Eine außergewöhnliche Künstlerfamilie: Monika, Michael, Golo, Katia, Thomas, Elisabeth, Erika und Klaus Mann (v. l.) im Garten ihrer Villa. foto: archiv

Ausgestaltung und Ort noch unklar

Stadt entscheidet über Denkmal für die Familie Mann

München - Die Künstlerfamilie Mann, die bis zum Ausbruch des Nationalsozialismus in München gelebt und gewirkt hatte, erhält ein Denkmal. Das hat der Kulturausschuss beschlossen. Ort und Aussehen des Kunstwerks sollen durch eine Jury vorgeschlagen werden. Die Kosten liegen bei etwa 230.000 Euro.

Der Wunsch nach einer angemessenen Würdigung des Nobelpreisträgers Thomas Mann ist nicht neu. 1875 in Lübeck geboren, lebte Mann von 1914 bis 1933 mit seiner Familie in einer Villa an der Poschinger Straße im Herzogpark. Bereits im Jahre 2002 hatte der Stadtrat beschlossen, im Kulturreferat eine „Arbeitsgruppe Gedenktafel“ anzusiedeln. Nach Anträgen des Bezirksausschusses Bogenhausen und der CSU-Stadträte Marian Offman und Richard Quaas geht es nun an die Umsetzung.

Im Rahmen eines Kunstwettbewerbs soll die Gestaltung des Denkmals geklärt werden. Es gibt zwei favorisierte Standorte: Am Isarhochufer in Bogenhausen oder im Garten des frisch renovierten Hildebrandhauses, in dem derzeit eine Familie-Mann-Bibliothek eingerichtet wird. Aktuell befinden sich in München zum Gedenken an den Schriftsteller sechs Gedenktafeln, außerdem sind ein Gymnasium, eine Halle der Universität und eine Straße im Herzogpark nach ihm benannt.

Es geht ums Wirken der gesamten Familie

Eine Aufgabenstellung des Kunstwettbewerbs wird sein, das Wirken der gesamten Familie Mann im Denkmal zu berücksichtigen. Thomas Manns Kinder Klaus, Erika, Michael und Monika vertrauten der Monacensia ihre umfangreichen literarischen Hinterlassenschaften an. Dieses Vermächtnis stellt einen bedeutenden Teil des Bestandes der Monacensia an der Maria-Theresia-Straße dar, die in diesem Sommer wiedereröffnet wird. Inzwischen sind große Teile des Bestandes digitalisiert.

Thomas Manns Kinder Klaus, Erika, Golo, Monika, Elisabeth und Michael kamen alle in München zur Welt. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang die Familie ins Exil in die Schweiz. Die Villa an der Poschinger Straße wurde von den Nazis beschlagnahmt. 1938 ging Thomas Mann in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Von 1952 bis zu seinem Tode 1955 lebte er wieder in der Schweiz. Eine Rückkehr nach München hatte der Schriftsteller nach den Jahren im Exil ausgeschlossen.

Kunstwettbewerb geplant

Zu Frido Mann, dem Enkel des Literatur-Nobelpreisträgers, pflegt die Monacensia einen guten Kontakt. Er lebt seit einigen Jahren in München. „Ich glaube nicht, dass das Zufall ist. Ich spüre, dass ich hierhin gehöre“, bemerkte er vor einem halben Jahr in einem Gespräch mit dem „Spiegel“. Frido Mann unterstützt die Stadt darin, Thomas Manns Ehefrau Katia und ihre gemeinsamen Kinder bei der Debatte um ein Denkmal nicht zu ignorieren.

Als Vorbild bei der künstlerischen Gestaltung könnte laut Kulturreferat das „Oskar-Maria-Graf-Denkmal“ im Literaturhaus dienen. Als erster Schritt wird sich die Jury mit der thematischen Herausforderung und der Standortdiskussion beschäftigen. Danach gibt es einen Kunstwettbewerb oder Künstler werden direkt beauftragt.

Klaus Vick

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rathaus-CSU will Kristina Frank als Kommunalreferentin
Kristina Frank (CSU) soll neue Kommunalreferentin der Stadt werden. Ihre Partei hat die 36-Jährige nun offiziell als Nachfolgerin von Axel Markwardt vorgeschlagen.
Rathaus-CSU will Kristina Frank als Kommunalreferentin
Rollerderby: Die neue Trendsportart, die auch München begeistert
Rollerderby – schon mal gehört? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Über eine aufstrebende Sportart, die gerade in München immer mehr Menschen begeistert.
Rollerderby: Die neue Trendsportart, die auch München begeistert
Kautionsbetrug: Die miese Masche im Netz
Die Polizei warnt davor und doch kommt es immer wieder vor: Kautionsbetrug. Doch man kann sich schützen, wenn man bestimmte Warnsignale beachtet.
Kautionsbetrug: Die miese Masche im Netz
Münchnerin (31) bricht Mitarbeiter-Spinde auf und klaut Inhalt
Gleich mehrfach hat sich eine Münchnerin (31) an Mitarbeiter-Spinden in Münchner Altenheimen bedient. Per Videoaufzeichnungen kam die Polizei ihr jetzt auf die Schliche. 
Münchnerin (31) bricht Mitarbeiter-Spinde auf und klaut Inhalt

Kommentare