Stadt verbietet Spiegel-Installation

München - Die Planer des Englischer-Garten-Tunnels haben eine spektakuläre Aktion am Odeonsplatz beantragt. Ein riesiger Spiegel soll eine Verkehrsschneise mitten durch die Altstadt simulieren. Die Stadt aber winkt ab wegen Sicherheitsbedenken.

Die Ludwigsstraße ist eine Stadtautobahn. Die Feldherrnhalle dem Erdboden gleich gemacht. An der Theatinerkirche vorbei rauscht auf mehreren Fahrspuren der Verkehr in Richtung Marienplatz. Eine breite Verkehrsschneise mitten durch die historische Altstadt?

Es ist nur eine Illusion, die das Schwabinger Architektenpaar Petra Lejeune und Herrmann Grub da plant. Eine Installation, die Kunstprojekt und Denkanstoß zugleich sein soll. Ein neun Meter hoher und 20 Meter breiter Spiegel soll vier Tage lang auf dem Odeonsplatz aufgestellt werden.

Lejeune und Grub sind auch die Köpfe hinter dem visionären Tunnelprojekt, das beide Teile des Englischen Gartens wiedervereinen soll. Mit der Installation „Spiegelverkehr(t)“ wollen sie die Diskussion über die Stadtbildzerstörung durch den Autoverkehr am Laufen halten. Das gigantische Spiegelspiel solle „die Münchner in gewisser Weise schockieren“, sagt Grub.

Einen Zusammenhang mit dem Tunnelprojekt, über das frühestens Anfang 2013 der Stadtrat entscheidet, sei gegeben, fügt Lejeune hinzu. Komme der Tunnel nicht, bekomme der Mittlere Ring wohl im Bereich des Englischen Gartens „eine oder zwei zusätzliche Fahrspuren“. Dann enstehe „eine Autobahn mitten durch den Park“.

Wo sie das Spiegel-Projekt auch vorgestellt hätten - im Planungs-, Kreisverwaltungs- und Kulturreferat, aber auch in den Stadtratsfraktionen - sei es auf Wohlwollen gestoßen, berichtet Grub. „Alle waren fasziniert von dem Plan.“ Auch Wolfgang Püschel (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel ist angetan von der „originellen Idee“. Im Viertel solle „ruhig mehr Kreatives passieren“.

Doch das Schreiben aus dem KVR machte den Plänen ein Ende: „. . .müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Aktion als nicht durchführbar einschätzen müssen“, heißt es darin. Das Projekt gefährde die Verkehrssicherheit.

Die Projektplaner wollen sich damit nicht abfinden. „Die Gründe sind wenig plausibel“, sagt Grub - und wird dabei unterstützt vom langjährigen verkehrs- und umweltpolitischen Sprecher des ADAC Südbayern, Nikolaus Dezasse. „Die Ablehnung ist fachlich gesehen absoluter Unsinn“, betont er.

Die Bedenken des KVR, der Spiegel reflektiere die Sonne, so dass Autofahrer geblendet werden, seien entkräftet, sagt Dezasse. Zu keiner Tages- oder Jahreszeit sei wegen der reinen Nordausrichtung der Verkehrsachse eine solche Sonneneinstrahlung möglich. „Dazu müsste die Sonne im Norden stehen und sehr flach“, sagt er. Der Münchner Filmproduzent Fritz Stoiber belegt das mit einer Simulation, die zeigt, dass es auch im Juni bei höchstem Sonnenstand nicht zu einem Blendeffekt kommt.

Nachts befürchtet die Ordnungsbehörde zudem, dass Verkehrsteilnehmer von den Autoscheinwerfern geblendet werden. „Wir verdecken die Spiegelfläche nachts mit Stoffbahnen“, sagt Grub. Dass sich Verkehrszeichen und Ampeln spiegeln und so Unfälle provozieren, sei ebenfalls ausgeschlossen. Im Spiegel würden lediglich zwei Einbahnstraßenschilder reflektiert. „Sinnvollerweise verbieten sie ja gerade die Einfahrt in den Bereich, der hinter dem Spiegel zu liegen scheint“, sagt Petra Lejeune. Zudem würde überall mit Schildern auf das Projekt hingewiesen. Und: Der Spiegel soll Tag und Nacht bewacht werden, so dass auch die vom KVR befürchteten Spielereien mit Laserpointern unterbunden werden können. Vögel wollen die Initiatoren davor bewahren, gegen die Spiegelfläche zu sausen. „Wir setzen Raubvogel-Aufkleber ein, die sind ein wirkungsvolles Mittel“, sagt Grub.

Das KVR bleibt bei seiner Sicht der Dinge. „Fakt ist, dass der Spiegel ein Riesending ist“, sagt Michael Demmler von der Verkehrsabteilung der Behörde. „Dass Autofahrer, Radler und Fußgänger auf dieser stark befahrenen Straße davon abgelenkt werden, steht außer Frage.“ Ein neuer Antrag würde natürlich geprüft, sagt er: „Aber die ganz große Gefahr bleibt: Die Ablenkung.“

Caroline Wörmann

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