Englischstunde: „Fragen und kurze Antworten“ heißt die Überschrift an der Tafel. So einfach läuft es bei der Diskussion über die Schulen leider nicht. foto: dpa

Nach Diskussion um Kostenexplosion

Stadtrat setzt beim Schulbau den Rotstift an

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München - München braucht neue Schulen. Um sie pädagogisch modern zu machen und den Bau zu beschleunigen, hatte der Stadtrat im Mai Raumprogramme beschlossen. Doch angesichts klammer Kassen schnürt die Stadt diese nun nochmal auf. Der Bildungsreferent fügt sich.

Wie groß soll ein Klassenzimmer sein? Müssen Grundschulen Computerräume haben? Wie viel Platz braucht ein Lehrer und wie viel das Werkzeug des Hausmeisters? Viele Fragen stellen sich beim Schulbau. Und München muss bis zum Jahr 2030 viele Schulen bauen: 45 neue, hinzu kommen zig Sanierungen und Erweiterungen. Damit das schneller geht, hat das Bildungsreferat Standardraumprogramme für Grund-, Mittel-, Realschulen, Gymnasien und Sportanlagen entworfen. Diese klären die Raumaufteilung in einem Wurf, so dass nicht über jede Schule einzeln abgestimmt werden muss. Im Mai hatte der Stadtrat darüber einstimmig beschlossen.

Doch angesichts der Haushaltslage wollen nun SPD- und CSU-Fraktion die Programme nochmals aufschnüren. Davor hatte Bildungsreferent Rainer Schweppe (SPD) gewarnt: Er fürchtete, die ausgearbeiteten Standards für moderne Pädagogik könnten angetastet und die Schulen nicht rechtzeitig fertig werden. Jetzt aber muss sein Referat, so beantragt es Schwarz-Rot, nochmal ran. Ziel solle sein, „die Wirtschaftlichkeit zu verbessern“ – indem Flächen reduziert werden. Das Einsparpotenzial ist enorm: Schweppe schätzt die Kosten der Schulbauoffensive auf sechs Milliarden Euro. „Gelänge es, nur fünf Prozent einzusparen“, sagt SPD-Rätin Beatrix Zurek, „wären das 300 Millionen Euro.“ Viel Geld, das sagt auch Schweppe.

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Doch was soll abgeknapst werden? Die SPD stört sich daran, dass die Programme bei der Flächenbemessung „deutlich über die Vorgaben des Freistaats hinaus“ gehen. So regelt die bayerische Schulbauverordnung, dass ein Klassenzimmer im Gymnasium 60 bis 66 Quadratmeter groß sein muss. Schweppe plant 72. Seine Begründung: Die Verordnung sei mehr als 20 Jahre alt, berücksichtige nicht aktuelle Klassengrößen und nicht die Bedarfe, die durch neue Anforderungen entstehen: Pädagogik ohne Frontalunterricht, Inklusion, Ganztagsbetreuung, Übergangsklassen für Migranten – all das braucht Platz.

Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) fürchtet Kürzungen. Derweil wollen die Stadträte explizit vermeiden, dass der pädagogische Anspruch leidet. Und Zurek wirft Schweppe – den sie nach seinem Abgang 2016 voraussichtlich im Amt beerbt – nicht vor, zu verschwenden. „Nur schaut man jetzt halt noch genauer hin.“ Hier und da seien sicher einige Quadratmeter wegzunehmen: „A bisserl was geht immer.“

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Tatsächlich thematisiert bereits der Mai-Beschluss die Finanzlücke: 20 bis 30 Prozent der geplanten Flächen seien nicht förderfähig, so das Referat. „Gleichwohl“ dürfe man den Schulbau nicht allein von der Förderfähigkeit abhängig machen: Letztlich müsse die Stadt als Sachaufwandsträger entscheiden, wie lieb und teuer ihr die Schulen seien. Sicher stelle sich die Frage, ob jeder Raum in dieser Größe notwendig sei. Doch das Referat gelangt zur „festen Überzeugung“, dass das Programm nachhaltig sei. Mit dem Freistaat verhandle man über weitere Fördermöglichkeiten.

Nun muss Schweppe zurückstecken. Doch er und Zurek demonstrieren Einigkeit. Er begrüßt es, „dass die pädagogische Raumgestaltung erhalten bleiben soll“. Über die „Einsparung bei bestimmten Flächen“ könne man selbstverständlich sprechen. Und Zurek will „nicht die Konzepte über Bord kippen“. Beide hoffen, die Diskussion bald zu beenden. Der Zeitdruck ist immens: Im Februar soll das erste große Bauprogramm beschlossen werden. Bis dahin muss klar sein, ob eine Grundschule einen Computerraum braucht.

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