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Eine grüne Welle für Radler gibt es auf der Schellingstraße Richtung Ludwigstraße.

Anhörung

Stadtrat sucht nach dem richtigen Weg für den Radverkehr

München - Dass München den Rad-Verkehr noch stärker fördern muss, ist im Stadtrat unumstritten. Doch über das Wie sind sich die Fraktionen uneins. Vor allem die Gewichtung zwischen Rad- und Autoverkehr ist strittig. Das wurde bei einem Stadtrats-Hearing im Rathaus deutlich.

So wie die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt stetig steigt, so signifikant ist auch der Zuwachs an Radfahrern. Bereits im Jahr 2013 war der Radverkehr in München im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent angestiegen. Aktuell, so schätzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seien es 20 Prozent.

So soll es nach Ansicht von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) weitergehen. Er sieht „Entwicklungspotenzial von der Radlstadt zur Radlhauptstadt“ und forderte, dem Stadtratsbeschluss zur Förderung des Radverkehrs von 2009 müssten nun Taten folgen.

„Seit 2009 konnten herausragende Radprojekte realisiert werden“, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Sie hob besonders die Umstrukturierung der Maximilianstraße und am Rotkreuzplatz hervor. Unter den 32 bereits umgesetzten Maßnahmen sind Merk zufolge auch Fahrradstraßen, auf denen Autos nur mit Sondergenehmigung und Tempo 30 fahren dürfen. Vieles sei noch geplant, doch bei Radl-Stellplätzen sieht Merk ein Defizit: Hier könne man in München zur Zeit nur „neidvoll auf andere Fahrradstädte Europas blicken“.

Prestigeprojekt: Radschnellweg von der Innenstadt nach Garching

Das Prestigeprojekt ist nach wie vor die geplante Radschnellverbindung von der Münchner Innenstadt nach Garching beziehungsweise Unterschleißheim. Die Machbarkeitsstudie für München ist inzwischen in Arbeit. „Eine Umsetzung erfordert meistens eine Kombination aus verschiedenen Elementen“, sagt Peter Bischoff von SHP Ingenieure, die mit der Machbarkeitsstudie beauftragt ist. Die häufigste Lösung ist, auf bestehenden Hauptverkehrsstraßen den Platz zwischen Radlern und Autos neu aufzuteilen: Der Radl-Schnellweg beansprucht dann satte vier Meter. Auch Fahrradstraßen gelten als eine Möglichkeit, die Schnellverbindungen in Abschnitten zu realisieren.

Das dritte Element ist das radikalste: Eine eigene Trasse für die Radler. Auch hier soll der Radfahrweg vier Meter breit sein, daneben gibt es einen 2,5 Meter breiten Fußgängerweg – durch einen begrünten Streifen getrennt, damit Radler und Fußgänger sich nicht in die Quere kommen.  „Wir müssen das Miteinander fördern und sicherstellen, dass auch die Fußgänger sich sicher fühlen“, sagt Bischoff.

Warum Radeln in München nur bei Regen okay ist: Eine Typologie der Münchner Radfahrer  Die Pilotstrecke zwischen Zentrum und Garching findet unter den Fraktionen breite Zustimmung. „Wir begrüßen das Pilotprojekt München Nord“, betont Sebastian Schall (CSU), Verkehrssprecher im Bezirksausschuss Trudering. In anderen Fragen gehen die Meinungen aber stark auseinander. „Der Fahrradverkehr wird und muss anwachsen“, stellt zwar auch Schall fest. Doch das dürfe nicht zu Lasten des motorisierten Verkehrs gehen.

„Das Fließen des Verkehrs muss Priorität haben“, fordert auch FDP-Stadtrat Michael Mattar. Vielbefahrene Straßen zu verengen, ergebe keinen Sinn. Bei den Parkplätzen sieht Mattar am ehesten Einsparpotenzial.

Mehr Mut bei Radweg-Planung gefordert

„Keiner möchte Maßnahmen, die kilometerlange Staus produzieren“, sagt Paul Bickelbacher (Grüne). Doch sei verkehrt, wie etwa in der Rosenheimer Straße, trotz vorliegender Planungen über neue Radl-Spuren nur zu diskutieren. Man müsse „mehr Mut“ haben, die Planungen auch umzusetzen.

„Mir geht es nicht um die Radfahrer, die wir jetzt haben, sondern um die zukünftigen“, sagt ÖDP-Stadträtin Sonja Haider. Sie will aus möglichst vielen Autofahrern Radfahrer machen. „Wir wollen alle den Radverkehr fördern“, sagt Bettina Messinger (SPD). „Eine Neuverteilung des Straßenverkehrs ist dafür unumgänglich“ – mit Abstrichen sowohl beim ruhenden als auch beim fließenden Verkehr. Für die geplante Pilotstrecke München Nord wünscht sich Messinger „einen positiven Start, damit auch gleich eine Akzeptanz da ist.“

Lisa-Marie Birnbeck

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