+
Teurer Strom: Trotz Millionengewinn erhöhen die Stadtwerke die Energie-Preise.

Auch Stadtwerke langen zu

Wirbel um Strompreise: Erhöhung unsozial?

München - Energie wird immer teurer: Auch die Münchner Stadtwerke erhöhen ihren Strompreis massiv. Gleichzeitig fährt das kommunale Unternehmen gewaltige Gewinne ein. Müssen sich die Kunden warm anzuziehen?

Die Stadtwerke München (SWM) rühmen sich, das erfolgreichste kommunale Unternehmen Europas zu sein. Das Eigenlob ist nicht aus der Luft gegriffen. Den Werken geht es prächtig. Jahr für Jahr verbuchen sie nach eigenen Angaben rund eine halbe Milliarde Euro Plus. Rechnet man Gewinnausschüttung und Gewerbesteuer zusammen, landen in schöner Regelmäßigkeit rund 300 Millionen Euro im Stadtsäckel – und der Kämmerer sagt Danke.

Trotz glänzender Bilanz drehen die SWM zum 1. März kräftig an der Kostenschraube. Wie berichtet, klettern die Strompreise um 12 bis 15 Prozent. Die Steigerung ist unter anderem eine Folge der bundesweiten Erhöhung der EEG-Umlage – also letztlich das Ergebnis der Energiewende. Wie fast alle Versorger im Land, so geben auch die SWM die höheren Kosten an die Verbraucher weiter. Damit verhalten sie sich marktkonform.

Allerdings sind die Stadtwerke ein kommunales Unternehmen und als solches nicht dem Gewinn verpflichtet. Wer bei jeder sich bietenden Gelegenheit werbewirksam betont, dem Wohl der Münchner zu dienen, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob angesichts sprudelnder Gewinne nicht eine zurückhaltendere Preispolitik angebracht wäre.

In dieses Horn bläst die Münchner CSU. „So sozial sich die Stadtwerke immer geben, wenn es darauf ankommt, sind sie ein genauso knallhartes und auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen wie jedes andere auch“, stellt Stadtrat Hans Podiuk fest. Sein Parteikollege Marian Offman hält den Preisanstieg für „viel zu hoch“. Er spricht von einer „kommunalen Abgabe“, die unabhängig vom Einkommen erhoben werde und somit unsozial sei. „Der Kämmerer soll sich das Geld anderswo holen“, schimpft Offman und rät den Kunden, zu einem billigeren Anbieter zu wechseln.

Im Gegensatz zur CSU zeigt Rot-Grün Verständnis für die Erhöhung der Strompreise. „Sozialpolitik wird nicht von Unternehmen gemacht“, sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl, „sondern von der öffentlichen Hand.“ Zudem würden die SWM das Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken, den Gewinn investieren, um zukunftsfähig zu bleiben. „Wenn wir in zehn Jahren noch kommunale Stadtwerke haben wollen, brauchen sie das Geld.“

So sieht das auch Grünen-Chef Florian Roth. Die Kostensteigerung sei verkraftbar, die Erhöhung gerechtfertigt. Zudem sieht der Grüne einen Steuerungseffekt: „Wenn Strom mehr kostet, gehen viele Menschen bewusster mit Energie um.“

Genau das bestätigt eine aktuelle Umfrage der Dekra. Danach senkt fast jeder Zweite die Raumtemperatur und zieht sich wärmer an, um seine Energiekosten zu senken. 86 Prozent achten beim Kochen und Waschen auf einen geringeren Verbrauch. Für die steigenden Preise sieht die Mehrheit einen großen Schuldigen: 80 Prozent halten die Preispolitik der Konzerne für verantwortlich.

Die Stadtwerke sehen das anders: „Da bereits rund 70 Prozent des Strompreises Steuern, Abgaben, Umlagen und die von der Bundesnetzagentur festgelegten Strom-Netzentgelte ausmachen, bleibt für die SWM kein Spielraum für Preiszugeständnisse“, erklärt Sprecher Christian Miehling. „Außerdem muss auch ein kommunales Unternehmen Gewinne erwirtschaften, um die notwendigen Zukunftsinvestitionen tätigen zu können.“ Von den jährlich über 500 Millionen Euro Gewinn blieben nach Abzug von Zinsen und Steuern nur rund 212 Millionen Euro übrig, wovon 100 Millionen per Gewinnausschüttung an die Landeshauptstadt fließen. Unterm Strich bleiben also nur 112 Millionen Euro Überschuss.

Geld, das die Stadtwerke gut gebrauchen können. Laut Grünen-Chef Roth steht bei den erneuerbaren Energien ein Investitionsbedarf von neun Milliarden Euro an. Bezahlen muss der Kunde.

Von Thomas Schmidt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Varieté-Star offenbar ermordet - Sie tanzte in Schuhbecks teatro
Der Tod von Varieté-Star Alla Klyshta schockiert die Münchner Künstlerszene. Wie bekannt wurde, stand ihr der mutmaßliche Mörder einst sehr nahe.
Varieté-Star offenbar ermordet - Sie tanzte in Schuhbecks teatro
S-Bahn München: Signalstörung am Hirschgarten - Verzögerungen auf Stammstrecke
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
S-Bahn München: Signalstörung am Hirschgarten - Verzögerungen auf Stammstrecke
Münchnerin ergreift Mangelberuf und bekommt trotzdem keinen Job - aus diesem Grund
Als kleines Mädchen wollte Linda Bollmann (25) Ärztin werden. Ihrem Wunsch, kranken Menschen zu helfen, blieb sie treu – und wurde Krankenschwester. So würde sie nie …
Münchnerin ergreift Mangelberuf und bekommt trotzdem keinen Job - aus diesem Grund
Schockierend: Neuer Bericht deckt gravierende Qualitätsmängel in Münchner Altenheimen auf
Ein neuer Bericht der Heimaufsicht München offenbart gravierende Missstände in den Altenheimen der Stadt. 
Schockierend: Neuer Bericht deckt gravierende Qualitätsmängel in Münchner Altenheimen auf

Kommentare