Der Meridian – die Züge werden nun doch nicht in München gewartet. Foto: dpa

Aus für Meridian-Werkstatt in Ramersdorf

München - Die Anwohner feiern, die Stadtwerke sind verärgert - und der private Bahnkonzern peilt nun Augsburg an.

Verblüffende Wende bei der geplanten Eisenbahn-Werkstatt in Ramersdorf: Nach über zwei Jahren Planung hat die Bayerische Oberlandbahn (BOB) ihre Pläne für das Projekt auf dem Areal der Trambahnhauptwerkstätte an der Ständlerstraße gestoppt. Die Stadtwerke München haben bei der Regierung von Oberbayern um Einstellung des Genehmigungsverfahrens für den BOB-Betriebshof gebeten. Auf dem Gelände hinter dem MVG-Museum sollten eine Halle samt Waschstraße, Lager- und Verwaltungsbau sowie drei Rangiergleise zur Wartung und Reparatur der Meridian-Züge entstehen, die seit Dezember im Regionalverkehr zwischen München und Salzburg sowie Kufstein unterwegs sind.

Die BOB gibt wirtschaftliche Gründe und „erheblich veränderte Rahmenbedingungen gegenüber der ursprünglichen Planung“ für ihre Entscheidung an. „So hat sich das Projekt zwischenzeitlich aus Gründen, die wir nicht beeinflussen können, um mehr als zwei Jahre verzögert und ein Inbetriebnahmetermin für unsere Werkstatt ist bis heute nicht in Sicht“, so BOB-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein. Der Betrieb hätte frühestens 2016 starten können.

Die Stadtwerke wurden von dem Aus am Donnerstagabend überrascht. „Bisher war uns lediglich der Wunsch bekannt, die Vertragskonditionen den geänderten zeitlichen Rahmenbedingungen anzupassen“, so der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Herbert König. Dabei sei mehrfach betont worden, man wolle am Werkstattprojekt festhalten. Nachverhandlungen seien allerdings verschoben worden, weil man sich zunächst um die akuten Probleme im Meridian-Betrieb kümmern wollte.

Die staatliche Aufsichtsbehörde „Bayerische Eisenbahngesellschaft“ wurde vom Aus überrascht. Der Ärger ist wegen des verpatzten Meridian-Starts im Dezember - als es reihenweise Verspätungen gab - ohnehin groß. Man erwarte von Meridian einen schriftlichen Bericht, wie die Wartung der Züge erfolgen solle. Meridian sagt offiziell nur, dass sie neben den bisherigen provisorischen Werkstätten in Regensburg und Freilassing nach neuen Standorten für eine dauerhafte Werkstätte suchen. Inoffiziell ist zu höhren, dass die Werkstatt im Werk der Bayerischen Regiobahn (BRB) in Augsburg angesiedelt werden könnte. Die BRB gehört wie Meridian und BOB zum Mutterkonzern Veolia.

Auch der MVG-Chef ist deutlich verärgert über das unerwartete Aus für die Pläne in Ramersdorf. Schließlich hatten die Planungen Zeit gekostet. Zudem geht’s ums Geld. Die Einnahmen aus der Grundstücksverwertung an der Ständlerstraße sollten in die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur bei U-Bahn und Tram gesteckt werden.

Bei den Anwohnern hingegen wird gefeiert. Dort stießen die Pläne von Anfang an auf viel Widerstand. Befürchtet wurden Lärmbelästigungen und eine spätere Ausweitung der Anlage. Vergangene Woche hatte es weiteren Ärger gegeben, weil bekannt wurde, dass die Ein- und Ausfahrt zur geplanten Werkstätte doch nicht so problemlos möglich ist wie ursprünglich erklärt. Wegen regelmäßiger Verspätungen auf der S3 und S7 hatte die DB Netz AG Wendefahrten über den S-Bahnhof Perlach empfohlen.

Der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume stellte das laufende Genehmigungsverfahren in Frage. Nach der Absage der BOB müsse man wachsam sein, mahnt Blume. Denn laut MVG wird nun die Suche nach einer alternativen Nutzung wieder aufgenommen.

Carmen Ick-Dietl und Dirk Walter

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