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Freie Fahrt im zweiten Münchner S-Bahn-Tunmnel soll es eines Tages heißen, wenn es nach dem Stadtrat geht.

Stadtrat sagt Ja zum zweiten S-Bahn-Tunnel

München - Nach der Staatsregierung haben auch der Stadtrat und die Landtags-CSU grünes Licht zum Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels gegeben. Trotzdem: Das mehr als zwei Milliarden Euro teure Vorhaben bleibt umstritten.

Schon seit zehn Jahren planen der Freistaat und die Bahn ander zweiten S-Bahn-Stammstrecke, die in 40 Metern Tiefe vom Hauptbahnhof über den Marienhof zum Ostbahnhof verlaufen soll. Allerdings war zuletzt nochmals heftige Kritik geäußert worden. Vor allem die Grünen, die CSU und die FDP hatten moniert, das Vorhaben könne die Probleme des Bahnknotens nicht lösen.

Im Stadtrat ist die Diskussion gestern vorerst abgeschlossen worden. Das Rathaus-Parlament stimmte mit großer Mehrheit dem Bau der zweiten Röhre zu. Neben der SPD votierten mehrheitlich auch die CSU und die Grünen für das Milliarden-Vorhaben. Nur jeweils drei Stadträte beider Fraktionen wollten nicht folgen. Zudem sprach sich der Stadtrat für den viergleisigen Ausbau der S 8-Trasse zwischen Johanneskirchen und Daglfing aus. Dort sollen einmal Express-S-Bahnen zum Flughafen rauschen. Aber nur, wenn der besagte Ausbau-Abschnitt im Tunnel geführt wird, fordert der Stadtrat. Wie teuer das alles wird, ist noch nicht klar. Derzeit geht Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) davon aus, dass Gesamtkosten bis zu 3,4 Milliarden Euro anfallen werden.

Dem relativ einmütigen Votum des Stadtrats war eine heftige Diskussion vorausgegangen. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl warf den Tunnelgegnern bei der CSU, der FDP und den Grünen vor, das Projekt mit ihren Zweifeln gefährdet zu haben. OB Christian Ude (SPD) kritisierte insbesondere die CSU. Verglichen mit ihr sei „ein Penner, der Passanten anredet", ein Verhandlungsgenie, schimpfte Ude. Der Grund: Die CSU hatte den Tunnel als „völlig unbefriedigende Lösung bezeichnet", zugleich aber angekündigt, dem Projekt zuzustimmen, für das Bund und Freistaat Milliarden bereitstellen sollen.

Bereits im nächsten Jahr möchte Verkehrsminister Zeil mit dem Bau des Tunnels beginnen - selbst wenn bis dahin noch nicht für alle Planungsabschnitte eine Baugenehmigung vorliegen sollte. Das sei „politisch sehr abenteuerlich", kritisierte FDP-Fraktionschef Michael Mattar seinen Parteifreund. Mattar sprach sich stattdessen für eine Teilertüchtigung des Südrings aus. Die von den Grünen eingeforderte Tauglichkeit des Tunnels für Regionalverkehr nannte CSU-Fraktionschef Josef Schmid „Augenwischerei". Der Tunnel sei geplant wie bisher. Für Regionalzüge heutiger Generation sei er nicht geeignet.

Eine Entscheidung war die gestrige Abstimmung im Stadtrat noch nicht. Das Votum gilt als Empfehlung für den Landtag, der am 14. April einen Beschluss fassen soll. Es gilt aber als sicher, dass auch im Maximilianeum die Weichen für den Bau des Tunnels und den Ausbau der S 8 gestellt werden. Denn gestern sprach sich auch die CSU-Fraktion im Landtag einstimmig für diese Gesamtlösung aus. Am Dienstag hatte schon die Staatsregierung grünes Licht zum Ausbau des Bahnknotens gegeben. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach dabei von einem „Jahrhundertprojekt".

Die eigentliche Entscheidung über den Bau des Tunnels wird jedoch erst in den nächsten Monaten fallen. Dann nämlich muss der Freistaat mit dem Bund über Gelder aus dem Etat des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) verhandeln. Wie berichtet, müsste der Bund allein für den Tunnel 800 Millionen Euro zusätzlich nach Bayern schicken. Auch ob Berlin Sondermittel wegen Olympia 2018 locker macht, gilt als fraglich. Denn aller Voraussicht nach ist der Münchner S-Bahn-Tunnel bis dahin noch gar nicht fertiggestellt.

Matthias Kristlbauer

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