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Stadt bekämpft Schwulenfeindlichkeit

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Von: Felix Müller

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Für Gleichstellung: Thomas Niederbühl (links) mit OB Dieter Reiter, Bürgermeister Josef Schmid und einem CSD-Teilnehmer. © Westermann

München - Zehntausende homosexuelle Jugendliche gibt es nach Einschätzung der Stadt in München. Sie seien besonders oft von Ablehnung betroffen. Ein toleranteres Klima soll durch neue Maßnahmen entstehen. Sinnlos - findet die AfD.

Thomas Niederbühl ist ziemlich zufrieden mit seinem München. Gerne schwärmt der Stadtrat der schwul-lesbischen „Rosa Liste“ von der toleranten Stadtgesellschaft. Doch wenn Niederbühl auf die Zustände zu sprechen kommt, mit denen viele schwul-lesbische Jugendliche konfrontiert sind, wird er sehr, sehr ernst. „Es ist schon erschreckend, dass sie es immer noch genauso schwer haben wie ich vor 35 Jahren“, sagt er.

Seine These wird gestützt durch Zahlen aus dem Jahr 2011. In einer Studie gaben damals 90 Prozent der Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe an, dass sie ein Coming Out für homosexuelle Jugendliche immer noch als „sehr schwierig“ einschätzen. An Schulen oder Jugendtreffs sei das soziale Klima für schwule und lesbische Jugendliche und junge Transgender „unfreundlich“ (90,1 Prozent). Jetzt reagiert die Stadt auf solche Erkenntnisse: So werden insgesamt vier Halbtagsstellen neu geschaffen – etwa beim Lesbentelefon oder dem Schwulen Beratungszentrum. Das Thema gleichgeschlechtliche Lebensweisen solle „in allen Bereichen der Angebote für Kinder und Jugendliche verankert werden“, heißt es in einem Stadtrats-Beschluss. Ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Situation an den Schulen soll erarbeitet werden. Insbesondere setzt die Stadt aber auf Kampagnen für Toleranz – auch für das Glockenbachviertel. Dass sich das Nachtleben hier immer mehr an Heterosexuelle richtet, hat das Konfliktpotenzial offenbar deutlich erhöht. Größtenteils handele es sich bei dem nächtlichen Publikum um junge Leute, die „bislang keinerlei Berührungspunkte mit gleichgeschlechtlichen Lebensweisen hatten“, heißt es von der Stadt. Beschwerden über schwulenfeindliche Übergriffe hätten zugenommen.

Niederbühl hofft, dass die Stadt dem jetzt noch besser entgegenwirken kann. „Es ist ein Super-Paket“, sagte er über die Maßnahmen. „Darum kann uns jede Stadt in Deutschland beneiden.“ Kritik kam von der Stadtrats-AfD. „Es ist nicht legitim, das Geld des Steuerzahlers zu verwenden, um ihn zu erziehen“, sagte Stadtrat Fritz Schmude. Ihm setzt die Stadt zu sehr auf Kampagnen. „Diskriminierungen lösen sich in einer freien Gesellschaft von selbst auf“, sagte er. „Wir brauchen dafür keine staatlichen Stellen.“ Niederbühl widerspricht. Der Ansatz der AfD gehe "an der ganzen Problemlage völlig vorbei", sagte er am Donnerstag.

Von Felix Müller

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