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„Menschlich enttäuscht“: David Kammerer, der ehemalige Graffiti-Beauftragte der Stadt, vor einem Bild des Künstlers „WON ABC“ an einem Gebäude der Stadtwerke am Elisabethplatz.

Nach nur fünf Monaten

Warum sich die Stadt von ihrem Graffiti-Beauftragten trennt

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München - Nach nur fünf Monaten verlässt der erste Graffiti-Beauftragte der Stadt seinen Posten. Er soll Stadträte beleidigt haben, er selbst ist "menschlich  enttäuscht". Was genau vorgefallen ist.

Es war ein Experiment, und es ist gescheitert: Die Stadt und ihr Graffiti- Beauftragter David Kammerer gehen nach nur fünfmonatiger Zusammenarbeit getrennte Wege. Kammerer hatte dem Vernehmen nach Stadträte beleidigt, so dass das Kulturreferat ihm den Abschied nahelegte. Kammerer sagt, er sei „menschlich enttäuscht“.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hätten Münchner CSU-Politiker Graffiti-Sprüher als Saubären oder Schmutzfinken bezeichnet. Die Zeiten haben sich geändert. Vergangenen Frühling verkündete Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) im Kulturausschuss, dass sein Referat eine Halbtagsstelle für einen eigenen Sachbearbeiter für Graffiti geschaffen habe. Der Münchner Künstler David Kammerer (49) bekam den Job. Er hatte sich unter dem Pseudonym „Cemnoz“ einen Namen in der Graffiti-Szene gemacht und bekam vom Referat ein Budget in Höhe von 80.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die CSU nahm damals keinen Anstoß daran, dass künftig mit öffentlichen Geldern dem (legalen) Graffiti-Sprühen in der Stadt Vorschub geleistet werden solle. Auch dem Rest des Stadtrats gefiel es, dass München als erste deutsche Großstadt einen eigenen Graffiti-Beauftragten beschäftigt. Das hat nicht mal das coole Berlin.

Hat er befreundete Künstler bevorzugt?

Kammerers Aufgabe war es, die Szene mit der Stadtverwaltung zu vernetzen, Veranstaltungen zu organisieren und legale Wände für Graffiti zu suchen und bereitzustellen. Fünf Monate hielten es der extrovertierte Künstler und das Kulturreferat miteinander aus. Dann wurde der Vertrag mit Kammerer aufgelöst. Grund dafür sei ein „Interessenskonflikt“ gewesen, so die offizielle Verlautbarung. Nach Merkur-Informationen war Kammerer gegenüber dem Stadtrat ausfällig geworden. Zudem habe er vor allem seine „Graffiti-Freunde“ gefördert, heißt es aus Rathaus-Kreisen. Der Bereich Street-Art, um den er sich ebenfalls laut Stellenprofil hätte kümmern sollen, sei von Kammerer bewusst vernachlässigt worden. Mit Sebastian Pohl, dem Chef des Street-Art-Vereins Positive Propaganda, lag Kammerer im Clinch. „Positive Propaganda ist nicht mehr vorgekommen“, so ein Stadtrat. Das konnte nicht gut gehen, denn Pohl ist der Liebling von Kulturbürgermeister Josef Schmid (CSU). Dieser pflegt einen engen Draht zu Positive Propaganda und hat ein Faible für die Projekte des Vereins.

Graffiti- und Street-Art-Szene vertragen sich nicht

So einigten sich das Kulturreferat und Kammerer darauf, die Zusammenarbeit während der Probezeit zu beenden. „Die Graffiti- und Street-Art-Szenen in der Stadt sind schwer gemeinsam zu behandeln, das haben wir leider zu spät bemerkt“, sagte Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der CSU, Mittwoch im Bildungsausschuss. Zwischen den Szenen gebe es „,massiven Streit“. „Einen Künstler, der Verwaltung kann, habe ich noch nie erlebt“, sagte Wolfgang Heubisch (FDP).

Kulturreferent Küppers sprach in Zusammenhang mit Kammerers Demission von einem „Rollenkonflikt“, der nicht aufzulösen gewesen sei. Kammerer habe eine gewisse Verbundenheit zu einem Teil der Szene. „Wir wollen als Referat aber in die Breite gehen“, so Küppers.

Kammerer sagte am Mittwoch auf Merkur-Anfrage, er habe niemanden persönlich „beleidigt“. Er sei erleichtert, „dieses Spiel“ verlassen zu haben. Der Blick hinter die Kulissen der Verwaltung habe ihn „als Mensch enttäuscht“. Er habe ein sehr klares Bild, was die die momentane „politische“ Bemühung um Street Art und Graffiti betreffe. Dies werde er aber nicht weiter erörtern.

Die Sachbearbeiter-Stelle David Kammerers hat das Kulturreferat indes nicht nachbesetzt – und hat dies auch nicht vor.

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