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Die Stadtwerke haben Schwierigkeiten, top ausgebildete Arbeitskräfte zu gewinnen.

Generationswechsel

Stadtwerke kämpfen um die besten Köpfe

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Die Stadtwerke München bereiten sich auf einen Generationswechsel vor. In den nächsten Jahren wird ein Drittel der derzeit 8000 Beschäftigten aus Altersgründen ausscheiden. Um gegen attraktive Arbeitgeber wie BMW bestehen zu können, hat der Versorger einen radikalen Wandel der Unternehmenskultur eingeläutet.

Vor einigen Jahren hat es bei Werner Albrecht (54) geschnackelt. Der Personalchef der Stadtwerke München (SWM) saß bei einem Vorstellungsgespräch einem jungen, gut ausgebildeten Bewerber gegenüber. Doch anstatt devot die Fragen des künftigen Chefs zu beantworten, drehte der Mann den Spieß um und nahm Albrecht ins Kreuzverhör. „Haben Sie einen Kita-Platz, wie steht es um die Altersversorge? Plötzlich wurde ich gelöchert“, erzählt Albrecht. Angesprochen auf seine Chuzpe, sagte der Bewerber: „Ich muss ja nicht hier arbeiten, dann gehe ich eben zu BMW oder Knorr-Bremse.“

Gut ausgebildete Arbeitnehmer sind heutzutage nicht mehr in der Rolle des Bittstellers, sondern können sich ihren Arbeitgeber frei aussuchen, zumal auf einem prosperierenden Arbeitsmarkt wie München. Vor allem Ingenieure und IT-Experten sind heiß begehrt, in Deutschland suchen tausende Unternehmen händeringend nach ihnen. Mit dieser Situation muss Werner Albrecht umgehen. Als Geschäftsführer Personal und Soziales der Stadtwerke ist er der Chef von rund 8000 Beschäftigten. Die Belegschaft steht vor einem Generationswechsel riesigen Ausmaßes. In den kommenden Jahren wird ein Drittel der Kollegen in den Ruhestand gehen. Albrecht fällt die Aufgabe zu, den Übergang zu managen. In der Akquise neuer, top ausgebildeter Kräfte sieht Albrecht die größte Herausforderung. Denn der kommunale Energieversorger bezahlt seine Angestellten nach Tarif, die großen Münchner Unternehmen locken mit deutlich mehr Gehalt.

Geld allein macht jedoch nicht glücklich – zumindest ist das die Hoffnung der SWM. Der Versorger will sich selbst in den nächsten Jahren so attraktiv machen, dass ein potentieller Arbeitnehmer auch auf einige hundert Euro verzichten würde. Die Pfunde, mit denen Personalchef Albrecht wuchert, heißen Dienstwohnung, Flexibilität oder Altersversorgung. „Ich will die Stadtwerke bis 2025 zu einem der fünf beliebtesten Arbeitgeber in München machen“, lautet das ehrgeizige Ziel des 54-Jährigen. Die früher im Unternehmen gepflegte 9-bis-17-Uhr-Mentalität soll der Vergangenheit angehören, Flexibilität und Eigenverantwortung großgeschrieben werden. „Die Anwesenheitskultur wird durch eine Ergebniskultur ersetzt“, sagt Albrecht. „Mir ist egal, wann ein Angestellter seine Präsentation macht, Hauptsache zum Termin ist sie fertig.“

Der Transformationsprozess im Haus läuft gerade an, nicht immer zur Freude von älteren Kollegen mit 30 oder 40 Jahren Betriebszugehörigkeit. Doch ohne eine Umstellung der Unternehmenskultur, davon sind Albrecht und auch SWM-Vorsitzender Florian Bieberbach überzeugt, wird der Konzern den Kampf um die besten Köpfe verlieren. Es ist aber nicht nur die Elite, um die man sich bemühen muss. Auch niedrig bezahlte Beschäftigte wie Busfahrer oder Bademeister rennen den Stadtwerken schon lange nicht mehr die Türen ein. „Früher hatten wir hunderte Bewerber aus diesem Bereich. Doch die Mieten und Lebenshaltungskosten in München sind einfach zu hoch.“ Noch scheut sich Albrecht davor, eine Ballungsraumzulage zu bezahlen, um Jobs im Niedriglohnbereich attraktiver zu machen. Denn die Zulage würde jeder der 8000 Beschäftigten erhalten. Die Stadtwerke gehen wegen der niedrigen Preise auf dem globalen Energiemarkt derzeit durch ein wirtschaftliches Tal und sind nicht in Spendierlaune. Albrecht will Bewerbern einen schlecht entlohnten Job anders schmackhaft machen, etwa mit einer günstigen Betriebswohnung. 550 solche Wohnungen besitzen die SWM bereits, weitere 500 will der Konzern in den nächsten Jahren bauen.

Ein breiter Stellenabbau soll mit dem Generationswechsel nicht einhergehen, versichert Albrecht. Möglich sei aber, dass es in manchen SWM-Bereichen künftig mehr Personal, in anderen weniger geben wird. „Noch sehe ich keinen Bus ohne Mensch am Steuer durch die Stadt fahren. Aber warten wir mal 15 Jahre ab.“

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