Stadtrat beendet Moscheeprojekt

München - Am Ende halfen auch verheißungsvolle Worte des türkischen Europaministers nichts: Der Stadtrat will nicht länger an dem Moscheeprojekt am Gotzinger Platz festhalten.

Einstimmig beschloss der Kommunalausschuss, vom Grundstücks-Kaufvertrag mit dem Sendlinger Moscheeverein Ditim zurückzutreten. Ditim fehlt es bei weitem an den nötigen Finanzmitteln für das Projekt, und so zeichnete sich ein Scheitern schon lange ab. In letzter Minute hatten Muslime allerdings noch einmal Hoffnung geschöpft: Der Europaminister der Türkei, Egemen Bagis, hatte gegenüber unserer Zeitung seine Unterstützung für das Projekt angekündigt – und finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt.

„Wir hätten gerne eine Moschee gehabt.“

Im Stadtrat ließ man sich davon jedoch nicht umstimmen. „Mit großem Bedauern“ habe man sich bei der SPD entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen, sagte SPD-Stadträtin Irene Schmitt. „Wir hätten gerne eine Moschee an dieser Stelle gehabt.“ Aber es gebe überhaupt kein Finanzierungskonzept. Zu den Versprechen von Minister Bagis sagte Schmitt: „Das hätte er sich früher überlegen können.“ Sie halte es nicht für realistisch, dass aus der Türkei noch Geld fließe. Gülseren Demirel (Grüne) stimmte zu: Die bloße Aussage eines türkischen Ministers genüge nicht, es fehle ein „ausgefeiltes Finanzierungskonzept“. Allerdings: Sollte in Kürze tatsächlich noch eine konkrete, belastbare Zusage aus der Türkei kommen, würden sich die Grünen neuen Gesprächen über eine Moschee sicher nicht verschließen. Wie berichtet, hatte auch OB Christian Ude diese theoretische Möglichkeit bereits angedeutet.

Anders die CSU: Sie stellt sich generell gegen das Projekt. „Es ist an der Zeit, dass dieses unrühmliche Kapitel beendet wird“, sagte Fraktionsvize Hans Podiuk. Er gehe davon aus, dass das seit 2004 laufende Verfahren um die Moschee den Steuerzahler bis zu eine Million Euro gekostet hat. Ditim-Chef Mehmet Curuk, zeigte sich bestürzt. „Das geht mit sehr zu Herzen.“ Er deutete aber auch Verständnis für die Haltung der Stadt an: „Wenn ich kein Geld habe, kann ich auch keine Hoffnung haben.“ Der Beschluss muss am 6. Oktober noch von der Vollversammlung bestätigt werden.

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