1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Stadt in Sorge: Landesbank verkauft 10.000 Wohnungen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Häuser der GBW AG an der Rosenheimer Straße: Der Bestand des Unternehmens als Tochter der Landesbank steht nun wegen der Finanzkrise zur Disposition. Foto: Marcus Schlaf

München - In München steht der größte Wohnungsverkauf seit der Transaktion der Neuen Heimat ins Haus. Jetzt geht es um 10 000 Wohnungen der GBW AG, einer Tochter der Bayerischen Landesbank. Besorgt hoffen der Mieterverein und OB Christian Ude (SPD), Schutzgarantien für die Mieter herauszuschlagen.

von Eberhard Geiger

Bayernweit geht es um 34 000 Wohnungen, die das Tochterunternehmen der Bayerischen Landesbank abgeben soll. Darauf bestehen die Regierungsmehrheit im Landtag und die EU. Wegen der Stützung der angeschlagenen Bank mit öffentlichen Geldern sollen die Beteiligungen abgestoßen werden, um den Wettbewerbsnachteil anderer Banken im Zaum zu halten.

Ude will die neue Spitze der Bank nicht attackieren, die das schwere Erbe angetreten hat. Er dringt vielmehr auf Zugeständnisse, die die Bewohner vor Vertreibung und deftigen Mieterhöhungen schützen sollen. Der Bund habe dies im Fall der Kristallsiedlung bereits vorgeführt.

Die GBW AG bewirtschaftet in München größtenteils preiswerte Objekte, von denen knapp zwei Drittel freifinanziert sind und dennoch maßvoll in den Mietforderungen seien. Allein das München-Paket für den Verkauf wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Es handelt sich um rund 10 000 Wohnungen. Die größte Übernahme in München war 1990 mit 14 700 Objekten erfolgt. Die Neue Heimat ging damals an den Unternehmer Alfons Doblinger.

Im Gespräch mit Ude habe LB-Chef Michael Kemmer erklärt, ihm liege daran, die Transaktion „sozialverträglich“ zu gestalten. Dies hat aber die Besorgnis weder bei Beatrix Zurek, der Vorsitzenden des Mietervereins München, noch beim OB zerstreut. Beide streben deshalb eine Vereinbarung an, die den Bewohnern ausreichend Schutz bieten soll:

-einen zehnjährigen Verzicht auf die Umwandlung in Eigentumswohnungen,

-lebenslanges Wohnrecht für die gegenwärtigen Mieter und

-maßvolle Mieterhöhungs-Möglichkeiten.

Vorläufig gilt das Wort von Banker Michael Kemmer, dass bis 2013 noch stillgehalten werde. Die Mieter haben damit die Möglichkeit, sich in Ruhe zu informieren.

Die gegenwärtigen Quadratmeter-Mieten bewegen sich sich um sieben Euro kalt, was deutlich unter dem Münchner Durchschnitt liegt. Bei Neuvermietungen in der Stadt werden heute bereits elf bis 13 Euro verlangt. In der Maxvorstadt etwa ziehen Neumieter gegenwärtig für etwa 13 Euro ein. Die GBW AG versorgt Bewohner im selben Stadtviertel noch mit Wohnraum für sieben Euro. Rendite-orientierte Käufer hätten damit reichlich Spielraum für Zuschläge. Nur ein gutes Drittel der Münchner GBW-Wohnungen ist öffentlich gefördert und damit massiven Preiserhöhungen entzogen.

Beatrix Zurek, die auch SPD-Stadträtin ist, rät Bewohnern, sich beizeiten beraten zu lassen – insbesondere vom Mieterverein, dem sie vorsteht. Mit einer Unterschriften-Aktion will der Verein beim Freistaat Druck machen, sich den Problemen der Mieter nicht zu verschließen und den Bewohnern doch eine Zukunft ohne Angst zu bescheren. Unterschriftsbögen gibt es beim Mieterverein, Sonnenstraße 10, oder bald auch im Internet www.mieterverein-muenchen.de.

Auch interessant

Kommentare