zu verkaufen – oder das Bauen auf statt nur über Parkplätzen. Alfa-Stadtrat Andre Wächter wunderte sich, wo plötzlich überall in der Stadt freie Flächen herkommen. „Warum sind diese Grundstücke denn noch nicht bebaut?“, rief er. „Jetzt werden Versäumnisse von Rot-Grün im Ad-Hoc-Verfahren aufgearbeitet!“ FPD-Stadtrat Michael Mattar kritisierte die „riesigen Subventionen“, die in den „ineffizienten geförderten Wohnungsbau“ flössen.

Festhalten am Mieterschutz

Neben den geförderten Wohnungen und dem Versuch, Investoren auf dem freien Markt zum Bau von Mietswohnungen zu animieren, will die Stadt auch weiter die Mieter in den bestehenden Wohnungen schützen. Am Mittwoch beschloss der Stadtrat, ein Wohnquartier mit 231 Einheiten im Hohenzollernkarree an der Clemensstraße (Schwabing) und ein kleineres Gebäude mit elf Wohnungen an der Gollierstraße im Westend zu kaufen. Nach Informationen unserer Zeitung nimmt die Stadt dafür deutlich mehr als 60 Millionen Euro in die Hand. Den Mietern schenkt sie dafür Sicherheit. Ihr neuer Vermieter ist die städtische Wohnungsgesellschaft GWG. Luxussanierungen: ausgeschlossen.

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