Wer wie Katharina ein Taxi mit Elektroantrieb fährt, wird von der Stadt künftig finanziell unterstützt. foto: haag

Förderprogramm wird angepasst

Stadt steckt Millionen in die E-Mobilität

München - Die Stadt verstärkt ihre Bemühungen bei der Förderung der Elektro-Mobilität. Künftig soll der Kauf von E-Lastenrädern für den Privatgebrauch bezuschusst werden. Zudem gibt die Stadt mehr Geld für Ladesäulen und zur Förderung von E-Taxen aus.

Es ist eines der ehrgeizigsten Programme im Bereich der E-Mobilität in Deutschland: das „Handlungsprogramm zur Förderung der Elektromobilität in München“, voriges Jahr vom Stadtrat verabschiedet. 30 Millionen Euro steckt die Kommune bis 2017 in das Programm. Das Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen 17 500 mit Strom angetriebene Kraftfahrzeuge in München unterwegs sein. Wichtigster Bestandteil des Programms ist der Aufbau einer öffentlichen Lade-Infrastruktur. Auch E-Autos bezuschusste die Stadt, allerdings nur bis zum Sommer. Da beschloss die Bundesregierung ihrerseits, die private Anschaffung von Elektroautos zu unterstützen. Da eine Doppelförderung verboten ist, beendete die Stadt die Bezuschussung. Dadurch wurden im Handlungsprogramm 11,6 Millionen Euro frei, die für die Förderung von E-Autos vorgesehen waren. Was mit dem Geld geschehen soll, entscheidet am Mittwoch der Stadtrat. Das Referat für Umwelt und Gesundheit schlägt vor, die Gelder auf die übrigen im Programm vorgesehenen Fördertöpfe umzuschichten. „Wir wollen damit in München die Verkehrswende hin zu sauberer und leiser E-Mobilität beschleunigen“, sagt Umweltreferentin Stephanie Jacobs. Wir zeigen, wohin das Geld fließen soll.

Kraftfahrzeuge

Den Kauf von Elektroautos darf die Stadt nicht mehr bezuschussen, den von Motorrädern und Rollern mit Elektroantrieb dagegen schon. Statt mit 500 Euro wie bisher soll der Kauf eines Zweirads mit maximal 1000 Euro unterstützt werden. Wer sich ein dreirädriges Fahrzeug (Trike) mit Stromantrieb kauft, soll sogar bis zu 3000 Euro erhalten. Für geförderte Fahrzeuge, auch Autos, die nachweislich mit Ökostrom geladen werden, überweist die Stadt einen Bonus in Höhe von bis zu 500 Euro.

Ladesäulen

Wer sich einen Schnellladepunkt für sein E-Auto baut, erhält statt 1500 nun 5000 Euro Zuschuss – egal ob in der Firma oder in der privaten Garage. Die bisherigen Fördersummen sind laut RGU als Kaufanreiz zu niedrig gewesen. Kein Wunder, kostet doch ein Schnellladepunkt bis zu 90 000 Euro.

Pedelecs

Elektrofahrräder bezuschusst die Stadt mit bis zu 500 Euro. Der Haken: Nur Unternehmen und Freiberufler sind zuschussberechtigt, nicht Privatleute. Dies gilt bisher auch für Lastenpedelecs, also Elektrofahrräder mit Ladefläche. Das RGU schlägt dem Stadtrat morgen vor, künftig auch Private beim Kauf mit bis zu 1000 Euro zu unterstützen. Dank der Transportkapazität von bis zu 300 Kilogramm stellen Lastenpedelecs für viele Wege sowohl im betrieblichen als auch im privaten Verkehr eine taugliche Alternative zum Auto dar, heißt es beim RGU. Im Rahmen des Programms „cycle-logistics.eu“ wurde errechnet, dass insgesamt 51 Prozent der motorisierten Gütertransporte in europäischen Städten auch per Lastenpedelec getätigt werden könnten. Unter den verlagerungsfähigen Fahrten stellen die privaten Einkaufswege das größte Potenzial dar.

Modellquartiere

Mobilität in der Stadt wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern. Vor dem Hintergrund der Probleme bei der Luftreinhaltung und der zunehmenden Staus sollten aus Sicht des RGU Fahrten mit konventionellen Autos mit Verbrennungsmotor reduziert werden. Wie Mobilität von morgen aussehen könnte, testet die Stadt gerade. Drei Modellquartiere gibt es: „City2Share“ am Innenstadtrand (Isarvorstadt und Untersendling), das von der EU geförderte Projekt „Smarter Together“ im Münchner Westen (Neuaubing/Westkreuz) und das Modellquartier im Münchner Norden mit dem Projekt „Eccentric“. Allen Projekten gemeinsam ist die Förderung der Elektromobilität mit unterschiedlichsten Angeboten an E-Fahrzeugen (E-Pkw, Pedelecs, Lasten-Pedelecs, E-Scooter). Die Bewohner teilen sich die Fahrzeuge. Ziel ist eine ressourcenschonende Mobilität. 1,5 Millionen Euro investiert die Stadt in die drei postfossilen Muster-Quartiere.

Taxiverkehr

Auf den Straßen Münchens sind aktuell 3400 Taxis unterwegs, die rund 190 Millionen Kilometer im Jahr fahren. Etwa 80 Prozent dieser Fahrten finden dabei im Innenstadtbereich statt. Der Großteil der Taxiflotte wird mit Fahrzeugen mit Dieselmotoren betrieben, welche in erheblichem Umfang Schadstoffe ausstoßen, insbesondere Stickstoffdioxid. Die Stadt sieht in der schrittweisen Elektrifizierung der Flotte eine große Chance, ihre Klimaschutzziele zu erreichen und die Luftqualität zu verbessern. Taxiunternehmen, die Fahrgäste rein elektrisch kutschieren, erhalten künftig eine Förderung von 20 Cent je Kilometer. Darüber hinaus sind Doppelkonzessionen möglich. Das bedeutet, dass ein Unternehmer auf einer Konzession ein Elektroauto und ein konventionelles Auto betreiben darf. Drei Schnellladesäulen für Taxen sollen zudem auf Kosten der Stadt gebaut werden. Wo, ist noch unklar. Die Stadt rechnet für die Förderung mit Kosten von zwei Millionen Euro. „Wenn der Stadtrat zustimmt, können wir in München mindestens 250 Erdumrundungen mit E-Taxis fördern, das sind 10 Millionen Kilometer“, sagt Umweltreferentin Stephanie Jacobs.

E-Busse

Schon heute fährt der ÖPNV in München zu 80 Prozent elektrisch. Ziel der Stadt ist es, bis zum Jahr 2020 mindestens die erste Buslinie mit batterieelektrisch betriebenen Bussen zu betreiben. Die Stadt stellt dafür vier Millionen Euro zur Verfügung.

Städtischer Fuhrpark

Die Stadt muss in den kommenden Jahren aus Altersgründen 250 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge aus ihrem Fuhrpark ersetzen. Das RGU will an ihrer Stelle Elektrofahrzeuge anschaffen. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro, sind bislang aber nur zum Teil bewilligt.

Laden & Parken

Einen großen Teil der im Handlungsprogramm frei gewordenen Mittel will die Stadt in den Bau von zusätzlichen Ladestationen stecken. Das aktuell zur Verfügung stehende Budget von 3,3 Millionen Euro für die Förderung von bis zu 100 Ladesäulen im öffentlichen Raum soll verdoppelt werden. Geplant sind weitere zehn Schnellladestationen und 33 normale Stationen. Diese sollen hauptsächlich an P&R-Anlagen entstehen.

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