Stadt will Wohnungen statt Büros

München - Während die Wohnungsmieten von Rekord zu Rekord eilen, stehen 1,3 Millionen Quadratmeter Büros leer. Die Stadt reagiert jetzt auf diesen Gegensatz: Sie will Flächen, die bisher für neue Büro- und Gewerbebauten vorgesehen waren, für neue Wohngebiete umwidmen.

„Vermehrte Anstrengungen“ im Wohnungsbau hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk angekündigt, um den steigenden Mieten entgegenzuwirken. Eine Idee, die ihr Planungsreferat in den nächsten Wochen dem Stadtrat unterbreiten will: Auf großen Brachflächen, die bisher insbesondere im Norden der Stadt für neue Büros vorgesehen waren, sollen Wohnungen entstehen. Konkret hat das Planungsreferat einen Teil des Geländes von „Knorr-Bremse“ an der Moosacher Straße sowie Flächen in der Parkstadt Schwabing im Auge.

Beim Bremsenhersteller Knorr will man sich noch nicht näher zu den Plänen äußern. Aber es gebe Gespräche mit der Stadt. Der Grundstückseigner selbst habe den Wandel angeregt, heißt es bei der Stadt.

Schon seit den 80er-Jahren ist immer wieder diskutiert worden, ob bestehende Büros nicht in Wohnungen umgewandelt werden könnten. „Das ist aber extrem schwierig“, sagt Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland, der Makler vertritt. Solche Umbauten seien besonders teuer. Beispielsweise müssten mehr Toiletten, zusätzliche Treppen und Balkone nachgerüstet werden. „Und es muss sich ja auch nach dem Umbau rechnen. Auf dem Markt konkurrieren Sie mit Immobilien, die von vornherein für eine Wohnnutzung gebaut wurden.“

Die Idee der Stadt ist deshalb nicht mehr, bestehende Büros zu Wohnungen umzufunktionieren, sondern auf Freiflächen anstelle der ursprünglichen Planung Wohnraum zu schaffen. „In größerem Umfang ist das in der Vergangenheit noch nie gemacht worden“, sagt Planungsreferats-Sprecher Marc Binder. Die Umwidmung ist unter den gegenwärtigen Bedingungen durchaus im Interesse vieler Grundeigner. „Der Wohnimmobilienmarkt läuft insgesamt besser“, sagt Stephan Kippe, „dort gibt es keine so starke Zyklen wie bei den Büros.“ Dort folgt auf eine hektische Bauphase häufig eine lange Zeit massiver Leerstände.

Der Wohnungsmarkt dagegen boomt, ein Ende der Nachfrage ist nicht abzusehen. Dieser Tage überschreitet die Einwohnerzahl der Stadt 1,4 Millionen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verwies gestern darauf, dass nicht nur die Zahl der Einwohner immer weiter steige, sondern auch ihr Platzbedarf. In den letzten 40 Jahren seien mehr als doppelt so viele Wohnungen dazugekommen wie Einwohner, sagt Ude. Dennoch reicht das Angebot nicht aus, um den Markt zu beruhigen. So wird der Wohnungsbau auch für Firmen interessant, die eigentlich auf Büros gesetzt haben.

Bauträger Argenta, der über die Flächen in der Parkstadt Schwabing verfügt, ist bereits dabei, die Wende zu vollziehen. Nördlich der Anni-Albers-Straße und östlich der Lyonel-Feininger-Straße könnten 250 Wohnungen entstehen. Bei „Knorr-Bremse“ sind es noch mehr.

Felix Müller

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